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B'nai B'rith · 1923-09-01 · 7 (9.1923) · p. Seite 158

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Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
7 (9.1923)
Date
1923-09-01
Page
Seite 158 (sequence 12)
Language
German
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158 aufgab, sich entschloß einem Bunde beizutreten, dem er sich längst als innerlich zugehörig betrachtete. Diese Zögerung war charakteristisch für ihn. Er konnte nicht Mitglied einer Vereinigung, von deren Zielen er eine so hohe Meinung hatte, werden, so lange es ihm an der nötigen Zeit gebrach, sich ihr ganz und voll widmen zu können. Von seinem Eintritt in die Wien angefangen bis zu seinem Hinscheiden war er stets bereit, Vorträge in der,,Wien" und ,.Eintracht" zu halten; aus dem überreichen Schatz seines Wissens, aus seiner Begeisterung für alles Gute und Edle entnahm er die Themen seiner Vorträge, welche stets in Form und Inhalt gleich vollendet waren. Es war geradezu ein Fest für die Wiener Brüder, wenn ein Vortrag des Br. Professor Jerusalem auf dem Programm stand, und diese Sitzungen waren die bestbesuchten der Wiener Logen. Aus den Vorträgen in der Wien wären hervorzuheben: Liebe und Gerechtigkeit", ,,Spinoza und das Judentum", „Was ist allgemeine Bildung?", „Der Kulturwert des Judentums", „Theodor Gomperz", „Einführung in die Ethik" (ein Zyklus von io'Vorträgen), „Die Soziologie des Distriktes", „Was heißt Nächstenliebe?", „Das auser- Avählte Volk", „Moralische Richtlinien nach dem Kriege", „Ethische Aufgaben", „Der Völkerbund", „Der Sozialismus und wir" und viele andere. Aber auch in andern Logen hielt er Vorträge. So kam er auch sehr gern nach Prag und Brünn, er war bei uns ein stets gern gesehener Gast, und nur sehr wenige Brüder versäumten es, seine mit Begeisterung aufgenommenen Vorträge anzuhören. So wird sein in der „Bohemia" gehaltener Vortrag „Das auserwählte Volk", welcher so recht geeignet war, das so sehr im Schwinden begriffene jüdische Selbstbewußtsein zu kräftigen, uns unvergeßlich bleiben. Wir alle hatten da die Überzeugung, daß ein Auserwählter unseres Volkes zu uns sprach. Ebenso erweckte sein Vortrag „Religion und Philosophie", in welchem er ausführte, daß Gottesglauben mit philosophischem Denken durchaus vereinbar sei, wahre Begeisterung, besonders unter den Gläubigen Es war begreiflich, daß es bald nach seinem Eintritt in die „Wien" der lebhafte Wunsch der Brüder dieser Loge war, einen so hervorragenden Bruder zum Präsidenten zu wählen; er aber lehnte diese Wahl immer mit dem Hinweise auf seine übermäßige Beschäftigung ab, bis er endlich im Jahre 1916 dem Drängen der Brüder nachgab und Präsident der „Wien" wurde. Das Jahr seiner Präsidentschaft bedeutet einen Glanzpunkt in der geistigen Entwicklung der Loge, dabei legte er großen Wert auf die Hebung der Brüderlichkeit, und hatte auch in dieser Richtung schöne Erfolge. Als Expräsident war er Mitglied des geistigen Komitees des Verbandes, und der Verband verdankte ihm so manche gute Anregung. Seiner hinterlassenen Werke hat obenstehender Nachruf, wenn auch lange nicht in ihrer Vollständigkeit, erwähnt, hier wollen wir nur eines Werkes gedenken, welches nicht für die große Öffentlichkeit, sondern nur für die B'nai B'rith, vor Allem für die Brüder seiner Loge bestimmt war. Es ist dies die von ihm verfaßte und bereits erwähnte Festschrift anläßlich des 25jährigen Jubiläums der „Wien"- In dem leitenden Aufsatz „.Der Logengedanke" ist wohl das beste

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