B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 1 (1.1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Die Loge hat sich nach Konstantinopel um Hilfe gewendet und ein Vertreter des Joint Distribution Comittee hat einer aus drei Brüdern bestehenden Kommission so viel Mehl zur Verfügung gestellt, daß man wenigstens für die erste Zeit den Refugies das trockene Brot geben kann. Den Backlohn für das Brot bezahlt die Smyrnaer Gemeinde, die natürlich aus eigenen Mitteln nicht viel zu leisten vermag. Was weiter aus den Leuten werden soll, kann man gar nicht absehen. Es herrscht ein furchtbares Elend. Etwaige Spenden sind am besten durch die Großloge in Konstantinopel (Grand Secretariat de la Societe Benai Berith, Constantinople Pera, Rue Minaret II) oder durch den , Joint", in Konstantinopel zu machen. Die Zustände in Konstantinopel selbst lassen viel zu wünschen übrig. Infolge der unsicheren politischen Situation herrscht daselbst eine große Panik und niemand weiß, was der morgige Tag bringt. Die türkischen Behörden behaupten judenfreundlich zu sein, aber die Mißbräuche bei den verschiedenen unteren Instanzen und die direkt judenfeindliche Boykottbewegung dauern fort. Aus dem Distrikte XI. („Orient"). Die jetzige Zeit der Einengung des Reiseverkehrs hat es vielleicht mit sich gebracht, daß bei uns die Ausbreitung des Bundes wenig behandelt wird und dadurch viel zu wenig bekannt ist. Das uns in diesen Tagen zugekommene „Bulletin de la Grande Loge de Distrikt XI. I. O. B. B." gibt erwünschte Gelegenheit, den uns gar nicht fernestehenden Distrikt „Orient" etwas näher zu betrachten. Der den Prager BBr. wohl bekannte Br. Expr. Israel Auerbach, vormals Großsekretär der Orientgroßloge, nennt dort in einem Bericht an das Generalkomitee den Distrikt Orient den ausgedehntesten des ganzen Ordens. Jedenfalls umfaßt sein Arbeitsgebiet eine ganze Reihe von höchst verschiedenartigen Staaten des ganzen, sich über 3 Erdteile erstreckenden Gebietes, das gemeinhin als „Orient" bezeichnet zu werden pflegt. Das „Bulletin" referiert über die Zeit vom Feber 1913 bis Dezember 1921. Zum Schlüsse dieser Periode gab es dort 25 Logen, welche ehemals zu den Staaten Serbien, Bulgarien, Türkei, Griechenland und Ägypten gehörten, durch die Kriegsfolgen aber zu einem erheblichen Teile ihre staatliche Zugehörigkeit gewechselt haben. Gegenwärtig entfallen 5 Logen, u. zw. Haifa, Jerusalem, Sichron Jakob. Saffed und Tel Awiw auf das britische Mandatsgebiet Palästina; den größten Prozentsatz stellt Bulgarien mit 8 Logen i Rustschuck, Philippopel, Yamboli,Widdin, Warna, Sofia, Sliwno und Burgas), Ägypten zählt 4 Logen (Alexandria, Tantah und 2 Logen in Kairo). Interessant sind die Berichte der einzelnen Logen über ihre Fürsorgetätigkeit während des Krieges, indem z. B. in Adrianopel und Smyrna in ähnlicher Weise wie bei uns die Br. und deren Damen sich der Flüchtlinge und Kriegsgefangenen annahmen. Der „Rapport"- der Kairo-Loge für das Jahr 1913 berichtet über die von der Loge durchgeführte Reorganisation der dortigen israelit. Kultusgemeinde, die Saloniki-Loge über die Gründung einer modernen Musterschule B. B. in Anlehnung an eine ähnliche, in Konstantinopel bereits bestehende Anstalt. Die Mitgliederzahl ist verhältnismäßig nicht bedeutend, der ganze Distrikt zählte gegen 1600 Mitglieder, an der Spitze steht die Konstantinopel- Loge mit 279 Brüdern. Im Mitgliederverzeichnis fällt uns unter den BBr. der Jeruschalajim-Loge der Name unseres ehemal. „Praga"-Mitglieds Dr. Hugo Bergmann, unter jenen der Loge Sthaar-Sion in Jaffa derjenige Israel B e 1 k i n d s auf. Als Vertreter des nach Berlin gezogenen Großsekretärs Dr. Auerbach wird Br. Dr. Yakir Behar genannt. Die Adresse der Großloge lautet: Grand Secretariat de la Societe Bene-Berith, Constantinople- Pera, Rue Minaret II. T. K. P. Vortrag Professor Goldstein. Die Sitzung der w. „Praga" v. 9. Dezember v. J., die am Vorabende der General - komiteetagung stattfand, war eine besonders gelungene. Von Seite des Generalkomitees nahmen an ihr außer den in Prag wohnhaften Mitgliedern die BBr. Expräsidenten Dr. Feith, Dr. Sonnenschein und Schulhof teil. Außerdem war Br. Expräs. Dr. Israel Auerbach von der Timendorfer Loge (Berlin) anwesend. Im Mittelpunkte des Abends stand der Vortrag des Br. Expr. Prof. Dr. Julius Goldstein von der Starkenburg-Loge in Darmstadt. Er sprach über: „Das sittliche Problem des technischen Fortschritt s". Es ist überaus schwer, die Fülle anregender Gedanken, die da in glänzendster Form dargeboten wur-