B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 4 (4.1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Durch Leistung dieser vielen neuen Arbeiten und Beschäftigung neuer Menschenuiassen, die ja selbst wieder Konsumenten sind, hätte im Inlande eine lebhafte Konjunktur entstehen können, die nicht nur die Folgen der neuen Zollgrenzen, sondern auch die der Stagnation des Weltmarktes leicht aufgewogen hätte. So war die Aufbauarbeit das geeignete Heilmittel. Andererseits aber haben eben die aufgezählten Ursachen der Krise die Aufbauarbeit ungeheuer erschwert und die materiellen Anforderungen erhöht. Der Geldmangel im Lande und die Kriegsschäden zwangen zu Unterstützungs- und Notstandsaktionen, die neuen, noch nicht eingelebten Wirtschaftsverhältnisse nötigten zu kostspieligen Experimenten, die Krise des Weltmarktes lähmte die Unternehmungslust, die viel zu hohe Valuta multiplizierte sozusagen das Erfordernis. Wenn wir also zusammenfassen und uns eines Bildes bedienen wollen, können wir sagen: Die Aufbauarbeit beginnen hieß den Stier bei den Hörnern packen. Das ist die einfachste und radikalste Methode, erfordert aber die größte Kraftanstrengung. In zweifacher Hinsicht äußert sich die aufgewendete Kraft: in der lebendigen Materie — den Menschen — und in der toten, deren Maßstab das Geld ist. Menschen waren genügend vorhanden, so viele, daß die Einwanderung gedrosselt werden und die meisten zurückgewiesen werden mußten. Diejenigen, die eingewandert sind und sich so dem Aufbau des Landes zur Verfügung gestellt haben, haben, derartig gearbeitet, daß sie Anspruch auf die größte Hochachtung haben. Die jüdischen Arbeiter, ohne Unterschied, ob Flüchtlinge vor den Schrecken des europäischen Ostens oder an Hochschulen gebildete Bürgersöhne Mitteleiiropas, haben durch ihren Opfermut und die Freudigkeit, mit der sie an die schwersten und gröbsten Arbeiten herangingen, die Anerkennung auch nicht jüdischer Beobachter erworben. Die begeisterten Worte Sir Wyndham Deeds' dürften ja bekannt sein. An Menschen fehlte es also nicht. Wie war es aber mit dem toten Material, dem Gelde? Das hat auf zwei Wegen kommen sollen: durch die große Volksaktion und die Privatinitiative. Während die Volksaktion auf einer freiwilligen Steuer, einem Volksnotopfer beruhend, die größtenteils unrentablen öffentlichen Anlagen und Ausgaben ermöglichen und aus den einwandernden Arbeitern einen jüdischen Bauernstand auf Erbpachtboden des jüdischen Nationalfonds schaffen sollte, sollte die Privatinitiative, die Unternehmungslust jüdischer Kaufleute und Erzeuger Europas und Amerikas, eine jüdische Industrie hervorbringen. Nun fanden sich wohl einzelne, die einen großen Teil oder auch ihr ganzes Vermögen in Palästina anlegten, ihre organisatorischen Fähigkeiten dem Lande widmeten und so das Land hoben und vorwärts brachten. Es wären, vor allem die großen Rothschildmühlen und die ölfabrik Shemen in Haifa zu nennen, dann die große Silikatfabrik in Jaffa, die aus Sand und Kalk Ziegeln erzeugt und für die Bautätigkeit im Lande, die bisher durch Materialmangel gedrosselt wurde, von größter Bedeutung ist. Der Hauptgründer der Silikatfabrik, der bekannte Wiener Elektromdustrielle Kremenetzky, hat außerdem eine Fabrik elektrotechnischer Artikel gegründet. Weiter