B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 1 (1.1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Allein wenn dem leiblichen Bruder gegenüber die Uneigennützigkeit die Folge desbiüderlichen Verhältnisses ist, so wird ein solches in unserem Kreis nur dann geschaffen, wenn die Uneigennützigkeit zur Grundlage der brüderlichen Beziehungen gemacht wird. Wenn auch unsere Menschenpflicht der Nächstenliebe über diesen Kreis hinausgeht und wir keine Grenze kennen dürfen, außerhalb deiei der Eigennutz ins Recht treten dürfte, unter Bundesbrüdern ist edle Uneigennützigkeit unerläßlich, wenn nicht die Grundpfeiler unseres Bundes ins Wanken kommen sollen. Kein großes Werk ist ohne einträchtiges Zusammenwiiken vollführbar. Deshalb ist auch diese unerläßliche Bedingung eifolgreichen Wirkens in unseren Iyeitspruch aufgenommen. Der Wille zur Ei nti acht aber elf ordert oft das Opfer einer höheren Uneigennützigkeit, als mit der Darbietung besonderer Leistungen verbunden ist, einer solchen, die auf die Achtung der gegnerischen Überzeugung gegründet ist und die eigene dem Bundesbruder gegenüber zurückstellt, es sei denn, daß diese Zurückstellung gegen Bundes- und Bruderpflicht verstoßen oder gar das L/Ogenleben gefährden würde. Die große Bewegung, die einen Teil der Judenheit erfaßt hat, die Eistrebung einer jüdischen nationalen Heimstätte, hat zwei getrennte Lager geschaffen, und bei Außerachtlassung der gekennzeichneten Uneigennützigkeit droht dem Logenfrieden schwere Gefahr. In richtiger Erkenntnis dieser Gefahr wurde von unserer obersten Leitung die Neutralität des Bundes in der zionistischen Frage ausgesprochen und diese Neutralität auf die statutarische Bestimmung gegiündet, daß religiöse und politische Angelegenheiten aus dem Wirkungskreise des Bundes ausgeschlossen sind. Vor kurzem hat, wie Ihnen, liebe Brüder, bekannt ist, ein Bruder angeregt, daß die Loge zur Bestätigung des palästinensischen Mandats Stellung nehmen solle, und an mich die Aufforderung gerichtet, hierüber die Debatte zu eröffnen. Allein kein Bruder nahm das Wort, trotzdem unsere Loge begeisterte Anhänger des Zionismus und nicht weniger überzeugte Gegner des nationalen Gedankens vereinigt; ich glaube, daß dies aus dem richtigen Gefühle heraus geschah, daß die brüderliche Eintracht in Gefahi war, eine Erschütterung zu erleiden, und daß damit die höhere Uneigennützigkeit bekundet wurde, die eigene Überzeugung in diesem Falle zurückzustellen. Lassen Sie uns, liebe Brüder, heute beim Eintritte in das zweite Jahrzehnt unseres Logenlebens das Gelöbnis erneuern, in richtig erkannter Bedeutung unseres Leitspruches W. B. u. E. als B'nai B'rith zu leben und zu wirken. Die soziale Gährung, die jetzt die Menschheit durchwühlt, hat die Judenheit wiedeium zum Sündenbocke gestempelt, den Juden wird ebenso gewissenlos die schauerliche Verheerung des kommunistischen Iirwahns zur Last gelegt, wie die furchtbaren Wirkungen des Weltkrieges dem edlen Rathenau den Opfertod bereiteten. Wir Alle sind von dem heißen Wunsche beseelt, das Schicksal der Judenheit zum Segen der Menschheit zu bessern und unsere Kinder und Enkel von dem Fluche befreit zu wissen, der hinsichtlich dei Beurteilung des Judentums auf der unglücklichen Menschheit lastet. Aber es ist nicht an uns, die Rätsel des historischen Geschehens zu lösen. Ein zu kleiner Umkreisunseies kurzen