B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 7 (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 160 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9597527-9597677--0173-9597691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
160 verehrten Ordenssekretärs Er. A. B. Seelenfreund gebracht. Es ist uns ein Bedürfnis, mehr über ihn zu sagen. Br. Seelenfreund war in Kaschau, woselbst er noch heute mehrere Verwandte besitzt, geboren. Seine hochbetagte Mutter, der sich in diesen Tagen die allgemeinste Teilnahme zuwendet, sowie ein Bruder, Rechtsanwalt Dr. Hans Jonathan Seelenfreund, Mitglied der w. ,,Wahrheit", leben in Wien. A. B. Seelenfreund entstammte einer Rabbinerfamilie und wurde selbst durch einen angesehenen Rabbiner in Ungarn, seinen Verwandten, für den gleichen Beruf herangebildet, ließ aber diese Studien fallen, als er im Jahre 1883 nach Amerika übersiedelte. Hier trat er bald in verschiedene praktische Berufe ein, die seine Fähigkeiten rasch entwickelten und weiteren Kreisen kenntlich machten. Insbesondere war es der h. w. Ordenspräsident Br. Adolf Kraus, der das Talent und den Charakter Seelenfreunds bald zu schätzen wußte. So kam es, daß sich Br. Seelenfreund schon in jungen Jahren dem Orden B'nai B'rith anschloß iind ihm schließlich fast seine ganze Tätigkeit widmete. Als Sekretär, sowohl der Großloge Nr. VI. als auch des Exekutivkomitees in Chicago, hat er, in letzterer Eigenschaft durch 18 Jahre, hingebungsvoll und vorbildlich gewirkt. Seine ganze Tätigkeit in diesem pflichtenreichen, verantwortungsvollen Amte konnten wir von hier aus nicht überblicken, wohl aber würdigen. Denn, was davon unserem Distrikte zugutekam, ließ einen Rückschluß auf das Ganze wohl zu. Viermal war Br. Seelenfreund persönlich zu uns herübergekommen, zweimal in der Zeit des alten österreichischen Verbandes und zweimal als freudig begrüßter Gast unseres neuen tschechoslowakischen Distriktes, dort in Begleitung des h. w. Ordenspräsidenten Kraus, hier allein in dessen Namen auftretend. Indessen war es nicht nur dieser letztere Umstand, der gerade diese Besuche (in den Jahren 1919 und 1921) für uns besonders eindrucksvoll gemacht hat. Im Jahre 1919 waren es zwei Momente, die allen seinen Äußerungen ein besonderes Gewicht gaben. Einmal überbrachte er uns da zum erstenmale wieder nach dem gewaltigen Kriege die persönlichen Grüße des Präsidenten Kraus und der amerikanischen Brüder überhaupt. Ja mehr als das, er brachte uns auch einen glänzenden Beweis ihres unveränderten brüderlichen Wohlwollens, indem er uns Mitteilung machte von dem durch die Brüder Amerikas aus eigener Initiative geschaffenen Darlehensfonde für durch den Krieg notleidend gewordene Brüder. Weiters aber konnte er gerade damals Zeuge sein der Neuaufrichtung unseres Distriktes und uns hiebei durch seine reiche Erfahrung und sein bei dieser Gelegenheit wie bei jeder anderen an den Tag gelegtes Wohlwollen die wertvollsten Dienste leisten. Insbesondere wird allen Teilnehmern der denkwürdigen _ Karlsbader Tagung vom 8. September 1919 die Rede unvergeßlich bleiben, die er, der Tagung als Gast beiwohnend, am Schlüsse derselben hielt. Mit großem Interesse, erklärte er damals, sei er sowohl den Verhandlungen des Generalkomitees als auch des Verbandstages gefolgt. Seine Reise sei mit großen Strapazen verbunden gewesen, aber es werde ihm nicht leid tun, sie auf sich genommen zu haben. Er könne im Namen des Bundespräsidenten