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B'nai B'rith · 1923-04-01 · 4 (4.1923) · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
4 (4.1923)
Date
1923-04-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 der Handelsbilanz wurde vor dem Kriege größtenteils durch die Fremdenindustrie und durch die Gelder gedeckt, welche von den einzelnen Religionsgesellschaften an ihre Religionsverwandten in Palästina als Unterstützungen gesandt wurden. Der Krieg hat den Fremdenverkehr unmöglich gemacht und Geldtiberweisungen auf das äußerste erschwert, er hat große Teile von Europa ruiniert, so daß diese nicht daran denken können, andere zu unterstützen. Aber nicht genug daran. Der Krieg hat in Palästina selbst große Verwüstungen angerichtet, so daß es bis zu einem gewissen Grade wie Frankreich sein Reparationsproblem hat. Das Kriegsende mit seinen politischen Umwälzungen schuf gänzlich neue Zollgrenzen, die bisher zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet zerschnitten und so Schwierigkeiten schufen, die den Bürgern der mitteleuropäischen Nachfolgerstaaten wohl bekannt sind. Die Folgen dieses Zusammentreffens widriger Zustände wurden erst recht fühlbar, als sicii nach der Scheinkonjunktur der ersten Nachkriegsjahre die große Stagnation über die ganze Welt ausbreitete und mit ihrer vollen Wucht auch Palästina traf. In allen anderen Ländern, in denen mehrere der aufgezählten Widrigkeiten eintraten, kam es — auch wenn sie sich nicht alle zusammenfanden — als Polgeerscheinung zu einem Rückgang der Valuta, der wohl große Schäden verursachte, aber andererseits die Exportfähigkeit des Landes hob, dem Volke Arbeitsgelegenheit gab, es gleichzeitig zur Anspannung aller Kräfte zwang und auf diesem Wege nach vielen Schwankungen schließlich doch wieder ein den neuen Verhältnissen angemessenes Gleichgewicht herstellte, so wie das Fieber wohl den Kranken schwächt, aber auch die Giftkeime in seinem Körper tötet urd so die Gesundung ermöglicht. Dieser Ausgleich durch Regulierung des Valutastandes war in Palästina —■ dies ist wohl das ärgste von allem — nicht möglich, denn Palästina wurde nach Kriegsende durch Einführung der ägyptischen Pfundwährung valutarisch an ein Land mit mächtiger Produktion gebunden, das durch den Krieg nicht im geringsten gelitten hatte und das in Folge dessen eine der am höchsten stehenden Edelvaluten hat. Was für ein reiches Land, das im Kriege nicht gelitten hat, wenige Wochen künstlich hochgetriebener Valuta bedeuten können, wissen wir seit einem halben Jahr sehr gut. Wie hat sich erst die hohe Valuta in dem wirtschaftlich zurückgebliebenen, vom Kriege verwüsteten Palästina fühlbar gemacht! Welche Bedeutung hatte nun unter diesen Umständen die vor allem von der zionistischen Organisation geleitete jüdische Aufbauarbeit im Lande? Gewiß war sie geeignet, die Ursachen der Krise ganz radikal zu bekämpfen. Wenn, wir die Reihenfolge, in der wir diese Ursachen oben aufgezeigt haben, beibehalten wollen, können wir sagen: Die für den Aufbau bestimmten Gelder hätten, da große Summen präliminiert waren, den Ausfall der früher von den Religionsgesellschafter eingelaufenen Gelder und die Verringerung der Erträgnisse der Fremdenindustrie mehr als aufwiegen und so das Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz des Landes herstellen können. Die Scharen der neuen Arbeiter hätten die Kriegsschäden rasehest verschwinden lassen können.

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