B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 5 (5.1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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117 ganzen Jahre ein wirklicher Hort für die armen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina " So lauteten die Worte des s. w. Verbandspräsidenten Br. Prof. Dr. Ehrmann. Die vom Hilfskomitee verausgabten Beträge belaufen sich auf 215.000 K, das Labekomitee für die durch Pilsen reisenden Flüchtlinge wandte über 4000 K auf, die Br. Wilhelm Liebstein fast zur Gänze zur Verfügung stellte. 600 Kisten Kleider, Wäsche, Strohsäcke und Schuhe im Werte von 120.000 K waren für die Flüchtlinge bestimmt. Außerdem wurden der ,,Moravia'' für die in Mähren untergebrachten Flüchtlinge über 1000 Kleidungsstücke zur Verteilung überwiesen. Auch die Kriegswaisen nahmen unser sorgendes Interesse in Anspruch. Dem vom s. w. Verbände ins Leben gerufenen „Verein zur Rettung verlassener Kinder Galiziens und der Bukowina" trat unsere Loge als gründendes Mitglied bei und ließ außerdem für diesen Zweck hauptsächlich durch Brüder und Schwestern einen Betrag von 9000 K sammeln. In diesem Zusammenhange möchte ich die Hilfsaktion für die ukrainischen Waisenkinder erwähnen, an der sich die Loge aus eigenen Mitteln und die Brüder durch reiche Beiträge und aktive Mitarbeit an der von der Kultusgemeinde eingeleiteten Sammlung rege beteiligten, um für dieses Fürsorgewerk einen Erfolg —■ es waren rund 85.000 Kc — herbeizuführen, den unsere Gemeinde mit Stolz verzeichnen darf. Gemäß der Forderung des Ordensrituals, „Wissenschaft und Kunst zu unterstützen", wurde einem jüdischen Dichter eine Ehrenspende von 1600 Kc überwiesen. Nicht alle Anregungen gelangten zur Ausführung. Wenn Br. Dr. Eduard Beck schon im Jahre 1896 den Wunsch aussprach, die Loge möge eine Institution zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen schaffen, so war es zweifellos schön gedacht, wurde aber leider nicht verwirklicht, offenbar deshalb nicht, weil es über unsere Kraft ging. Aber diese Anregung ist wertvoll genug, daß wir sie unter günstigeren Verhältnissen wieder aufnehmen und ihre Realisierung anstreben wollen. Eine Anregung, die infolge der veränderten staatlichen Verhältnisse ihre Aktualität verloren hat, war mein Antrag, der Verband möge „die Zahl der jüdischen Kriegsteilnehmer, der Verwundeten, Gefallenen, Kriegsgefangenen und Ausgezeichneten" unter Mitwirkung aller Vereinigungen genau feststellen. Dieser Antrag wurde einem für alle Logen verbindlichen Beschluß zugeführt und daraufhin die Kriegsstatistik unserer Gemeinde von mir ausgearbeitet, die uns das stolze und eihebende Bewußtsein festigt, daß wir Juden rückhaltlos und opferfreudig unsere Pflicht getan haben. Das Ergebnis edr Statistik unserer Gemeinde zeigt an einem Ausschnitt das Bild der jüdischen Gesamtheit. Die Kriegsstatistik sollte den Zweck haben, der Ehre des Judentums und der Abwehr judenfeindlicher Bestrebungen zu dienen. Daß unser Orden ein Erziehungsprogramm hat, liegt klar und deutlich in den Worten ausgesprochen, die der Präsident bei Beginn einer jeden Logensitzung verkündet: „Unser Bund hat sich die hohe Aufgabe gestellt, den geistigen und sittlichen Charakter unseres Stammes weiterzuentwickeln und zu heben." In dieser Richtung erweist sich die parlamentarische Form unserer Verhandlungen als wirksame Schulung. Ist eine gewisse Beredsamkeit im allgemeinen von nicht zu