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B'nai B'rith · 1923-11-01 · 9 (11.1923) · p. Seite 217

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
9 (11.1923)
Date
1923-11-01
Page
Seite 217 (sequence 17)
Language
German
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217 Von Kindheit an verband ihn innige Freundschaft mit seinem fast gleichaltrigen Mitschüler Siegmund Starkenstein — dem Vater unseres Bruders Starkenstein. — Gingen dann auch die Weltanschauungen der reifen Männer — hier des Arztes, dort des gesetzestreuen Kultusvorstehers — auseinander, die wahre innere persönliche Freundschaft, die beide verband, blieb dadurch unberührt und zeitigte manche schöne Frucht. Im besonderen erwähnt sei die freundschaftliche Beziehung Bruder Langschurs zu dem vor Jahren verstorbenen Grafen Heinrich Coudenhove-Kalergi. Dieser Besitzer der Domäne Ronsperg widmete sich nach seiner Rückkehr aus Japan seinem Lieblingsstudium, dem semitischer Sprachen und semitischer Kultur. Die philosophische Denkweise Coudenhoves führten diesen zu immer tieferen Beziehungen zum Judentume und machten ihm besonders die Unterschiede zwischen einst und jetzt, die Beziehungen der Kultur des Judentumes zu seiner Umgebung klarer. Die Frucht dieses Studiums war unter anderem Condenhov es Buch über das Wesen des Antisemitismus. Es ist so begreiflich, daß sich bald Beziehungen zwischen dem Grafen und seinem Bräuhauspächter entwickelten, umsomehr als der Graf erkannte, wie sehr Wesen und Denkart Langschurs für sein eigenes Studium und seine eigene Geistesentwickelung von Vorteil sind. Nicht unerwähnt möge schließlich in diesem Zusammenhange bleiben, daß das Band der Freundschaft auch zu den Rabbinern der ganzen Umgebung hochgehalten wurde. Unter diesen zählte noch besonders Dr. Posnansky, der durch Langschur gleichfalls dem Freundeskreise Coudenhoves beigezogen wurde. In den letzten Jahren fand das Wesen Langschurs auch noch äußerliche Ehrung. Anläßlich seiner goldenen Hochzeit verlieh ihm der Oberrabiner Dr. Brody mit Rücksicht auf seinen streng religiösen Lebenswandel und sein jüdisches Wissen die ,,Moreno". Nehmen wir alles in allem, so geht durch Langschurs Lebensbild ein einziger Zug, der sich wohl in seiner Gesamtheit nicht besser als durch Wohlwollen, Brüderlichkeit und Eintracht charakterisieren läßt. Diese Grundeigenschaften seines Lebens waren ihm zueigen, als er noch nicht unserem Orden angehörte; er brachte sie schon mit hieher und bewahrte diese unsere höchsten Pflichten, wie sie alle wissen, als ein kostbares Gut. Kam er deren Ausübung auch ohne viel Worte in aller Bescheidenheit nach, so wußte er sie dennoch andere zu lehren und so trug er in hohem Maße dazu bei, die geistigen und sittlichen Interessen unseres Stammes hochzuhalten und weiterzuentwickeln. Langschur war uns vorbildlich, er lehrte auch die, die unserem Bunde nicht angehören, gute B'ne B'rith zu sein und so empfinden wir, seine engeren Brüder, erst recht, was Langschur uns war. Wir haben ihn zu Lebzeiten gekannt und erkannt. Umso leichter wird es uns sein, seinen Geist auch weiterhin in unserer Mitte lebendig zu erhalten. Dies allein sichert ihm wohl dauerndes unvergängliches Gedenken." Sodann gelangten durch den Br. prot. Sekretär die zahlreichen eingelaufenen Kondolenz-Schreiben zur Verlesung, und nachdem der w. Präsident dem Br. Mandler für seine würdevolle Gedenkrede den Dank zum Ausdrucke brachte, wurde die Trauer-Sitzung geschlossen, welche bei allen Anwesenden den tiefsten Eindruck hinterließ. Zum Pfleger für die Witwe des dahingeschiedenen Bruders wurde Br. Siegmund Mandler ernannt. Umschau. Der Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums übersandte der s. w. Großloge folgenden Tätigkeitsbericht. In der Zusammensetzung unseres Verwaltungsvorstandes ist eine Veränderung eingetreten, durch die Berufung des Staatsministers a. D. Prof. Dr. Hugo P r e u ß auf den Platz des zweiten Vorsitzenden an Stelle des zurückgetretenen Justizrats Lilienthal. Der Kreis [unserer Mitglie-

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