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Jeschurun · 1896-08-21 · 12 (21.8.1896) · p. Seite 59

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Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
12 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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tereifählt; «** ■ all -erhab^e fc*Äl to^^iS fe?- cVör»* ,n. das Bewusstsein Bangigkeit; im Tin- %keit anerkennen Ie stärkt, die Unter 'r Jm Festabschnitt wenn die Erde uns iugen des Geistes, lls> den Engel des ein Zeichen giebt uns zeigt, wo die sst;. wie Hanna in jitin, die betrübte bliebe Mutter, im ' gepressten Brust und Hilfe suchen; »ttesgedanken une uns aufrecht er- Jeg beleuchtet, die Würde giebt und n Strahl aus der 'erwandelt in eine . habe noch lange Frömmigkeit! Das der Religion! dass die Religion, sie kann nicht, enjenigen Dingen ld der Adel der pte, ein Mensch, dig fremd sind; öttliche mangelt, immeltes Wesen, h so viel Wissench so vielTugend d, oder vielmehr ion lügenhaften ines Tages wird :ennen, die er zu h nur schwer den [enschen unserer n. Man glaubt, -on derGeistesareise abzulegen. 3 Menge glaubt Gegner spielt; 3t einen freien sich damit nur Enge und der Man spricht: redlicher Mann «mteErzieW itan, ich thue [et er " 3hlage dü man ®eh ««iJerem. — 59 das ist mir genug." 0 nein! das ist nicht genug. Wer versichert dich, dass die Religion die du so gering anschlägst, nicht das höchste Zeichen deiner Würde ist, das auch allem anderen erst die Krone aufsetzt? Wer versichert dich, dass du, indem, du freiwillig die Grenzen deiner Gedanken und Gefühle so ■eng ziehst, nicht dadurch deine innere Freudigkeit verminderst? Wenn Du keinen Glauben hast; wenn Du nicht mehr glauben, nicht mehr beten, nicht mehr hoffen kannst: worauf willst du denn noch stolz sein? Ich kann dich dann vielmehr nur sehr beklagen: Du bist dann für mich wie ein Blinder, der — o der Armselige ' — sich brüstet, niemals von den Strahlen der Sonne geblendet worden zu sein. Nein, tausendmal nein, das Ideal eines Menschen kann nicht darin bestehen, sich seiner stolzesten Krone zu berauben. Nicht ich bin es, der dies sagt, sondern der Prophet, der im Namen Gottes spricht: ,,So spricht der Ewige, es rühme sich nicht der Weise seiner Weisheit, und nicht rühme sich der Starke seiner Stärke und nicht rühme sich der Reiche seines Reichtums! Sondern das ist es, dessen man sich rühmen soll: Mich erkennen und begreifen, mich, den Ewigen, der Liebe, Recht und Güte, übt auf Erden. Das ist es, was ich liebe, spricht der Ewige"'1). Gott begreifen und erkennen, ja, das ist die erhabene Quelle, aus welcher alle grossen Gefühle entspringen und in welcher ewig sich erfrischend die Redlichkeit, die Gerechtigkeit, die Liebe sich versenken. — Die Moral sagst Du, ist dir teuer; du glühst für ihre heiligen Gesetze. Aber weisst du denn nicht, dass Gott die Grundlage der Moral ist, dass Gott der Gipfel der Moral ist, und dass die Moral, ohne Gott, weder Macht, noch Ansehen, noch Dauerhaftigkeit besitzt? — Du liebst die Familie mit ihren Freuden, ihren Pflichten nnd ihren Opfern .... aber glaubst Du denn, dass nicht auch sie, ja auch sie, Gott und Religion braucht, um ihre Würde zu schützen und ihr Glück sicher zu stellen? 0, thörichte Ehegatten! Wenn es das Unglück will, -dass die Ehe für euch anstatt der warmen Liebe der erstarrende Frost, anstatt der Zärtlichkeit und Treue die Gleichgültigkeit und der Verrat geworden, so kommt das daher, dass ihr nicht begreifen wolltet, welche Kraft und welche Festigkeit die Religion allen menschlichen Empfindungen verleiht. Unglückliche Eltern, ihr weint über die Verdorbenheit und den Undank eines Kindes: warum habt ihr ihm nicht vor allem andern »die Ehrfurcht vor Gott, eine rechte und feste Gläubigkeit eingeflösst? Wie viel Thränen hättet ihr dadurch euch selbst erspart, und wie .viel Reue, Schande und Unglück hättet ihr von dem Leben eures Kindes fern gehalten? Eheliche Liebe, kindliche Liebe, Vaterlandsliebe, Menschenliebe ihr edlen und süssen Gefühle, unser Glück und unser Stolz — was euch pflegt, was euch erhält, was euch heiligt, das ist Gott und immer nur Gott! — Aber ich beeile mich hinzuzufügen, dass es nicht genügt die Religion nach ihrem hohen und wahren Werte zu schätzen, sie will gepflanzt, sie will anerzogen sein. Sie entsteht nicht nach unsrer Willkür und nach unserem Wunsche. Es giebt viele Seelen welche die eitle Hoffnungslosigkeit der menschlichen Dinge erkannt haben, welche alles gekostet, auch die Bitterkeit von allem erfahren haben. Sie wären glücklich, den Frieden, der ihnen fehlt und die Ruhe, die sie flieht, im Glauben wiederzufinden. 0, wie oft M .Terem» 9. 22—2H. ist das zu spät. Wenn die Kohlen erst ganz erloschen sind, könnt ihr nicht mehr die flammenden Funken daraus hervorlodern; wenn die Pflanze abgestorben ist, weil ihr Wärme und Thau gefehlt, ist nichts mehr im stände sie grüner zu machen. Die Religion, meine Brüder, o vergesset das nicht, ist gleich allen grossen menschlichen Gefühlen: sie verlangt, dass man sie pflege, nähre und erhalte. Der Mensch verdankt fast alles, was er ist und was er bedeutet, der Erziehung, und seine glänzendsten Fähigkeiten siechen dahin und sterben, wenn sie nicht gepflegt werden. Dieser Mensch fühlt gleichsam einen Schauer der Bewunderung vor einem grossen Schauspiel der Natur, während der andere nichts sieht, nichts begreift und nichts bewundert; er bleibt kalt vor den grossartigsten Schöpfungen des menschlichen Geistes und bemerkt nichts als ein Gemisch vonFarben oder eine grobe Materie, wo das geübte Auge des Kenners mit Entzücken ein erhabenes Werk der Kunst betrachtet. Woher kommt diese überraschende Verschiedenheit unter den Menschen, wenn nicht von der Erziehung? Ja, selbst das moralische Gefühl ist diesem Gesetze unterworfen. Es giebt Menschen, welche das Unglück haben, nur schwer das Gute vom Bösen unterscheiden zu können, welche in Folge einer fehlerhaften Erziehung keine Achtung kennen vor dem heiligen Recht des Eigentums, noch vor einem Unrecht zurückschrecken wenn ihr Interesse im Spiel ist; während andere in ihrem edlen Herzen, in ihrem zarten Gewissen stets erfüllt sind von Zweifeln. vonDemut, und dem drückenden Bewusstsein, stets zurückzubleiben hinter dem Ideal der Gerechtigtigkeit, der vollkommenen Güte, der unbedingten Gesetzmässigkeit, das sie sich gebildet haben. Ganz so verhält es sich mit der Religion. Wollen wir, dass unsre Seele dieser heiligen Freuden, dieser göttlichen Tröstungen, dieser glänzenden Hoffnungen, welche das Eigentum der Frommen sind, nicht entwöhnt werde, so ist es nötig, dass wir uns einer langen und strengen Selbsterziehung unterwerfen. Wollen wir, dass aus unsern Kindern Männer und Frauen werden, welche alle die Gaben und alle die Kräfte besitzen, die den Schmuck und den Schutz des Lebens bilden, so ist es nötig., dass wir zur rechten Zeit uns daran machen, die Keime der Frömmigkeit und des Glaubens die in ihrem Herzen sind, zur Entfaltung zu bringen; so ist es nötig, dass wir unsre ganze Sorgfalt, unsre ganze Aufmerksamkeit dieser ebenso zarten wie wertvollen Pflanzung zuwenden, welche um zur Reife zu kommen, Sonne und Thau verlangt: die Sonne unsres Glaubens und der Thau unsres Wortes und unsres Beispiels: Wenn deine Kinder in Gott unterrichtet sind vertraut mit dem Gottesgedanken, dann wird ein reicher Friede ihnen zu Teil werden."1) Ja. meine Brüder, ich kann nur aufs tiefste beklagen den Irrtum der Eltern, welche diese Weihe, die nach meiner Ansicht jede wohlgeordnete Erziehung befruchten und beleben müsste, als eine nutzlose Sache betrachten. Man ist anspruchsvoll für seine Kinder; man möchte ihnen, wenn es möglich wäre, die ganze Wissenschaft beibringen, alle nützlichen Kenntnisse, alle Künste der Unterhaltung, was erleuchtet und erfreut, nichts hält man für unbedeutend, und man hat Recht. Aber durch eine sonderbare Verirrung. die leider nur zu häufig ist. wird die eigentliche Erziehung der Seele, die Erl) Jesaj 54,1$

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