B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 9 (11.1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 215 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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215 LogenverJjandes Br. Dr. Lewinsky, namens der cechoslovakischen Logen, Br. Dr. Golinski und Br. Oberlandesgerichtsrat Dr. Sbrieser namens der ehemaligen Mutterloge „Bielitz". Um 8 Uhr abends waren sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer an derh Stiftungsfeste an der festlich und prächtig geschmückten Festtafel im größten Saale der Stadt, dem ,,Dreihahnensaäle", vereinigt. In musterhafter Ordnung, die die Gemütlichkeit aber nur erhöhte, vollzog sich auch dieser Teil des Festes, obgleich mindestens die doppelte Anzahl von Personen, wie an der Festsitzung, sich an der Tafel beteiligten. Eine Militärkapelle spielte lustige Weisen und eine Reihe von ernsten und launigen Tischreden füllten die Pausen. Als Gäste an der Tafel waren die beiden Vorsteher der Kultusgemeinde mit ihren Damen zugezogen worden. Nach Begrüßung durch den Präsidenten beglückwünschte Vorsteher Finzi die Loge. Br. Expr. Dr. Wolf toastierte auf die Großloge und den Großpräsidenten; im Namen der Großloge dankte Br. Expr. Dr. Ziegler. Es sprach weiters Br. Expr. Dr. Fuchs auf die beiden Vertreter der Großloge von Deutschland und Österreich: im Namen beider dankte Br. Expr. Dr. Laub. Schließlich begrüßte Br. Dr. Leschner nochmals die Gäste und in launiger Weise feierte Dr. Expr. Schulrat Schwarz die Damen. Nach dem Bnidermahle vereinigte ein Nebensaal noch einen großen Kreis von Festteilnehmern zu einer gemütlichen Nachfeier, bei der insbesondere die Lieder des Frl. Braun entzückten. Ein gemütliches Tänzchen beschloß den genußreichen Abend. Trauer-Sitzung der w. „Union" für Br. Abraham Langschur. Am 10. Oktober 1923 fand in unserer Loge in Anwesenheit von 51 Brüdern und den als Trauergästen erschienenen 7 Verwandten des verewigten Br. Abraham Langschur die Trauer-Sitzung statt, bei welcher der w. Präsident dem verstorbenen Nestor unserer Loge einen zu Herzen gehenden Nachruf hielt. Hierauf erteilte er dem Br. Siegmund M a n d 1 e r das Wort, der in seiner großangelegten Gedenkrede ein getreues Lebensbild des dahingegangenen Bruders entwarf. ,,Es erfüllt mich — so führte Br. Mandler aus — mit Wehmut, daß die ersten Worte, die ich hier in unserem Logentempel spreche, dem traurigen Gedenken eines toten Bruders gelten. Es wurde mir seitens des würdigen Präsidenten die Aufforderung zuteil, unseres dahingegangenen Bruders Abraham Langschurs Lebensbild noch einmal vor den Brüdern aufzurollen. Noch bin ich ein Neuling in ihren Reihen, noch kenne ich die wahren Aufgaben eines wahren Ben B'rith mehr durch Hörensagen, als aus eigener Anschauung und es würde mir daher schwer fallen, den nunmehr toten Bruder als lebenden Ben B'rith zu schildern; und doch fällt es mir leicht; denn mir steht der umgekehrte Weg zur Verfügung: ich kenne Abraham Larigschur mein ganzes Leben hindurch und eben darum weiß ich, daß ein wahrer Angehöriger unseres Bundes nur so sein kann, wie es Abraham Langschur war. Er war vorbildlich nicht nur seiner Familie, nicht nur uns im Bunde, er war es dem gesamten Judentume, ja wir dürfen es hier sagen, er war es der Menschheit! Abraham Langschur wurde am 22. Juni 1841 in Ronsperg geboren. Er war ein Zwillingskind, von denen das eine gleich starb, während er von den Ärzten als nicht lebensfähig bezeichnet wurde. Seine Eltern zählten zu den ungesehensten Familien der ganzen Gegend. Es dürfte gerade für unsere jetzige Zeitperiode von Interesse sein, wenn ich hervorhebe, daß anläßlich einer schweren Erkrankung der Mutter unseres Bruders nicht nur im Tempel, sondern auch in der katholischen Kirche Ronspergs für die Genesung der Erkrankten Gebete verrichtet wurden. Die Familie selbst ist wohl eine der ältesten der Isr. Kultusgemeinde Ronsperg und erfreute sich auch jeweils der besonderen Gunst der adeligen Besitzer der Domäne Ronsperg. Langschur besuchte das damals auf hoher Blüte stehende Cheder in Ronsperg . das neben dem Jüdischen auch auf die allgemeine Ausbildung hohen Wert legte. Er kam später in eine gleichartige Schule nach Janowitz, wo er sich die Kenntnis der tschechischen Sprache aneignete.