B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 10 (12.1923)
- Date
- 1923-12-01
- Page
- Seite 234 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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234 Das Buch von Fritz Kahn „Die Juden als Rasse und Kulturvolk", welches im vergangenen Jahre in dritter Auflage iin Weltverlag" in Berlin erschienen ist, ist für Juden geschrieben, während das Buch von Julius Goldstein „Rasse und P o 1 i t i k", das im ,,Neuwerkverlag" Schlüchtern bisher zwei Auflagen erlebte, sich anscheinend an die Christen und insbesondere an die Deutschen wendet. Beide Werke sind in ihrer Art ganz ausgezeichnet, bringen eine Fülle von Material und versuchen es, dem Rassenantisemitismus kritisch zu begegnen und die sattsam bekannten Auswüchse desselben durch wissenschaftliche Widerlegung zu bekämpfen. Das Buch von Kahn geht von dem Begriff der Rasse aus und wendet sich vor allem gegen die Theorien, daß die Arier, welcher Begriff überhaupt als unhistorisch und falsch abgelehnt wird, und die Germanen besonders edle Rassen seien, welche durch ihre Begabung und ihre Leistungen den übrigen Rassen und namentlich den Semiten an Kulturwert überlegen seien. Die Hypothesen der Germanentheoretiker (Chamberlain, Hauser, Wilser, Woltmann) werden in überzeugender Weise zergliedert und zerpflückt. Nach einer naturhistorischen Untersuchnug darüber, welche äußeren Merkmale der Kritik standhalten, geht der Autor auf das Gebiet der Historie über und führt uns in jene Zeiten, da der Semit der Träger der Weltkultur gewesen ist. Endlich wird rassengeschichtlich untersucht, wobei sowohl die Geschichte als auch die Naturgeschichte als Hilfswissenschaften dienen, wie das jüdische Volk rassengeschichtlich entstanden ist und welche Veränderungen und Vermischungen der jüdische Rassentypus im Laufe der Jahrtausende erfahren hat. Kahn kommt zu dem Ergebnis, daß die Juden bis zum Jahre iooo nach Christi Geburt nicht aus einer einheitlichen Rasse entstanden sind, sondern daß durch Verschmelzungen verschiedener Volksstämme, durch ständige Vermischungen, durch Mischehen und durch Aufnahme von Proselyten im Altertum und im Mittelalter jene Rasse entstanden ist, welche heute die jüdische Rasse darstellt und die fälschlich als eine rein semitische Rasse angenommen wird. Im zweiten Teil seines Buches untersucht Kahn den Rassen wert der Juden und ihre Leistungen auf kulturellem Gebiete. Er kommt zu dem Resultate, daß die Juden nicht nur Kulturschöpfungen hervorgebracht haben, welche den Leistungen anderer Rassen ebenbürtig sind, sondern, daß die Juden viel mehr für die Menschheit geleistet haben, als die meisten jener Völker, die sich stolz Kulturvölker nennen. Als das Ideal der Zukunft sieht Kahn das Geschlecht, dessen Weltanschauung in einer harmonischen Vermählung arischer Schöpferfreude mit semitischem Sittlichkeitswillen besteht, Das Buch von Kahn ist geistsprühend mit überaus schwungvoller Dialektik und in populärer Form gemeinverständlich geschrieben. Die Lektüre dieses Buches kann jedem, der sich über die im Judentum schlummernden und bereits zu Tage getretenen Kräfte orientieren will, empfohlen werden, zumal diese Lektüre durchaus nicht langweilig ist und die fesselnde Art der Darstellung in dem Leser nicht das Gefühl aufkommen läßt, daß er ein wissenschaftliches Werk liest.