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B'nai B'rith · 1923-10-01 · 8 (10.1923) · p. Seite 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
8 (10.1923)
Date
1923-10-01
Page
Seite 198 (sequence 36)
Language
German
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198 zu optimistisch und außerordentlich ungleichartig. Charakteristisch für die Lage ist die sprunghafte Steigerung der Lebensmittelpreise in den letzten Wochen. Die, trotz des für den innern Konsum nicht zureichenden Ernteertrages, in Aussicht genommene Ausfuhr von Getreide hat ihren Grund in der allgemeinen Wirtschaftslage, weil die Regierung keinen anderen Ausweg sieht, um die Einfuhr der landwirtschaftlichen und anderen Maschinen zu ermöglichen. Als besonderes Moment für die weitere Hilfstätigkeit kommt der außerordentlich schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung, namentlich der jüdischen in. Betracht. Die Erwachsenen sind in großer Zahl von der Tuberkulose heimgesucht. Unter den Tuberkulosekranken figurieren die Juden mit 70%. Die Kinder leiden an den Folgen von Darmkrankheiten. In einzelnen Küchen wurde festgestellt, daß bis 70% der Kinder Typhus mitgemacht hatten, 15% dreimal. Noch mehr sind die Kinder von Hautkrankheiten heimgesucht, hauptsächlich Favus, welcher in einzelnen Anstalten bis bei 90% der Kinder konstatiert wurde. Die Bevölkerungszahl ist in einzelnen Orten um 25% zurückgegangen; in Odessa waren im Jahre 1921 sechsmal mehr Todesfälle als Geburten, die Differenzzahl stieg später bis auf achtzehn. Ähnlich war das Verhältnis in anderen Gouvernements, so z. B. im Gouvernement Nikolajew auf 7323 Todesfälle 1199 Geburten. Groß ist auch noch immer die Anzahl der heimlosen Kinder (in der Krim zählt man 20.000), welche aufsichtslos in den Straßen umherstreichen und dem moralischen Verfall preisgegeben sind. In Sebastopol allein fanden in der Zeit vom 1.—15. April 38 Prozesse mit 54 Kinderverbrechern statt. Was die Durchführung der Hilfe betrifft, so betonten die Delegierten, daß die Verköstigung unter strenger Aufsicht der Vertreter der Welthilfsorganisation erfolge und daß die einheimische jüdische Bevölkerung sich hiebei mit Aufopferung beteilige. Die Liebesgabensendungen werden in besonderen Schiffen verfrachtet, im Hafen von unseren Delegierten übernommen, in die eigenen Magazine eingelagert und nach ihren Dispositionen verteilt. Bezüglich der medizinischen Hilfe entwickelte der Delegierte Dr. Gran in einem nahezu zweistündigen Expose ein interessantes Bild der Leistungen auf medikosanitärem Gebiete, welche mit Unterstützung der anderen jüdischen Organisationen insbesondere durch die Welthilfsorganisation unter seiner Leitung und Mitwirkung erfolgten. Der Monatsaufwand beträgt 20.000 Dollar. Es wurden eine Reihe von Kinderhorten und Kindersanatorien eröffnet, daneben andere medizinische Anstalten, Seesanatorien, Polikliniken u. ä. Wie bedeutungsvoll die Hilfe der Organisation für die sanitären Vorkehrungen in Rußland ist, geht daraus hervor, daß nach den Angaben des Referenten die Lager dieser Organisationen über 65 kg Chinin verfügen, während der gesamte Vorrat der Regierung bloß 100 kg beträgt. Als Zukunftsprogramm schlagen die Referenten vor: 1. Kinderhilfe, 2. medizinische Hilfe, 3. individuelle Hilfe für Intellektuelle,

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