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B'nai B'rith · 1923-10-01 · 8 (10.1923) · p. Seite 194

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
8 (10.1923)
Date
1923-10-01
Page
Seite 194 (sequence 32)
Language
German
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194 vor der fremden Überzeugung. Diese Achtung wird aber nur dadurch erreicht werden können, daß sich der Gegner durch wirkliche Kenntnisnahme der fremden Überzeugung die notwendige Grundlage für ein eigenes Urteil verschafft, und eben darum wird die Diskussion zu einem wertvollen Mittel, das uns der Erreichung unserer höheren Ziele, vor allem dem Verstehen des Anderen näher bringt. Bruder Spiegel bekannte sich öfter zu dem Grundsatze, daß er eigentlich nur mit jenen gerne diskutiere, die gleicher Meinung sind. Auch dieses Paradoxon, das eigentlich zu obigen Ausführungen im Widerspruch zu stehen scheint, hat seine IyOgik, die gerade durch Erfüllung obiger Forderungen erreicht werden kann. Die Unduldsamen, die keine andere Meinung und Anschauung dulden, die schon gegen jede solche Meinungsäußerung auftreten, geschweige denn eine Diskussion darüber zulassen würden, diese sind es, für die eine mittlere Linie als Diskussionsbasis nicht gefunden werden kann, und mit diesen zu diskutieren lohnt sich nicht. Für alle jene aber, die sich dem wahren Glaubensbekenntnis unseres Ordens anschließen, denen wirkliche Erkenntnis auf dem Wege zu reinem Menschentum mehr gilt, als starres zähes Festhalten an der eigenen Meinung, für die gibt es keine Grenzen des Diskutierbaren und sie werden durch Kundtun ihrer Meinung ebenso der Erkenntnis dienen wie durch Anhören der Gegenmeinung. So bringt Diskussion erst die Erfüllung dessen, was durch den Vortrag angeregt wird. Aber nicht die Zahl der in einem Jahre abgeführten Diskussionen, auch nicht die Zahl der sich daran beteiligenden Redner entscheidet für ihren Wert. Besser ist ein Vortrag mit einer sachlich durchgeführten ergebnisreichen Diskussion als mehrere Vorträge ohne Diskussion. Soll somit der statutarischen Forderung nach Vorträgen entsprochen werden, dann sollten diese stets auf grund einer sachgemäßen Organisation zur Durchführung kommen. Für die Schaffung einer solchen mögen die vorstehenden Ausführungen als Anregung hingenommen werden. Bericht über die Tagung des Zentralrates der jüdischen Welthilfsorganisation. Von Br. Expr. Emil Wiesmeyer. Die diesjährige Tagung des Zentralrates fand in der Zeit vom 29. Juli bis einschließlich i. August 1923 in Marienbad statt. Den Vorsitz führte der Präsident der Welthilfsorganisation Br. Prof. Dr. Simonson aus Kopenhagen; es waren im Ganzen 35 Mitglieder und Delegierte anwesend, hierunter der Obmann des Exekutivkomitees Dr. Motzkin, der Oberrabbiner von Wien, Br. Dr. Chajes, der Präsident der Großloge von Rumänien, Obeirabbiner Dr. Niemirower aus Bukarest, die aus ihrer Agitationsreise in der Tschechoslovakei bekannte Frau Dr. Rosa Buchmill, weiters eine Anzahl von jüdischen Abgeordneten und gewesenen Ministern. Die Tschechoslovakei ver-

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