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B'nai B'rith · 1923-06-01 · 6 (6.1923) · p. Seite 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
6 (6.1923)
Date
1923-06-01
Page
Seite 145 (sequence 19)
Language
German
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145 gesagt. Das könnt ihr gar nicht ohne Liebe zu unserer Bibel und ohne Kenntnis derselben. An drei Stätten liegen die Wurzeln unserer heutigen Bildung: Rom, Athen, Zion. Die beiden erstgenannten soll jeder Gebildete kennen lernen; und wie mit der dritten? Gerade in ihr liegt die Herzwurzel unserer Humanität und nur von ihr brauchte der Gebildete nichts zu wissen? Ich habe vorausgesetzt, daß ihr Juden sein wollt und daß ihr auch wollet, eure Kinder sollen Juden sein. Ist denn nun „jüdische Religion'' weiter nichts als eine Kolumne auf der Zählkarte? Wollt ihr sie dazu machen? Das Leben aber in der vieleckigen, scharfkantigen Wirklichkeit sorgt schon dafür, daß jedem Juden gelegentlich bemerklich werde, daß jener Kolumnentitel ,,jüdisch", nicht bloß seine statistische Bedeutung hat. Sein heißt allemal um das Dasein kämpfen; so erfordert auch das Judesein seine Arbeit, seine Opfer. Ja, das Judesein erweckt auch seine Leiden. Seid dessen gewiß, eure Kinder werden unter anderen Schmerzen auch solche tragen, die ihnen der Name Israels bringt. Und nun wie sinnlos! Eure Kinder sollen arbeiten, kämpfen, dulden für einen inhaltslosen Namen? Ein Zufall der sie unter eine statistische Rubrik gebracht hat, soll bestimmend werden für ihr Schicksal? Sie sollen Juden genannt sein und nichts dabei denken? Werden, müssen nicht eure Kinder einst vor euch hintreten und sagen: Vater, Mutter, ihr habt uns hiehergestellt und uns nicht gesagt, was das bedeute?" Möchten diese und ähnliche Worte auch heute noch, ein Dritteljahrhundert nachdem sie zum erstenmal niedergeschrieben wurden, aufrüttelnd wirken und mögen sie in Dank und Ehren gehalten werden auch in Tagen, denen sie nicht mehr so nötig sein werden, wie den unsrigen! sp. Dr. Alfred Goldschmidt: „Der deutsche Distrikt des Ordens B'nai B'rith". Dieses dem verdienstvollen Großpräsidenten des VIII. Distriktes, Br. B. Timendorfer zu seinem 25jähr. Amtsjubiläum gewidmete Büchlein enthält nach einer allgemein gehaltenen Einleitung über die Ordensidee die Geschichte des deutschen Distriktes von seiner Gründung bis auf den heutigen Tag. Die Tage der Gründung der ersten deutschen Loge — ,,Deutsche Reichsloge" — die erste schwere Zeit des Anfanges, die Kämpfe der Anfangsjahre und die schließlich rasch erfolgende Ausbreitung des Ordens in Deutschland ziehen — anschaulich geschildert — an unserem geistigen Auge vorüber. Der zweite Teil des Werkes behandelt die Organisation des deutschen Distriktes, die im wesentlichen der unseren ähnelt, ferner den hauptsächlichen Inhalt der Großlogentagungen. Von den wichtigsten Fragen, die die Großloge beschäftigen, seien hervorgehoben : Die Frauenfrage, die zum Zusammenschluß sämtlicher Frauenvereinigungen im deutschen Distrikte führte; heute besteht bereits ein mächtiger Verband der Frauenvereine, der eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, weiters die Gründung des Kulturfondes, der den Zweck hat, notleidende jüdische wissenschaftliche Institutionen zu stützen. Dieser Fond, einst reichlich dotiert, ist heute durch die Markentwertung verarmt. — Zum Schluß des Büchleins werden die Schöpfungen der Großloge dargestellt. Da sind zunächst zahlreiche Institutionen charitativen Charakters, meist für lokale Zwecke bestimmt. Darüber hinaus sind von allgemeinem Interesse vor allem zwei Gründungen: Zunächst die Einrichtung eines Gesamtarchivs des Judentums, in welchem jüdische Dokumente aus kleinen Gemeinden gesammelt werden, damit sie nicht der Vergessenheit anheim fallen, und das Preisausschreiben der Br. Mannheimer- Stiftung vom Jahre 1914. Letzteres ist für die beste Bearbeitung eines Themas bestimmt, das im Wesen unsere Devise zum Inhalt hat. Hiebei haben wiederholt auch Nichtjuden Preise bekommen. Klopft auch heute die Not an die Tore, in Deutschland noch viel mehr als bei uns, so gibt uns die Übersicht über die aufopfernde Tätigkeit unserer deutschen Brüder Grund genug, zu wünschen und zu hoffen, daß sie auch diese schwere Zeit glücklich überstehen mögen. Dr. Ernst Wodab. Von der London-Loge. In der April- Nummer der ,,B'nai B'rith-News" (Nr. 8) ist unter dem Titel ,,Neues von London" ein von Dr. M. Epstein gezeichneter Artikel enthalten, dessen erste drei Absätze sich speziell mit der London-Loge befassen. Da die bezüglichen Bemerkungen die 1. Brüder interessieren dürften, so seien sie hier in freier und etwas gekürzter Übertragung wiedergegeben : „Die letzte Sitzung der London-Loge verdient schon deshalb besondere Erwähnung, weil Br. Moritz Myers, welcher die Loge bei den anläßlich des 25jährigen Präsidentschaftsjubiläums Br. Geh. Ju-

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