B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 1 (1.1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Umschau. Von der w. „Orient" (Czernowitz). In einer der letzten Sitzungen der w. „Praga" hatten die Prager Brüder die Freude, den Br. Expräsidenten M. U. Dr. Josef Ohrenstein von der w. „Orient" (Czernowitz) als Gast begrüßen zu können. Der Besuch hatte die weitere erfreuliche Folge, daß der Austausch von Mitteilungen zwischen der w. „Orient" und unserer Großloge dadurch von neuem in Fluß gebracht wurde. Als erstes Ergebnis liegt uns der Bericht der w. „Orient" über das Vereinsjahr 1921 vor. Wir entnehmen seinem reichen Inhalte das Nachstehende: Das Jahr 1921 bedeutete für die Loge ein Festjahr, da am 26. Feber desselben 10 Jahre seit deren Gründung verflossen waren. Der Bedeutung dieses Ereignisses hat die Loge in würdigster Weise in der Art Rechnung getragen, daß sie alle dem Wiederaufbau gewidmeten Arbeiten mit erhöhter Anspannung ihrer Kräfte in Angriff nahm, beziehungsweise erfolgreich weiter führte. Die wichtigsten unter diesen Arbeiten waren die Erweiterung des jüdischen Spitales, die Beschaffung eines Hauses zur Unterbringung von Kriegs- und Pogromwaisen und die Errichtung einer Volksbibliothek. Die Spitalsangelegenheit wurde durch ein aus Brüdern zusammengesetztes Komitee gefördert, dem es gelang, einen Zubau zu dem unter der bewährten, ehrenamtlichen Leitung des eingangs genannten Br. Dr. Ohrenstein stehenden Spital durchzuführen. Bemerkt sei, daß Br. Dr. Ohrenstein der Präsident des Jubiläumsjahres war. Für die Unterbringung der Kriegs - waisen wurde ein Haus in der Siebenbürgerstraße angekauft, doch war es nicht möglich, dessen Räume für diesen Zweck frei zu bekommen. Es mußte daher der Aufbau eines zweiten Stockwerkes ins Auge gefaßt werden, wofür eine Bausubvention seitens des h. w. Exekutivkomitees angesprochen wurde. Im Übrigen hat die Kriegswaisenaktion, durch den Besuch des Br. Seelenfreund eingeleitet, dasselbe Bild geboten wie bei uns. Die Errichtung der Volksbibliothek hat leider, trotzdem bereits ein ansehnlicher Fond für diesen Zweck zur Verfügung stand, durch die enorme Preissteigerung der Bücher ein neues Hemmnis erfahren. Zur Förderung von Kunst und Wissenschaft wurde im Jahre 1920 der Br. Dr. Leo K i e s 1 e r-F o n d gegründet. Der Bericht gedenkt der Unterstützung eines jungen Künstlers durch diesen Fond und der Förderung, die letzterer durch unsere Großloge erfahren hat. Schließlich sei in diesem Zusammenhange noch die jüdische Wiederaufbaugesellschaft genannt, die vom „Joint" über Veranlassung der Loge ins Leben gerufen wurde und die bisher bereits bis 13,000.000 Lei für Wiederaufbauzwecke ausgegeben hat. Der Gesellschaft gehören 8 Brüder als Delegierte der Loge an. Vom inneren Leben der Loge sei hervorgehoben, daß im Berichtsjahre 6 Vorträge in Anwesenheit der Schwestern und sonstigen Angehörigen der Brüder stattfanden. Die Schwestern erwarben sich ein besonderes Verdienst durch ihre Mitarbeit an dem von der Loge ins Leben gerufenen, unter der Leitung des Br. Expräs. NathanHorovitz stehenden Kinderschutzvereines. Dieser wurde von der Loge mit einer Jahressubvention von 12.000 Lei bedacht. Der Mitgliederstand der Loge betrug zu Ende 1921 72 Mitglieder. Präsident war, wie bereits erwähnt, Br. Dr. Ohrenstein, Vizepräsident Br. Prof. Dr. Efraim Brenner und Mentor der ebenfalls bereits genannte Br. Horovitz. Die Lage der Juden in Smyrna. Von einem Bruder der Smyrna-Loge, der uns vor kurzem besuchte, erfahren wir über das Schicksal der Juden in Smyrna Nachstehendes: Am 9 September v. J. sind die Türken nach Smyrna hineingekommen. Wenn auch in den ersten Tagen der Massacres jüdisches Leben geschont worden ist, so hat die jüdische Bevölkerung dauernd Schweres und Schwerstes zu leiden. Abgesehen davon, daß über 200 jüdische Häuser abgebrannt sind, die im armenischen und europäischen Viertel gelegen waren, so daß 50 Brüder der Loge um ihr Eigentum und teilweise auch ihre Behausung gekommen sind, sind noch über 10.000 Juden aus dem Innern, die auch um Hab und Gut gekommen, deren Häuser ebenfalls abgebrannt und die einstweilen in den Synagogen sowie anderen zur Verfügung stehenden Ubikationen wie z. B. Talmud-Thora- Schulen untergebracht sind.