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B'nai B'rith · 1923-05-01 · 5 (5.1923) · p. Seite 116

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Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
5 (5.1923)
Date
1923-05-01
Page
Seite 116 (sequence 16)
Language
German
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116 rend die von hier ausgegangene Anregung, alle Gemeinden zu einem jüdischen Gemeinebunde zu vereinigen, damit die Judenheit wie in anderen Ländern,so auch in Österreich eine Vertretung ihrer Interessen besitze, noch heute, allerdings unter veränderten Verhältnissen, infolge nahezu unüberwindlicher Hindernisse der Verwirklichung harrt. Wenn es fast überflüssig ist, zu erwähnen, daß die Wohlfahrtseinrichtuhgen unserer Gemeinde, wie der Waisen-und Frauenverein, alljährlich subventioniert, daß ferner viele Jahre hindurch die jüdischen Soldaten unserer Garnison an den Feiertagen mit ritueller Kost versorgt, private Unterstützungen in großer Zahl gewährt wurden, einem begabten Schüler für das zweijährige Studium an der Wiener Exportakademie ein Stipendium gegeben und unter der Ägide von Br. Albert Neumann im Jahre 1920 eine private Aktion zur Versorgung bedürftiger Familien unserer Gemeinde mit Lebensmitteln durchgeführt, worden ist, wofür von einigen Brüdern ein Betrag von 5000 Kc aufgebracht wurde, so blieben wir doch nicht in der Enge unseres Heimatsbezirkes stecken; denn ,,Im engen Kreis verengert sich der Sinn, es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken." Das Bewußtsein, einem weltumspannenden Orden anzugehören, lenkte den Blick aus der Enge ins Weite und schärfte ihn für alle Vorkommnisse in der Welt, insbesondere soweit sie das Judentum berührten. Die Vorgänge im Dreyfuß-Prozeß in Frankreich 1898 fanden in der Loge ihren Widerhall, und an den unerschrockenen Verfechter der Wahrheit, Emile Zola, wurde wegen seines flammenden öffentlichen Protestes, des berühmten ,,J'accuse", ein Zustimmungstelegramm abgesandt. Dem weltweiten Blick folgte die erhöhte Opferwilligkeit des jüdischen Herzens, so oft das Leid unserer Stammesbrüder an seine Pforte schlug, ihre kulturelle Hebung und die Besserung ihrer materiellen Lage unsere Mitarbeit verlangte. So traten sämtliche Brüder auf Veranlassung des Verbandes dem von ihm begründeten galizischen Hilfsver^in als Mitglieder bei, für den durch die .,Union" eine Ortsgruppe in Pilsen ins Leben gerufen wurde, so unterstützten wir die Abbrändler in Zloczow und Preßburg, die durch die Judenkrawalle geschädigten Prager Glaubensgenossen, diz Pogromopfer in Rußland, Hoheschau und Lemberg, die rumänischen und jemenitischen Juden, die Kunstgewerbeschule ,,Bezalel" in Jerusalem, die Belkindaktion zur Unterbringung jüdischer Waisenkinder in Palästina, das Hilfskomitee für unbemittelte jüdische Auswanderer und die Akademie für die Wissensehaft des Judentums in Berlin mit namhaften Beträgen , von den vielen Wohlfahrts- und Kulturinstituten zu schweigen, die, wie Sie aus unserer Chronik ersehen können, niemals vergebens an uns appelierten. Vor ungeahnte Aufgaben wurde die ,,Union" durch den Weltkrieg gestellt. Für die galizischen Flüchtlinge, von denen 10.000 im Pilsener Kreis und weitere 4000 in benachbarten Bezirken untergebracht waren, wurde Dank der Initiative von Br. Dr. Schanzer unter maßgebendem Einfluß der ,,Union" eine Organisation geschaffen, die in allen ihren Zweigen, dem Rechtsschutz-, Labe-, Ubikations-, Verpflegungs- und Sammeldienst, ein geradezu erhebendes Bild segensreicher Betätigung bietet, und deren Erfolge in der Generalkomiteesitzung vom 12. November 1916 lobend anerkannt wurden. ,,Die w. ,,Union" war während dieser

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