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B'nai B'rith · 1923-09-01 · 7 (9.1923) · p. Seite 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
7 (9.1923)
Date
1923-09-01
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
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151 Und auf dem gleichen Wege wurde er uns Führer. Niemals diente ihm unser Bund — er hätte den Gedanken empört von sich gestoßen. Vom ersten Augenblicke an, der ihn den Brüdern und dem Bunde schenkte, weihte er seine volle Liebe, seine ganze Treue, seine tiefste Hingabe den Ideen des Bundes. Darin sah er Zweck und Wesen des Bundes: im Zeichen der jüdischen Gemeinschaft den Gedanken der Einheit aller Menschen und ihrer g e m e ins amen sittlichen Bestimmung zu verbreiten. Wohlwollen, Brudersinn und Eintracht waren ihm die unverrückbaren Grundsätze der inneren Logentätigkeit, Überbrückung bestehender unheilvoller Gegensätze, Förderung des Friedens, Stärkung des Bewußtseins der jüdischen Zusammengehörigkeit waren für Emil Spiegel die Ziele der äußeren Arbeit. Ebenso wie von anderen verlangte er von sich unermüdliche ausharrende Tätigkeit als höchste Pflicht eines Ben B'rith. ,,Für bloße Genießer," sagte er, „ist in unserem Bunde kein Raum, aber auch für solche nicht, die ihre Arbeit statt nach festwurzelnden Grundsätzen bloß nach wechselnden Stimmungen zu leisten gewillt sind. Die Loge ist als eine sittliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft gedacht, die wie Ehe, Freundschaft und jede andere sittliche Lebensgemeinschaft Festigkeit und Treue zu ihren Grundlagen verlangt. . . Die Zugehörigkeit zum Bunde soll zum inneren Schwerpunkte werden, den man nicht aufgeben kann, ohne seine ganze geistige und moralische Existenz mitaufzugeben. Ben B'rith-Sein verlangt ein einheitliches Denken, ein gesammeltes Wollen und die dauernde Bewährung beider in Wort und Werk. Jeder Bruder soll demgemäß immerdar bestrebt sein, sich dem Bunde hinzugeben, wie es im jüdischen Bekenntnisse heißt, mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Seele und mit allen seinen Kräften." Emil Spiegels Hingabe an den Bund war immer Bekenntnis, Beispiel und Opfer! * * * An jenem trüben Sonntag, an dem wir Emil Spiegel zu Grabe trugen, haben wir mehr verloren, als wir entbehren können. Keiner unter den hunderten Brüdern, der das nicht gefühlt und in tiefstem vSchmerze beklagt hätte: ein Freund ist uns gestorben, unser aller Bruder. Aber an jenem Sonntag wurde sein Geist frei, befreit vom Körper, befreit vom Alltag, befreit von den Dingen, die zeitlebens auf den Menschen lasten. Emil Spiegels frei gewordener Geist, seine reine Menschlichkeit, seine Ideenwelt, sein herzliches tiefstes Brudergefühl, sie sind uns geblieben, als kostbares Erbe. In seinem Geiste wollen wir Brüder sein, unserem unvergeßlichen Bruder Emil Spiegel zu Ehren und zu ewigem Gedächtnis! Osbar Stein. Das Leichenbegängnis. Auf dem Straschnitzer Friedhofe hatten sich nahezu alle in Prag weilenden Brüder eingefunden, um Br. Emil Spiegel das letzte Ge-

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