B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 8 (10.1923)
- Date
- 1923-10-01
- Page
- Seite 197 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Als neue Arbeitsgebiete sind geplant die Gründung einer Bank, welche einerseits die Durchwanderer und Emigranten vor der Ausbeutung gewissenloser Privatunternehmungen schützen, andererseits aber auch der Organisation selbst Mittel zuführen soll, ferner aber auch Organisierung der gesamten jüdischen Hilfsarbeit, insbesondere die Zusammenfassung der bestehenden Komitees und Vereine und Schaffung neuer Vereine. An dieses Referat schlössen sich die Berichte der 3 Delegierten Dr. Adler, Grinberg und Dr. Gran, welche sämtlich vor kurzer Zeit aus Rußland zurückgekehrt und von denen die ersteren zwei auf dem Gebiete der allgemeinen Hilfe, Dr. Gran auf dem Gebiete der sanitären Hilfe tätig gewesen waren. Das Arbeitsgebiet der Welthilfsorganisation in Rußland war anhezu ausschließlich die Ukraina. Die Arbeit der Delegierten begann im Mai 1922, ihre Berichte reichen bis Juni 1923. Zu Beginn der Tätigkeit war der Hunger in diesen Gegenden furchtbar, in einzelnen Gouvernements hungerten bis 90% der Bevölkerung; im Ganzen in vier ukrainischen Departements, auf welche sich die Tätigkeit der Delegierten erstreckte, an 4% Millionen Menschen, das ist 50% der gesamten Bevölkerung. Um ein Bild von den Naturallieferungen nach Rußland in der Zeit vom Mai 1922 bis Ende Juni 1923 zu geben, sei erwähnt, daß insgesamt 3.129 Kisten, 419 Schachteln, 20.554 Packete, 92.731 Kleidungsstücke, 52.336.20 engl. Plund Lebensmittel und 44.305 kg Medikamente nach Rußland abgingen, die einen Gesamtwert von Frc 5.355-I75-50 darstellen. Unter anderem enthielten die Sendungen große Mengen Sämereien, Mehl, Gemüse, Kondensmilch, Zucker, Kaffee, Tee, Kindermehl und Mazzoth. Die Hilfe der Welthilfsorganisation in Rußland verteilte sich auf 60 verschiedene Ortschaften, es wurden im Ganzen etwa 100.000 hungernde Personen beteilt, darunter 55% Kinder. In dauernder Unterstützung standen regelmäßig 20.000 Kinder, durchschnittlich 80 Kinderanstalten, 20 medizinische Anstalten und 20 sonstige Fürsorgeaktionen. Individuelle Hilfe wurde an 20.000 Personen geleistet. Der Höchststand der in den Kinderküchen verpflegten Kinder betrug an 11.000. Gegenwärtig sind gegen 9.000 in den Kinderküchen der Welthilfsorganisation untergebracht, darunter 8.000 jüdische Kinder, davon 51% Waisen. Bis zum 1. Juni 1. J. wurden gegen 1 Million Mittagmähler verabreicht, daneben wurden etwa 1.000 unregistrierte Kinder aus den Überschüssen miternährt. Die Gewichtszunahme betrug innerhalb 3 Monaten 1—3 kg. Wenn auch gegenwärtig die Hungerkatastrophe als beendet angesehen werden kann und die Menschen nicht mehr auf der Straße Hungers sterben, so sind doch namentlich in der jüdischen Bevölkerung die Ernährungs- und wirtschaftlichen Verhältnisse derart verelendete, daß eine Gesundung ohne fremde Hilfe nicht möglich ist, in der Ernährungslage der Juden umsoweniger, als diese nicht die enge Fühlungnahme mit der Bevölkerung auf dem Lande haben, wie die Nichtjuden. Was die Ernteaussichten für das laufende Jahr betrifft, so bezeichnen die Delegierten die offiziell verlautbarten Ziffern als viel