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B'nai B'rith · 1923-12-01 · 10 (12.1923) · p. Seite 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
10 (12.1923)
Date
1923-12-01
Page
Seite 228 (sequence 10)
Language
German
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223 handelt, nicht immer so verständig, sondern zuweilen unverständig, aus überquellendem Herzen, aus ganzer Seele und dem ganzen Gemüt, damit erst erweist der Bruder seine Brüderlichkeit. Brüderlichkeit so heißt ein Leitgestirn unseres Bundes. In diesem Wort liegt ein Verstehen für alles, was menschlich ist, in dem Sinn, daß man nicht nur die Schwäche alles Menschlichen sieht, sondern gütig genug ist, diese Schwächen zu begreifen und aus sich heraus mitzuerleben. Nur so kann Zusammenschluß und Gemeinsamkeit zu höchstem und edelstem Wirken sich erheben. Um brüderlich zu sein, muß man an das denken, was vereint und nicht an das, was trennt. Was uns vereint, das ist zunächst das Wesen, das ist Schicksal und Schicksalsgemeinschaft und das glühende Geheimnis unseres Blutes. Das Tiefste in uns ist, daß wir, jeder einzelne von uns, Sammelbecken der Jahrhunderte, ja der Jahrtausende sind. Behälter, in denen soviel jüdisches Leben, so vieler Väter und Mütter Schmerz und Glück, Lächeln und Gram, Not und Gebet zusammenfloß. Wenn wir das bedenken, das ist ein festes Band. Und wenn Heine spottet: Das Judentum ist keine Religion, sondern ein Unglück, so ist dieses Unglück ein eiserner Reifen, der uns zusammenhält. Daß wir aber das Gemeinsame, das in uns liegt, zur Brüderlichkeit emporheben und in wirksame Gegenwart stellen, das fordert mit Entschiedenheit der Gedanke des Bundes. Denn ein Bund ist nichts anderes, als eine Gesamtheit von Verbündeten. Das gleiche Ordensgelübde verpflichtet jeden Bruder zu Unterordnung und Gehorsam und ohne Kutte und Rosenkranz ist jeder ein Ordensmann, der nicht an sich zu denken hat, sondern an das Wohl der weltumspannenden Brüderschaft, der er angehört. Wenn schon studentische Korporationen, wenn Vereinigungen, die nur Zwecken der Unterhaltung nachgehen, ein festes Band um ihre Mitglieder schlingen, um wie viel mehr ist da der Bruder dem Orden verbunden, der die edelsten Grundsätze der Menschlichkeit vertritt, der jeden einzelnen in seine Obhut nimmt und im Leben und Sterben in unversieglicher Treue ihm beisteht. Man hat den Begriff der Brüderlichkeit mitunter mit Freundschaft verwechselt und Freundschaft läßt sich nicht befehlen, noch erzwingen. Daher ist sie im Ordensgelübde auch nicht beschlossen. Was aber darin inbegriffen ist, das ist Wohlwollen und Eintracht und damit Duldsamkeit und Gerechtigkeit und das sind Komponenten einer Geisteshaltung, die dem sittlichen Intellekte entspringt und der Freundschaft nahe verwandt ist. Und noch eines schließt wahre Brüderlichkeit in sich: Das ist Ehrfurcht, Ehrfurcht vor der Redlichkeit des anderen, dessen Anschauungen nicht die unsrigen sind, schaffe über Parteien und Meinungen hinweg, auch dort einen versöhnlichen Geist, wo so oft verletztender Hader regiert. Sie beschwichtige jenen fanatischen Parteieifer, der es liebt, die subjektive Redlichkeit des Gegners in Zweifel zu ziehen, die Übereinstimmung im Ergebnis aber als Kriterium der Ehrlichkeit hinzunehmen. Brüderlich, wohlwollend, einträchtig einander beistehen in allen Angelegenheiten des Lebens, so oft reale oder ideale Forderungen uns zu einander führen, gebietet das Gelübde des Bundes. Blicken wir auf den Wreg zurück, den wir gegangen sind, so können wir sagen: Wir haben das Gute gewollt und haben Gutes geschaffen, Vollkommenheit haben wir nicht erreicht, kaum erstrebt. Vom Geiste der Brüder

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