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B'nai B'rith · 1923-04-01 · 4 (4.1923) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
4 (4.1923)
Date
1923-04-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 entstand in Jaffa eine Kerzenfabrik, die bereits exportiert, eine Chokoladefabrik, die gut prosperiert und andere größere Unternehmungen. Außerdem entstanden viele kleine Fabriken und eine ganze Reihe Kleinindustrien und Werkstätten. Es hat also die Privatinitiative Einzelner gute Erfolge gezeitigt. Wie steht es aber mit der Volksaktion? Was haben diejenigen getan, die weder selbst ins Land gingen, um dort körperlich zu arbeiten, noch ihr Vermögen im Lande anlegten und riskierten, von denen nur verlangt wurde, daß sie durch Spenden, die nur einen kleinen Teil ihres Vermögens ausmachen, das Aufbauwerk unterstützen? Sie haben versagt. Es sind wohl jährlich einige hunderttausend Pf und für Palästinazwecke gesammelt worden, aber gegen die erwarteten Millionen, die benötigt wurden, um Straßen und Kanäle zu bauen, öffentliche Gebäude zu errichten, große Landstrecken urbar zu machen, zu bepflanzen und mit einem Volk von Landwirten zu besiedeln, kurz alle die Arbeiten in wenigen Jahren durchzuführen, die anderwärts in langen Jahrzehnten von mehreren Generationen geschaffen wurden, sind das lächerlich \mgenügende Summen. Die Palästinaexekutive der zionistischen Organisation konnte daher zur Not die sanitären und sozialen Vorrichtungen für ungefähr tausend Einwanderer im Monat schaffen, die Gründung einer Arbeiterbank ermöglichen, den Straßenbau durch Gewährung einer Anleihe an die Regierung fördern, für die Landwirtschaft durch Einrichtung von Versuchsstationen sorgen, einige größeie Bodenkomplexe kaufen und teilweise ihre Urbarmachung einleiten. Das sind zweifellos verdienstliche Taten, aber es ist nicht der großzügige Aufbau, der in kürzester Zeit die ganze Wirtschaft des Landes beleben, über Nacht neue Werte schaffen und dadurch die Krise verschwinden lassen konnte. Um einen solchen Aufbau zu ermöglichen, hätten wohl die europäischen und amerikanischen Juden ein Vielfaches des Geleisteten leisten müssen. Und so blieb die Krise nur wenig gemildert bestehen und Palästina erwartete vergeblich die Hilfe der Juden der Welt. Da griffen die jüdischen Kaufleute und Produzenten Palästinas zur Selbsthilfe. Nachdem wir nicht genug Interesse für sie gezeigt haben, kamen sie selbst zu uns. Sie beteiligten sich ar der Prager Mustermesse. Bei dem bestehenden Mißtrauen in die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Palästinas mußten sie nicht nur diejenigen Waren ausstellen, an deren Absatz in der Tschechoslovakei jetzt schon zu denken ist, sondern sie mußten gleichzeitig die Produkte der neu entstehenden, für Inlandsbedarf berechneten Industrie vorführen, um zu beweisen, daß Palästina im Stande ist, eine gesunde Industrie zu schaffen und durch ständige Arbeit zu einer Konsolidierung zu gelangen, die auch mißtrauischen Juden Vertrauen abnötigen würde. Dadurch wurden die Kosten der Expedition sehr erhöht, und so konnte in Folge dessen nur eine kleine Exposition zusammengestellt werden, die aber vollkommen genügt, um den Optimismus und das Selbstvertrauen des produzierenden Teiles des jüdischen Palästina berechtigt zu finden. Wie von informierter Seite berichtet wird, besteht Aussicht, für palästinensische

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