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B'nai B'rith · 1923-10-01 · 8 (10.1923) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
8 (10.1923)
Date
1923-10-01
Page
Seite 182 (sequence 20)
Language
German
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182 für unseren Bund ihn abhielt — so suchten ihn unsere Augen und wir konnten mit unserer Arbeit erst beginnen, wenn wir wußten, daß er nun ganz bestimmt nicht kommen wird. Wir sind auch jetzt in dieser Lage: wir wissen, er wird bestimmt nicht mehr kommen; wir können es nicht fassen und müssen doch mit unserer Arbeit beginnen. Aber so nahe es auch liegt, es muß doch gesagt werden: wir werden nicht ohne ihn sein. Bruder Spiegel hat unseren Sitzungen, unseren Problemen, unseren Debatten ihr Gepräge gegeben, er hat hier den Ton angegeben, in welchem vorgetragen, referiert, debattiert, ja, in welchem auch Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden sollen. Wir wollen trachten, dieses Gepräge zu wahren, seinem Tone nachzuahmen. Es wird ein Ansporn für uns sein, stets so zu reden und so zu arbeiten, als ob das Auge Bruder Spiegels uns anblickte, als ob sein Geist unter uns weilte. Daß er nicht vergebens unter uns gewirkt haben möge, das wahr zu machen, soll unsere Aufgabe sein. Wir haben es in unserer Macht, die Früchte dieses teueren Lebens reifer und süßer zu machen. Diese Vorstellung sei das Leitmotiv unserer Arbeiten. Bedenken wir stets, daß die Vollendung seines Lebenswerkes in unsere Hand gegeben ist! Vorträge und Diskussionen. Von Br. E. S t a r k e n s t e i n. Wenige Tage vor seinem Tode ersuchte mich unser unvergeßlicher Bruder Großsekretär Dr. Emil Spiegel — wohl in einem seiner letzten Schreiben überhaupt — Um die Behandlung obigen Themas für unsere Zeitschrift. Er hielt eine Darlegung dieser Frage in Form allgemeiner Richtlinien für wünschenswert. Ich komme hiermit dieser traurigen Pflicht, der Erfüllung des letztem an mich gerichteten Wunsches Bruder Spiegels nach: Die Statuten unserer s. w. Großloge enthalten ebenso wie die der einzelnen Logen im § 2 jene Mittel angegeben, welche zur Erreichung des Zweckes unserer Vereinigung dienen sollen. Unter diesen Mitteln wird an erster Stelle die Abhaltung belehrender Vorträge genannt. Es erscheint die Untersuchung der Frage nicht unberechtigt, inwieweit durch solche Mittel die Erreichung des geforderten Zweckes überhaupt gefördert und wie dieser Forderung am besten entsprochen werden kann. Vorträge hatten — ganz allgemein betrachtet — einst eine andere Bedeutung als heute. Sie wurden doch verhältnismäßig selten abgehalten und behandelten meist Themen, die wohl das Interesse eines größeren Kreises erregten, diesem aber doch in entsprechend gemeinverständlicher Form nicht zugänglich, oder doch nach Art ihrer buchmäßigen Darstellung ohne geeignete Kommentare für die Allgemeinheit nicht leicht verständlich waren. Von diesem Gesichtspunkte aus wären heutzutage Vorträge überhaupt überflüssig; denn jedes Thema, das nur irgendwie ein breiteres Interesse beansprucht, ist hundertfältig behandelt, in umfangreichsten Kompendien ebenso wie in den kürzesten populären

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