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B'nai B'rith · 1923-10-01 · 8 (10.1923) · p. Seite 189

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Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
8 (10.1923)
Date
1923-10-01
Page
Seite 189 (sequence 27)
Language
German
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189 kenntnis" anhaftet und der die Wahrheit eben nur für einen zeitlich begrenzten Abschnitt wirklich wahr sein läßt. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß es eine ganze Anzahl von Vortragsthemen gibt, die als „Ergebnis" derart unumstritten sind, daß für sie solche Gefahrsmomente nicht gegeben sein können. Nebenher seien aber nur die vielen Themen aus naturwissenschaftlich-medizinischem Gebiete erwähnt, desgleichen alle die nationalen, konfessionellen Fragen, sie alle, die durch andauernde Entwicklung ständig in Fluß gehalten werden — diese können kaum als abgerundet feststehend in einem Vortrage dargestellt werden, oder doch nicht ohne die Gefahr, daß der, der das Gesagte kritiklos hinnimmt, sich einer umstrittenen Meinung als unumstritten anschließt. Die Fähigkeit der Kritik ist nun aber wiederum nur durch die Kenntnis der betreffenden Frage gegeben; da Kritik nun nicht jeder der Zuhörer üben kann, so sind diejenigen zur Kritik nicht nur berechtigt, sondern direkt verpflichtet, welche diese Fähigkeit besitzen. Das einzige Mittel, das eine solche Kritik in Gang bringen kann, ist die Diskussion. Diskussionen können in zwei Formen verlaufen: Ein Teil der Diskussionsredner sucht zur Stütze der vom Vortragenden vertretenen Anschauungen weiteres Material beizubringen und derartige Diskussionen verlaufen meistens kurz und ruhig. Nicht immer ist dies dagegen bei jenen Diskussionen der Fall, bei denen gegensätzliche Meinungen geäußert werden, die, je nach dem Temperament der sie vorbringenden Redner, bald in ruhiger Form, bald bei scharfer und lauter Betonung der Gegensätzlichkeit zu Gehör gebracht werden. Man kann diese Art der Diskussion auf Grund bestehender Erfahrungen sogar als die häufigere bezeichnen und eben darum ist die Definition einer Diskussion als Streit nicht als unrichtig abzulehnen. Der Standpunkt, „daß Streit immer zu vermeiden sei", ist sicherlich unrichtig und kann auch mit der Einschränkung „wenigstens in den Dogen" nicht als richtig anerkannt werden. Schon in den Dreißiger Jahren bezeichnete Krug in seinem philosophischen Wörterbuch die Forderung, daß man nicht streiten solle, als abgeschmackt; „denn da müßte man sich unbedingt dem Indifferentismus hingeben, man dürfte keinem Menschen widersprechen, geschweige denn widerstehen." Diskussion kann aber nicht mit Streit schlechthin identifiziert werden, sondern jede Wechselrede muß auf der Basis des logischen Streites abgeführt werden. Nach obigen Ausführungen ist nun die dem Vortrage folgende Diskussion das eigentlich Wertvolle, und ich möchte soweit gehen, zu behaupten, da!5 sie erst dem Vortrage der bloßen L,ektür gegenüber zu ihrem Rechte verhilft. Sie wird dabei ihre Bedeutung nach zwei Richtungen hin erkennen lassen: Richtig geführte Diskussionen können für alle daran beteiligten Personen von Wert sein, ganz besonders aber für den „indifferenten" Zuhörer, der sich an der Diskussion gar nicht beteiligt. Es gilt dies besonders von jenen, die den oben erwähnten „Autoritätsglauben" besitzen und die die Ausführungen des Vortragenden oft als gegebene Tatsachen hinnehmen. Werden nun durch die

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