B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 9 (11.1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 216 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seine Studien setzte er an der damals deutschen Realschule in Taus fort und widmete sich schließlich dem Kaufmannsberufe. Die diesbezüglichen Lehrjahre brachte er in ersten Fabrikshäusern, in Prag und Nürnberg, zuletzt bei der Fa Fürth in Schüttenhofen zu, wo er überall eine besonders angesehene und bevorzugte Stellung innehatte. Nur ungern folgte er dem Rufe seiner Eltern, um deren große Ökonomie und das Geschäft in Ronsperg zu übernehmen. In dieser Zeit lernte er seine herzensgute Gattin, eine geborene Grüner aus Tachau, kennen. Nach seiner Hochzeit wurde ihm von der Graf Coudenhoveschen Familie das Bräuhaus in Ronsperg zur Pachtung angeboten, das er durch Fleißund Umsicht zu hoher Blüte brachte. Erst mit dem Niedergange der einst stark entwickelten Glasindustrie im Böhmerwalde litt auch dieses Unternehmen und Langschur widmete sich dann voll seiner landwirtschaftlichen resp. kaufmännischen Tätigkeit. Langschur war als Kaufmann wie als Mensch mustergiltig! Er erfreute sich überall der größten Hochachtung und Wertschätzung! Es gibt in meiner Heimatsgemeinde keine Korporation von Bedeutung, der er nicht angehörte. Er war durch Jahrzehnte — bis zum Umstürze Mitglied der Stadtvertretung, wo sein Wort immer gerne gehört und beachtet wurde. Er war der Mitgründer der Sparkassa, zu deren Verwaltungsrat er bis zu seinem Ableben zählte. Wo immer etwas zur Weiterentwickelung und zum Fortschritt unseres Gemeinwesens beizutragen war, da stand Langschur an der Spitze. Ihm verdankt Ronsperg mit dem Anschluß an das Telegraphen- und Telephonetz, er war Mitglied des Baukomitees der Lokalbahn Ronsperg—Stankau und er hat auch in den letzten Monaten seines Lebens die Elektrifizierung der Stadt Ronsperg gefördert, deren Vollendung allerdings nicht mehr erlebt. Langschurs Familienleben war das denkbar glücklichste! Er hatte das Glück, an der Seite einer klugen edeldenkenden Gattin durchs Leben zu gehen. 8 versorgte Kinder, alle in guten sozialen Stellungen lebend, verschönerten sein hohes Alter! Leider wurde er aber auch vom Schicksal schwer geprüft. Zu Beginn des Weltkrieges geriet sein ältester Sohn in russische Gefangenschaft, aus der er erst nach fünfjähriger banger Dauer zurückkehrte. Seinen jüngsten Sohn, den er sich zum Nachfolger ausersehen hatte, verlor er als Opfer des Krieges. Langschur hat dies als Fügung Gottes, als frommer Jude schwer — aber mit Gottvertrauen und in Demut getragen. Langschur war aus ganzer Seele Jude! Er stand ein Menschenalter an der Spitze unserer Kultusgerneinde und der Chevra Kedischa. Was er an materiellen und persönlichen Opfern in dieser Eigenschaft geleistet hatte, das aufzuzählen würde zu weit führen. Seine letztwilligen Legate alleingehen in die Zehntausende! Langschur hat sich in der Geschichte unserer altehrwürdigen Gemeinde ewigen Dank und einen unvergänglichen Namen erworben. Wer, wie ich, mit ihm fast 28 Jahre öffentlich zu wirken Gelegenheit hatte, der muß sagen, daß er zu jenen ausgezeichneten Menschen gehörte, die nicht nur geben, um zu helfen, sondern auch um anderen ein Beispiel zu sein. Langschurs Leben war ein Leben voll der Arbeit; es war kaum jemals auf materielle Erfolge eingestellt. Der materielle Erfolg war nur das Mittel für die Erfüllung der Lebensnotwendigkeiten und der Erreichung höherer, idealer Ziele. So wurde sein arbeitsreiches, 'mühevolles Leben ein köstlich Leben! Langschur organisierte überall, wo er tätig war, den Armenfürsorgedienst sowohl für Ortsangehörige als auch für Fremde in mustergiltiger Weise "und die Nachricht von seinem Tode wird zweifellos nicht nur seine nahen Freunde, sondern eine große Zahl Bedürftiger mit Wehmut und Trauer erfüllen, die mit ihm einen warmen Förderer verloren haben. Die Brüder, die mit unserem würdigen Präsidenten der Leichenfeier in Ronsperg beigewohnt haben, haben aus eigener Anschauung gesehen, welch großer Kreis aus Nah und Fern, Mitbürger und Fremde ohne Unterschied der Nation und des Glaubens dem toten Freunde das letzte Geleite gegeben haben. Es war dies der richtigste Ausdruck dafür, zu welch großem Kreise er zeitlebens in freundschaftliche Beziehung getreten war. Und es waren nicht immer nur die Männer des Alltagsleben die Umwelt seiner Tagesbeschäftigung, die sich um ihn scharten. Es waren Männer des Geistes, die seine Freundschaft suchten und denen er dankbaren Sinnes auch Freundschaft zu halten wußte.!