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B'nai B'rith · 1923-04-01 · 4 (4.1923) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
4 (4.1923)
Date
1923-04-01
Page
Seite 97 (sequence 33)
Language
German
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97 Der Versuch der Regierung mißlang jedoch kläglich, da sogar das Reichsgericht in Wien auf Grund der von Professor Zucker und Dr. Otto Bondy verfaßten Beschwerde die Auflösung als gesetzwidrig kassierte. Nach Auflösung der Fortschrittspartei schloß sich Dr. Bondy der sozial-demokratischen Richtung an, für welche er sein ganzes Leben hindurch unermüdlich und unerschrocken arbeitete. In das praktische Leben eingetreten, war er als Konzipient in Prag, Brandeis, Kolin, Vysoka und Brünn tätig. Als nur im Jahre 1901 Dr. Aufednicek, der mutige Verteidiger Hilsners, die Stadt Kuttenberg verlassen mußte, übernahm Dr. Otto Bondy seine Kanzlei. In Kuttenberg fand er nicht nur als Rechtsanwalt, sondern auch als treuer politischer Arbeiter in der sozialdemokratischen Partei volle Wertung. Als gewissenhafter Advokat außerordentlich gesucht und geschätzt, widmete er sich überdies mit selbstloser Hingabe den Arbeiten im Stadtrate, Bezirksschulrate und in der Bezirksvertretung und errang sich dort eine Stellung, wie sie kein Jude vor ihm dort erreicht hat. Seine Ernennung zum Mitgliede des Wahlgerichtshofes der Cechoslovakischen Republik bedeutete nur einen neuerlichen Beweis des ihm von allen Seiten entgegengebrachten Vertrauens. An seinem Grabe sprach der Präsident der Prager Kultusgemeinde Br. Dr. August Stein, welcher den treubewährten Mitarbeiter der ceJiisch-jüdischen Bewegung feierte, Senator Nemec namens der sozialdemokratischen Partei, Dr. Cvach namens der Kuttenberger autonomen Korporationen und der dortigen Advokaten und Herr Klein für die Kultusgemeinde Kuttenberg, deren Oberhaupt der Verblichene gewesen war. Alle stimmten darin überein, daß Br. Dr. Bondy, wo immer er sich betätigte, stets offen und furchtlos für die Rechte des cechischen Volkes eintrat, als dessen getreuer Sohn er sich fühlte, für die Rechte des Judentums, zu dem er sich stolz bekannte, und für die sozialen Rechte der Menschheit. Für diese Ideen hat er sein ganzes Leben lang ehrlich gearbeitet und mannhaft gekämpft und ihnen ist er bis zu seinem letzten Atemzuge treu geblieben. Requiescat in pace! Umschau. Das Jubiläum der w. „Union". Hatte im November v. J. die jüngste Loge unseres Distriktes, die w. „Freundschaft", ihr zehnjähriges Stiftungsfest begangen, so wäre die älteste, die w. ,,Union", schon im darauffolgenden Monate in der Lage gewesen, ihr dreißigjähriges zu feiern. Im Hinblick auf die im Frühjahr zu gewärtigende Tagung der Großloge und den in den März d. J. fallenden 70. Geburtstag ihres verehrten Führers, des Vizegroßpräsidenten Br. Dr. Josef Schanzer, hatte sie jedoch die Feier in den zuletzt genannten Monat verlegt. Am 17. März, zwischen der Tagung des Generalkomitees und der der Großloge, fand in Pilsen die Festsitzung statt, die einen überaus schönen, allen Teilnehmern unvergeßlichen Verlauf nahm. Der w. Präsident Br. Prof. Heinrich P 0 11 a k begrüßte nach der Eröffnung die zahlreich erschienenenGäste und Brüder aufs herzlichste, vor allem den s. w.

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