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B'nai B'rith · 1923-04-01 · 4 (4.1923) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
4 (4.1923)
Date
1923-04-01
Page
Seite 98 (sequence 34)
Language
German
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98 Großpräsidenten Br. Dr. Josef P o pp e r und den s. w. Großpräsidenten der Großloge XII, Br. Prof. Dr. Ehrmann aus Wien. Dann folgte die Einführung von drei neuen Brüdern, die dadurch einen besonderen, auf die doppelte Bedeutung der Feier hinweisenden Charakter erhielt, daß sie durch den Jubilar, Br. Vizegroßpräs. Dr. Schanzer, vorgenommen wurde. Im Mittelpunkte der Feier stand neben der Festrede des Br. Expräs. Prof. Dr. Ludwig G o 1 i n s k i, die wir in einem der nächsten Hefte zu veröffentlichen hoffen, die Ehrung für Br. Dr. Schanzer, die in der Überreichung einer kostbaren Kassette durch den w. Präsidenten ihren Abschluß und dauernden Ausdruck fand. Die Reihe der Beglückwünschungen, die neben der Loge auch immer des verehrten Einzeljubilars gedachten, wurde sodann durch den mit stürmischem Beifall begrüßten Br. Großpräs. Prof. Dr. E h r m a n n eröffnet, der seiner Sympathie für den Distrikt X innigen, rührenden Ausdruck gab. Ihm folgte Großpräs. Br. Dr. Popper, der in seinem Festspruch die große Bedeutung der ,,Union'.' für die Entwicklung des Distriktes hervorhob und ihn in eine Würdigung des in seiner Treue und Opferbereitschaft vorbildlichen Bruders Prof. Dr. Ehrmann ausklingen ließ. Sodann sprach im Namen aller Logen des Distriktes Br. Expr. Min.-Rat Dr. Emil Wiesmeyer von der w. ,,Bohemia", wobei er sich für diese seine Gesamtvertretung in feinsinniger Weise auf seine Zugehörigkeit zur ältesten Pflanzstätte der jubilierenden Loge einerseits und seine Obmannschaft im Gründungskomitee für die zu errichtende dritte Prager Loge andererseits berief. Im Namen der Pilsner Frauenvereinigung endlich wurde durch Br. Hugo S e m 1 e r ein künstlerisch ausgeführter, silberner Hammer als deren Ehrengabe in die Hände des w. Präsidenten gelegt. Zum Schlüsse nahm noch Br. Vizegroßpräs. Dr. Schanzer das Wort, seinen Dank mit wehmutsvollen Gedenkworten für die dahingegangenen Freunde und Brüder verbindend. An die denkwürdige Sitzung schloß sich sodann ein festliches Mahl im Hotel Waldeck an, an dem auch die Frauen und sonstigen Angehörigen der Brüder teilnahmen. Ernste und heitere Reden, aber auch wertvolle künstlerische Darbietungen der Frau Dr. Haim aus Budweis, der Frau Direktor Leder e r und des Br. Prof. Dr. Siegfried Federmann hielten die Teilnehmer bis lange nach Mitternacht beisammen. Indem wir unsere 1. Brüder noch auf die dem vorigen Hefte beigelegte, von Br. Expr. Prof. Dr. G o 1 i n s k i verfaßte Festschrift „Dreißig Jahre Union (1 892—192 2)" verweisen, können wir diesen Bericht nicht schließen, ohne unserer Seniorloge, die noch keinerlei Zeichen des Alters an sich trägt, für ihre weitere Entwicklung, mit jungen Kräften aber im alten Geiste, die herzlichsten Glückwünsche mit auf den Weg zu geben. sp. Eine beachtenswerte Stimme über das Weinberger Knabenwaisenhaus. Anläßlich des Jubiläums unseres Waisenhausvereines, welches dieser Tage inzwischen bereits würdig gefeiert worden ist, veröffentlichte der bekannte cechischjüdische Prager Schriftsteller V o jtech Rakous in der Tageszeitung ,,Tribuna" vom 8. April d. J. einen die Tätigkeit des Vereines und unserer ihn patronisierenden Logen ungemein sympathisch würdigenden Artikel, welcher umsomehr Beachtung verdient, als er von einem Nichtbruder stammt und die Sache auch vom Standpunkte des Außenstehenden betrachtet. Der Artikel lautet in deutscher Übertragung folgendermaßen: „Seelenretter. (Einige Bemerkungen zum 25jährigen Bestände des jüdischen Waisenhauses in Weinberge.) Die jüdischen Vereine B'nai B'rith waren stets und sind auch weiter für entferntere Beobachter von einem gewissen Freimaurer-Nimbus umkleidet. Wenig nur weiß die Öffentlichkeit von ihnen, und viel wird über sie auch unter Juden gefabelt. Zu solcher Uninformiertheit tragen verschiedene Umstände bei: die über alle Begriffe ängstliche Auswahl der Mitglieder, mittelalterliche Aufnahmszeremonien und -formein sowei das ganze geheimnisvolle Dunkel, in das sich die gesamte Tätigkeit dieser Vereine hüllt, von welcher nichts oder doch so gut wie nichts in die Öffentlichkeit durchsickert. In Wahrheit ist diese Tätigkeit nichts anderes als eine großzügige Ausübung von Wohltätigkeit, Beschützung von Menschenseelen im Großen, u. zw. in einem Ausmaß, von dem die Öffentlichkeit keine Vorstellung hat. Von dieser großartigen Tätigkeit dringt nichts nach Außen, denn in diesen Vereinen wird bis aufs Äußerste mit der Losung ernstgemacht, daß die Linke nicht wissen darf, was die Rechte tut. Und doch geschieht es zuweilen, daß ein Zufall ein Zipfelchen von der Tätigkeit eines solchen Vereines lüftet und durch den entstandenen Spalt ein Bruchteil des Guten wahrgenommen werden kann, das unbekannte, unsichtbare

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