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Jeschurun · 1896-08-01 · 10 (1.8.1896) · p. Seite 51

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Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
10 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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c) eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende Besoldung mit Alterszulagen, Pensionsberechtigungen und Versorgung der Hinterbliebenen. Zur Erreichung obiger Ziele richtet der Verein an den Vorstand des Verbandes der jüd. Lehrervereine folgende Anträge: 1. Der Vorstand wolle baldigst eine Petition an die preussische Regierung event. auch an die einzelnen Bundesregierungen richten des Inhalts: Die Regierung möge bei Neuanstellungen den Gemeinden untersagen, die Erteilung des Religionsunterrichtes nicht staatlich geprüften Lehrern zu übertragen. 2. Er wolle ferner aus sämtlichen jüdischen Gemeinden statistisches Material sammeln über die Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse ihrer Lehrer. 3. Er wolle sodann den Gemeinden ein Memorandum über die Unzulänglichkeit dieser Verhältnisse unterbreiten und -am Schlüsse desselben die Forderung erheben, dass diejenigen Gemeinden, deren Etat in Einnahmen und Ausgaben auf mindestens 5000 Mark balanciert, den Forderungen 2 b und c aus eigenem Antriebe gerecht werden. 4. Er wolle schliesslich mit dem Gemeindebund in Beratung treten, auf welche Weise eine Kasse zu schaffen sei, mittelst welcher auch den Ansprüchen der an unbemittelten Gemeinden angestellten Lehrer genügt werden könne. — Horwitz-Dessau beantragt, eine Kommission aus dem Verein zu wählen, erschienene Schulbücher zu prüfen und darüber zu referieren. Nach kurzer Diskussion wird der Antrag angenommen und werden zu Kommissions-Mitgliedern die Herren Dr.Spanier, Horwitz, Heilbronn gewählt. Als nächster Konferenzort wird Gotha in Aussicht genommen. Referate übernehmen die Herren Dr. Fessler-Halle, Röthler-Gotha, Franck-Halle. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät unseren Kaiser wird die Versammlung 12'/4 Uhr mittags geschlossen. S. Sommerfeld-Chemnitz. Poesie und Geist der Messias- Apokalypse. Studie zur Kaddischlitteratur. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. (Schluss.) In der Akibasage steht ferner das Kaddischgebet ohne jede Relation zu einer vorhergegangenen Andacht oder heiligenden Belehrung; hier dagegen ist's ein Lehrvortrag mit einer Verdolmetschung (Targum) zum besseren Verständnis der Hörer, an welchen, wie es die Tradition bei den Agadavorträgen im Lehr- und auch Trauerhause heischt, sich die Gottesheiligung unmittelbar anschliesst, denn so heisst es da: ,,weonin leacharow", ,,die Hörer antworten und stimmen ein in die Benedeiung." Dazu kommt, dass diese nicht im aramäischen Volksidiom einer der heiligen Sprache fernerstehenden Generation, wie dies bei unserem Kaddisch der Fall ist, sondern im reinsten Hebräisch hier gesprochen wird: ,,Jehi schmo hagadol meborach umekudosch leolam ulolme olamim," es werde Sein grosser Name gelobt und geheiligt in der Welt und allen Welten! Dabei ist nicht nur von Benedeiung — wie im Jehe schme rabba meborach — sondern was urwüchsiger und kräftiger die Kaddischintention wiedergiebt, die Rede: ,.umekudosch", „und geheilig t." Es ist gesagt worden, dass man seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert die Agadavorträge wie im Lehralso auch im Trauerhause mit Kaddisch (nebst passenden Einschaltungen, in der gaonäischen Zeit auch mit Nennung des Gaon) beschlossen hat, und Rappaport und Zunz belegen es. dass diese Vorträge, welche die trauernden Herzen aufgerichtet, getröstet und mit Ergebung in den höchsten Willen erfüllt hatten, „Berachoth wenechamoth", d. i. Segens¬ und Trostsprüche genannt wurden. Nun, die vorliegende Dichtung im Munde eines Meisters nach der zweiten Tempelzerstörung kann in der That als ein vortrefflicher Beweis für die tröstende Kraft sowohl des Studiums der heiligen Schrift als auch des Lehrvortrages, wie auch der mit ihm verbundenen traditionellen Heiligung des Allerhöchsten gelten. Doch weiter! In der Akibasage erlangt der Vater die Seligkeit durch das Kaddich des Sohnes. Allein weder verlautet dort eine Silbe über das Wie dieser Seligkeit, noch über eine etwaige Teilnahme des Vatergeistes an der Seelenthätigkeit des Kindes während der Andacht, die ihm als ein Verdienst um den Aufschwung zu den Landen der Seligkeit hätte angerechnet werden können. Dagegen sind in unserer Apokalypse Stimmen aus der Hölle hörbar, die aus dem Munde der Abtrünnigen und Sünder herübertönen in das Lehrhaus, in dem eben der Amenchorus der Frommen verklungen. Es ist also eine Selbstthat der im Hinnomthale Büssenden, nun zu bussfertigen Gerechten — Baale Teschuba — Verwandelten, die ihre Erhebung vorbereitet. ,,Die Region, zu der sich die Bussfertigen eiheben", heisst es ja in den rabbinischen Schriften, ,,erreichen nicht einmal die vollkommen Frommen!" Umkehr und Busse ist hier der Schlüssel zur Pforte der Erlösung aus Verdammnis, Sündenqual und Höllenpein. Aber diese Selbstarbeit der Büssenden, dieser Seelen auf schwung wird durch das Kaddisch angeregt und erwiesen durch das lebhafte Echo des Kaddisch- Amens, welches im Lehrhause so vernehmbar wiederhallt. Das Kaddisch-Amen übt die Zaubergewalt auf die Abtrünnigen — mordim uposchim — um das einst verlorene Paradies der Glaubenstreue wiederzugewinnen; es ist der belebende Wasserstrahl, der die sengenden Hinnomgluten verlöscht. Das „Amen" aus der Hölle veranlasst den Allwissenden zu der Frage: Wo sind die Amenrufer aus der Unterwelt? Als wollte er sagen: Es giebt wahrhaftig Neues unter — wie auch über der Sonne, sehet es, höret es doch, ihr Engelssphären! Das Kaddisch-Amen findet nun in den Urbildern der Unschuld Fürsprecher: „af al pi schehem sehe-

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