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B'nai B'rith · 1923-05-01 · 5 (5.1923) · p. Seite 119

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Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
5 (5.1923)
Date
1923-05-01
Page
Seite 119 (sequence 19)
Language
German
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119 haben wir auch die Aufgabe, das, was im tiefsten Sinne jüdisch, was durch das Judentum erst als Kulturwert entstanden ist, zu hüten. Der Geist des Judentums hat seine stärkste Wurzel im sozialen Gedanken. Geselligkeit ist darum nicht nur ein Träger unseres Ordenslebens, sondern auch eine tief religiöse Forderung. Sie ist so "jüdisch, wie es kaum ein anderer Zweig unserer Logentätigkeit sein kann. In ihr liegt das Besondere unseres Ordens; denn was wir sonst noch liegen und pflegen, geistige Fortbildung, Wohltätigkeit u. a. m., das ist gewiß in dieser wohlverstandenen Geselligkeit enthalten, dazu allein aber bedürften wir des Ordens nicht, das könnten wir auch in anderen, zum Teil auch in nichtjüdischen Vereinigungen erzielen und gewinnen. Was aber der Orden allein uns zu geben vermag, das ist edelste jüdische Geselligkeit im weitesten Umfange, deren bewegende Kräfte Geist und Gemüt sind. In persönlichem Verkehr will unser Orden erlebt und empfunden sein, er ist nicht bloß Verstandes-, sondern noch weit mehr Herzenssache. Die Geselligkeit ist das Mittel zu gegenseitigem Verständnis der Brüder, einander kennen zu lernen und aufeinander einzuwirken. Sie darf nicht bloß den Brüdern gelten, sie muß auch unsere Frauen und Kinder in ihren Kreis einbeziehen. Der Bruder will durch die Loge nicht von denen ferngehalten werden, die ihm naturgemäß näher stehen als die Brüder. Darum muß die Loge ihnen allen die Pforten zu edler Geselligkeit öffnen Wie in seinem eigenen Heim, so soll sich der Bruder im Logenheim zu Hause, heimisch, daheim fühlen. Er gehe von Heim zu Heim, wenn er in die Loge geht. Diese Gedanken leiteten unsere Brüder bei allen Veranstaltungen, die im Laufe der verflossenen 3 Jahrzehnte der Pflege der Geselligkeit dienten, bei unseren gemütlichen Zusammenkünften, denen zeitweise 2 Abende in der Woche gewidmet waren , und die, stets sehr gut besucht, ungezwungenen Frohsinn weckten, oft durch improvisierten Tanz, Rezitationen oder Gesangsvorträge angenehm bereichert, bei gemeinsamen Ausflügen, bei allen Stiftungsfesten mit ihren besonderen Darbietungen, bei Picknicks, für deren Gelingen unsere Schwestern ihre Kräfte einsetzten, bei Kinderfesten, die auch unseren Jüngsten zu ihrem Rechte verhalfen und bei genußreichen seriösen Konzerten, deren Leitung in den Händen des Bi. Dr. Herschmann lag. Alle Veranstaltungen erfreuten sich der fördernden Mitwirkung unserer Schwestern, die in Br. Dr. Slansky, dem Obmann des Geselligkeitskomitees, einen verständnisvollen Leiter fanden. Der Geist edler Geselligkeit muß aber auch nach außen wirksam in die Erscheinung treten. Zieht er mit uns aus unserem eigenen Haus in das Logenheim, so soll er auch mit uns aus dem Logenheim in das Haus des Bruders ziehen, wenn es zu festlicher Feier seine Pforten öffnet, oder wenn die düsteren Schatten von Krankheit und Tod über seine Schwelle schleichen. An unserer Teilnahme für den Einzelnen in Freud und Leid soll die Welt den Geist erkennen, der im Ganzen lebt. Eine schönere Wirkung unseres Ordensgedankens nach außen läßt sich kaum denken; in ihr verwirklicht sich erst jene echte Solidarität und Brüderlichkeit, die uns als höchstes Ideal voranleuchtet. Man möge es mir als Rabbiner zugute halten, wenn ich hier das besonders interessante und das stark pulsierende Zusammengehörigkeitsgefühl der Brüder kennzeichnende Faktum hervorhebe, daß der

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