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B'nai B'rith · 1923-03-01 · 3 (3.1923) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
2 (1923)
Issue
3 (3.1923)
Date
1923-03-01
Page
Seite 61 (sequence 17)
Language
German
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6 t Und. da sollte man uns, liebe Schwestern, so leicht entbehren können im Pflegewesen der liegen? Bei der Waisenfürsorge? Es sollte für unsere Schwestern-Witwen keinen Wert haben, von Freundinnen, Frauen betreut und beraten zu sein? Wenn nicht ausschließlich, so doch neben den männlichen Pflegern, die ihnen von der Loge zur Seite gestellt werden, und die — ich könnte Beispiele nennen — nicht immer das notwendige Verständnis für die Psyche ihres weiblichen Schützlings, für seine Bedürfnisse haben? Und wer soll dem jüdischen Waisenkind, dessen Erziehung unsere Logen in so umfassender, gewissenhafter und geradezu rührender Weise leiten, die Mutter ersetzen, wenn nicht wir Schwestern? Ist der Schutz der alleinstehenden, jüdischen, den Gefahren der Stadt preisgegebenen Mädchen bisher nicht gerade deshalb vernachlässigt worden, weil man auf die Mittätigkeit der Frauen verzichten zu können glaubte? Und wenn mar. endlich zur Überzeugung gekommen ist, daß unseren alleinstehenden Schwestern viel mehr durch Förderung ihrer Erwerbsfähigkeit geholfen wird, als etwa durch Unterstützungen, so konnte man auch schon aus der bisherigen diesbezüglichen Tätigkeit der Frauenvereinigung erkennen, daß in dieser Richtung unsere Männer sehr wenig und wir Frauen alles leisten können. Wenn ich so auf das sozial-charitative Tätigkeitsgebiet der Frauen Vereinigung etwas ausführlicher hingewiesen, habe, so wollte ich mir ein Beispiel anführen, aber nicht unser Tätigkeitsgebiet damit abgrenzen. Wir sollten, glaube ich, viel mehr auf das erziehliche Moment unser Augenmerk richten, and wenn Gewitterstürmen gleich Volksleidenschaften aufgepeitscht und organisiert, und unter der Flagge des Nationalismus und Rassenkampfes schwere und gefährliche Angriffe auf das Judentum vorbereitet werden, so müssen wir jüdischen Frauen unter dem Drucke unseres Verantwortungsgefühles tu s zum Bewußtsein bringen, daß man in erster Reihe der jüdischen Frau den Vorwurf macht, durch auffälligen und aufreizenden Luxus den Antiseini+ismus genährt zu haben, und es wird, nicht deshalb, sondern wegen des sittlichen Wertes die Selbsterziehung zur Einfachheit, die Erweckung der beglückenden Liebe zur Natur, die erzieherische Tätigkeit in der Familie, das so anziehende Bestreben zur Veredelung der Rasse u. ä. den nach meiner Ansicht größeren, wertvolleren und schöneren Teil des Tätigkeitsgebietes unserer Frauenvereinigung bilden. Aber meine Schwestern, wir können nur dann ersprießlich arbeiten, wenn wir uns zusa mienschließen, wenn wir in harmonischer Gemeinschaft, in geistiger Solidarität vorgehen. Nur eine Organisation, meine Schwestern, bietet die Möglichkeit einer erfolgreichen Wirksamkeit, denn die individuellen Kräfte reichen für sich allein zur vollen Bewältigung der notwendigen sozialen Arbeit nicht aus, und es ist eine Ergänzung aer Einzelarbeit durch organisierte Vereinigung unerläßlich. Wir gleich denkenden und gleich fühlenden Frauen müssen uns zu einer Vereinigung, zu einer Organisation, verbinden. Fragen wir uns, meine Schwestern, ob unsere Frauenvereinigung, so wie sie heute ist, eine Organisation, ein zu einer lebendigen und selbständigen Arbeit verbundener Körper, eine lebendige organische

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