B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 5 (5.1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- Seite 120 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Präsident im Jahre 1898 die Mitglieder der „Union" ersuchen durfte, s^ch zur Jahrzeit nach einem verstorbenen Bruder heim Abendgottesdienst einzufinden. Ein schöner pietätvoller Zug, der übrigens nicht vereinzelt zu entdecken ist, sondern häufig wiederkehrt. L. Br.! Mit unserem 30jährigen Gründungsfest sind wir an einem Markstein unseres Logenlebens angelangt. Der Rückblick auf die Vergangenheit darf uns mit Stolz, aber nicht mit Selbstzufriedenheit erfüllen. Was wir im Laufe von 30 Jahren erstrebt und erreicht haben, das sei ein Ansporn zu immer größereu Leistungen, eine Mahnung, mit unerschütterlichem Willen dem Geiste treu zu bleiben, der unseren Orden ruhmvoll durch die Zeiten trägt, „zu wirken und zu wachsen", daß die Ideale nicht welken und verblassen, die wie Sterne am Himmel imseres Logentempels leuchten: Wohltätigkeit, Bruderliebe, Eintracht. Umschau. Feier des 25jährigen Amtsjubüäums des Großpräsidenten Br. Justizrat Bertold Timendorfer. Am 25. Feber d. J. fand die von uns bereits angezeigte Feier des 25jährigen Amtsjubiläums des Großpräsidenten der deutschen Großloge im Berliner Logenheim im Beisein der Familie des Jubilars und in Anwesenheit von weit über 100 Delegierten der deutschen Logen und Logenverbände, sowie je eines Vertreters der Schweizer Logen und der „First Lodge of England" statt. Im Mittelpunkte der Feier stand die Festrede des Br. Expr. Maximilian Stein von der „Montefiore-Loge", Berlin. Ihre Bedeutung geht mit Rücksicht anf den Reichtum der darin entwickelten Gedanken und gegebenen Gesichtspunkte weit über den Rahmen einer Gelegenheitsiede hinaus. Wir möchten hier nur aus der liebevollen Charakterzeichnung Br. Timendorfers den Teil herausheben, der seiner Stellungnahme zu dem Problem Politik und Religion galt: Br. Stein sagte in dieser Beziehung: ,,Politik und Religion sollen vom Logenleben fern gehalten werden. Dieser wohlweisen Beschränkung die rechte Auslegung zu geben, hier die Grenzen richtig zu ziehen, war eine der schwierigsten Aufgaben, vor die Br. Timendorfer gestellt wurde. Bei dem zunächst mehr akademischen Disput, ob wir einen „jüdischen Orden" oder einen „Orden jüdischer Männer" bilden, hat Br. Timendorfer als Großpräsident sich ohne Zögern auf den Standpunkt der unbedingten Bejahung des Judentums gestellt. Daß der Orden sich auf Judentum aufbaut, daß im Judentum die Wurzeln seiner Kraft stecken, war ihm selbstverständlich. Er ist sich darüber klar, daß die Betonung der jüdischen Note unseres Bundes eine Lebensfrage für uns ist, daß sie Sein oder Nichtsein des Ordens bedeute. Dies hinderte Br. T. nicht, den interkonfessionellen rein menschlichen Gesichtspunkt niemals aus dem Auge zu verlieren, bei jedem allgemeinen Notstand den Orden zur tatkräftigen Hilfsarbeit aufzurufen. Eine seiner Lieblingsvorstellungen war die patriotische Einheitsfront aller Parteien und Konfessionen im Dienste des Vaterlandes. Der Großpräsident steht unentwegt auf dem Standpunkt, daß die Neutralität der unverrückbare Boden des Ordens und der Logen zu bleiben hat, daß wir jedoch alle aktuellen Gegenwartsprobleme, die die Forderung des Tages bilden, zum mindesten referierend in unsere Logenverhandlungen einbeziehen können. Alle Strömungen, Bewegungen, Richtungen, Stimmungen, die von Zeit zu Zeit den Frieden des Ordens zu gefährden drohten, verstand T. nicht nur unter Kontrolle zu halten, wohltätig zu beeinflussen und in ruhige Bahnen zu lenken, sondern sie dem Ordensleben fruchtbar und nutzbar zu machen. Er erkannte, daß wir uns nicht den Luxus leisten können, auf irgend welche Kraftquellen jüdischer Begeisterung zu verzichten, auch wo politische Endziele sich nicht mit unseren Überzeugungen decken."