B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 7 (9.1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- Seite 159 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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159 gesagt, was je über die Aufgaben eines wahren Ben B'rith gesagt wurde. Mit den Worten „Du sollst zum Segen werden" beginnt er und führt weiter aus, daß diese Forderung, dieses Gebot, das jedem neuen Mitgliede unseres Ordens in feierlicher Stunde auf die Seele gelegt wird, zugleich auch der kürzeste und inhaltvollste Ausdruck für das Wesen und den Kern aller Bestrebungen des Ordens ist. Wir wollen hier nur noch einen kleinen Abschnitt dieses so inhaltreichen Aufsatzes zitieren: „Die Moralphilosophen haben viel und oft darüber gestritten, ob die Motive des sittlichen Handelns ihren letzten Ursprung im Egoismus oder Altruismus haben. Erst in neuester Zeit ist darauf hingewiesen worden, daß jede dieser Auffassungen an einer Einseitigkeit leidet, die das tiefere Verständnis der sittlichen Entwicklung erschwert. Man beginnt einzusehen, daß die soziale Natur des Menschen, die ihn von vornherein zum Zusammenleben bestimmt hat, ein viel tieferes Motiv erzeugt, das man am besten als Prinzip der Gegenseitigkeit bezeichnen kann. Man hat die Synthese von Egoismus .und Altruismus mit dem Worte „Mutualismus" bezeichnet und darin das fruchtbarste Prinzip der sittlichen Fortentwicklung erkannt. Dieses gesunde und lebensfödernde Prinzip des Mutualismus kommt nun in unserem Eosungswort zum kraftvollsten und wirksamsten Ausdruck. Wenn ich durch mein Tun wirklich zum Segen geworden bin, so gewährt der Anblick der segensreichen Wirkung mir selbst die höchste innere Befriedigung. Mich durchströmt dann das Gefühl eines gesteigerten Daseins, und es ist kaum möglich, sich ein höheres, ein reineres Glück auch nur mit der Phantasie zu ersinnen. Das Eicht, das ich durch meine Guttat entzündet habe, strahlt in meine eigene Seele zurück und verbr :itet dort die reichste Helligkeit und Wärme. So werde ich nicht nur den andern, sondern zugleich auch mir selbst zum Segen. Aus diesem Gefühl der Gegenseitigkeit fließen nun immer neue Antriebe hervor und es entsteht ein innerer Drang zu immer erneuter und immer kraftvolleren Betätigung eines derart segensreichen Wirkens." — ■— In diesem Sinne ist unser dahingeschiedener Bruder Wilhelm Jerusalem zum Segen geworden seiner Familie, die mit unbegrenzter Ehrfurcht ' an ihm hing, zum Segen geworden seinen zahlreichen Schülern, die in wahrer Anhänglichkeit und Dankbarkeit ihm ergeben waren, und zum bleibenden Segen unserem Bunde. Wir wollen sein Andenken stets in dankbarer Erinnerung hoch in Ehren halten; seine Worte und Schriften werden lebendig bleiben und segensreich fortwirken auch auf die kommenden Geschlechter. BR. A. B. SEELENFREUND. —■ In unserem letzten Hefte vor den Ferien haben wir die erschütterende Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden unseres all-