B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 1 (1.1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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20 den, in wenigen Zeilen zusammenzufassen. Trotzdem sei es im Nachstehenden wenigstens versucht. Das Neue des technischen Fortschritts datiert nach Prof. Goldstein von der Erfindung der Dampfmaschine. Es besteht darin, daß wir durch sie und seit ihr im Stande sind, mechanische Energie in immer steigendem Maße räumlich zu verdichten. Dieser technische Fortschritt verlangt aber zu seiner Aufrechterhaltung gesteigerte sittliche Kräfte. Das Problem der Betriebssicherheit ist letzten Endes ein sittliches Problem. Redner zeigte dies am Eisenbahnwesen. Große industrielle Unternehmungen, wie besonders Bergwerke, verlangen seitens der daran beteiligten Personen ein intensiviertes sozial-ethisches Gemeinbewußtsein. Diejenigen, die hier zu gemeinsamer Arbeit verbunden sind, dürfen nicht im Zustande halbfeindlicner Neutralität zu einander stehen. Von hier aus ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen Technik und Ethik zu beantworten. An sich ist die Technik etwas sittl ich Neutrales, das der Mensch ebenso in den Dienst des Guten wie des Bösen stellen kann. Da sie eine ungeheure Macht in die Hand des Menschen legt, so bedeutet sie sogar, wie jede Macht, eine Versuchung zum Bösen. Dieser Versuchung ist das 19. Jahrhundert erlegen. Mit der Macht des Menschen über die Dinge war seine Macht über sich selbst nicht gewachsen. Die sittliche Entwicklung hatte mit der technischen nicht Schritt gehalten. Goethe schrieb einmal die Worte nieder:,,Fernrohre und Mikroskope verwirren eigentlich den reinen Menschensinn." Die Aufgabe ist, der Verwirrung Herr zu werden und aus ihr zum reinen Menschensinn zurückzufinden. Die Aufgabe ist groß, aber nicht unlösbar. Auch von den Mächten, die in der Technik liegen, gilt das Wort des ewigen Buches: Siehe, ich habe dir heute vorgelegt den Segen und den Fluch, den Tod und das Leben — so wähle denn das Leben! Der tiefe Eindruck, den der außerordentliche Vortrag in allen Zuhörern hinterließ, löste sich bei dem an die Sitzung sich anschließenden Brudermahle in einer lebhaften Diskussion aus, die sich auf erfreulich natürliche Art aus den gewechselten Trinksprüchen entwickelte. Dankenswerter Weise nahm Br. Prof. Goldstein zum Schlüsse nochmals das Wort, wobei er insbesondere das in seinem Schlußworte Angedeutete ausführlicher entwickelte. Die Bibel habe in der Geschichte vom Turmbau vo n Babel das ganze Problem in gewaltiger Symbolik vorausgenommen. Um sich ,,einen Namen zu machen", wollten die Menschen einen Turm bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reichen sollte. Von da ab aber verstand keiner mehr die Sprache des anderen. Weil wir im Reiche der Mittel stecken geblieben waren, weil wir alles auf die äußere Macht, um uns einen Namen zu machen, eingestellt haben, darum verstünden wir keiner mehr die Sprache des anderen. In den Mitteln, in der Technik, seien alle Völker einig, aber im Ziele, auf das es ankomme, in der Ethik, nicht. Wohl sei schon im ersten Kapitel der Genesis ein Grundgedanke des Judentums ausgesprochen mit den Worten: ,,Macht sie (die Erde) euch Untertan!" Er bedürfe aber der Ergänzung durch den weiteren Grundgedanken: Werdet aber nicht selbst der Erde Untertan. Wir hätten uns zuerst die Erde Untertan gemacht, dann aber wären wir selbst ihr Untertan geworden. Das erste zu tun und doch das zweite zu vermeiden, das sei die Aufgabe, die der Ethik durch die Technik gestellt werde. Soeben ist ein Buch Prof. Goldsteins erschienen, das unter dem Titel „Aus dem Vermächtnis des 19. Jahrhunderts" philosophische Aufsätze aus den Jahren 1904 bis 1921 zusammengefaßt (Berlin 1922, C. A. Schwetschke & Sohn) und in dem das hier behandelte Problem sowie andere wichtige Fragen unseres Innenlebens in lichtvoller Weise behandelt werden. Das Buch sei ebenso wie Goldsteins ältere Schrift „Rasse und Politik" (II. verbesserte Auflage, Neuwerk-Verlag Schlüchtern 1921) allen Brüdern, die an diesen Fragen überhaupt Interesse nehmen, vor allem aber den Logenbibliotheken, aufs wärmste empfohlen. sp. Von unseren Brüdern. Sterbefälle: Am 5. Dezember 1922: Br. Dr. Ernst Alt schul, Advokat in Eger, Mitglied der w. „ Karlsbadx seit 17. Oktober 1920, geboren in B.-Leipa am 12. August 1879; am 8. Dezember 1922: Br. Albert Freund, Direktor der „ Karpathia", Mitglied der w. „Praga" seit 28. März 1904, geboren in Pilsen am 11. Sept. 1872; am 11. Dezember 1922: Br. Jakob Steiner in Pilsen, Mitglied der w. .Union" seit 26. Dezember 1893, geboren in Srb bei Theinitz am 21. Mai 1857;