B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 5 (5.1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- Seite 121 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Den Drnkesworten des GrcCpräsidenten Br. Timendorfer entnehmen wir leider, daß er die Absicht hat, anläßlich der nächsten Großlegcntagung das Amt, das er durch ein Vierteljahrhundert in so ausgezeichneter Weise verwaltet hat, niederzulegen. Er nannte drei Forderungen, die er gewissermaßen als Testament dem Orden hinterlasse: Die Aufrechterhaltung der Neutralität, die Mitwirkung der Frauen und die Mitarbeit der Jugend. Gerade die letzte Forderung veranlasse ihn, an das Ganze zu denken und die Leitung jüngeren Händen zu überlassen. Wir müssen es uns versagen, aus den übrigen, bei der Feier gehaltenen ausgezeichneten Reden auch nur die markantesten Stellen wiederzugeben. Es sei nur noch erwähnt, daß der Br. Groß- Sekrctär Sanitätsrat Dr. Alfred Goldschmidt anläßlich seiner Ansprache das erste Exemplar der von ihm verfaßten Geschichte des deutschen Distriktes (Der deutsche Distrikt des Ordens Bne Briss U. O. B. B.) überreichte, daß Br. Expr. Prof. Dr. Israar E 1bogen von der ,,Berthold Auerbach- Loge", der der Jubilar selbst seit dem Jahre 1883 angehört, diesen im Namen des hw. Exekutivkomitees begrüßte, daß Br. Dr. Felix Pinkus von der ,,Augustin Keller-Loge" in Zürich als Delegierter der Schweizer Logen, Br. Maurice Myers als Vertreter der Londoner Loge und endlich Br. Expr. Dr. Israel Auerbach für die Orientgroßloge das Wort nahm. Im Übrigen machen wir darauf aufmerksam, daß ein vollständiger Bericht über die denkwürdige Feier den Inhalt des März- April-Heftes der Mitteilungen der Großloge für Deutschland VIII. U. O. B. B. <,,Der Orden Bne Briss") bildet. Wir können allen Logen nur empfehlen, sich vom Bureau der Großloge (Berlin W. 62, Kleiststr. 12) eine Anzahl Exemplare dieses Heftes, das überdies durch ein schönes Bild des verehrten Jubilars geziert ist, kommen zu lassen. Wir selbst aber können diesen allzugedrängten Bericht nicht schließen, ohne dem ausgezeichneten Führer des deutschen Distriktes und diesem selbst nochmals unsere allerherzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Möge der letztere dank seinen außerordentlichen Kräften die schwere Zeit, die er augenblicklich durchmacht, siegreich bestehen! sp. Br. Expr. Dr. Israel Auerbach über seine Eindrücke in der Cechoslovakei. In der Märznummer der ,,B'nai B'rith News" veröffentlicht Br. Dr. Auerbach, der gewesene Groß-Sekretär des Distriktes XL, der im Dezember v. J. unsere Logen besuchte, einen Bericht unter dem Titel „Eine Reise durch die Tschechoslowakei". Im Eingange desselben hebt er die großen Gegensätze hervor, die zwischen dem westlichen Judentum in Böhmen, Mähren und Schlesien einerseits und den Juden der Slowakei und Karpathorußlands andererseits bestehen. Trotz der freieren Richtung sei aber auch jenes westliche Judentum von dem Geiste der Tradit'on erfüllt. Er verweist insbesondere auf die reichen jüdischen Überlieferungen Prags, auf die das hohe literarische und künstlerische Leben daselbst — er nennt die Namen Max Brod, Franz Werfel und Paul Kornfeld — zurückzuführen sei. Deutlicher gehe dies trotz aller ,,bloß oberflächlichen" Assimilation der böhmischen und mährischen Juden aus dem Eifer hervor, mit dem diese die jüdischen Probleme der Gegenwart aufgreifen, und aus der Solidarität, die sie in allen Fragen, die das Gesamtjudentum betreffen, bewähren. Unter den Faktoren, die hier in Betracht kommen, indem sie die Bedeutung der jüdischen Einheit betonen, nennt er speziell die B'nai B'rith-Logen. Es sei kein bloßes Zusammentreffen, daß die hervorragenden Männer in den nationalen Organisationen und auch in den Ansätzen zu den geplanten Gemeindeverbänden überall dort, wo Logen bestünden, gleichzeitig die Führer der letzteren seien. Es sei das ein beredtes Zeugnis für die Kraft zum Guten, auf welcher der B'nai B'rith-Orden basiere. Br. Dr. Auerbach bespricht sodann die wirtschaftliche Lage unseres Staates. Trotz der Krise brächten die Juden die nötigen Hilfsmittel für große Wohlfahrtsaktionen, wie die „Fürsorgezentrale für die cechoslovakische Republik" auf. Diese ihre Tätigkeit könne nicht genannt werden, ohne zugleich des bedeutenden Anteils zu gedenken, den bei der Organisation und Durchführung derselben die Logen gehabt hätten. Man könne ruhig sagen, daß in jenen Gegenden, wo solche bestünden, das Wesentlichste der Initiative der B'nai B'rith zu danken sei. Die Präsidenten und Expräsidenten seien Mitglieder aller wichtigen Körperschaften und Komitees. Logenfonde würden benützt und große Geldsummen von den einzelnen Brüdern gespendet, um das Unterstützungs- und Wohlfahrtswerk zu fördern, das unter ihren Auspizien geleistet werde. Er selbst hätte reichlich Gelegenheit gehabt, sich einen guten Begriff von der Arbeit in den cechoslovakischen Logensitzungen zu machen. Es