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Jeschurun · 1896-07-15 · 9 (15.7.1896) · p. Seite 47

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Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
9 (15.7.1896)
Date
1896-07-15
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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Anwesend waren gegen 70 Lehrer aus den beiden Provinzen; ausserdem als Ehrengäste die Herren Rabbiner Dr. Auerbach-Elberfeld, Dr. Frank- Cöln, Dr. Samuel-Essen, Seminardirektor Dr. Gutmann-Münster, sowie als Vertreter d. D. J. G. B. Herr Dr. Apfel-Cöln. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf-Essen eröffnete die Versammlung um 3 Uhr mit herzlichen Worten der Begrüssung, indem er gelobte, sein Ehrenamt genau wie sein Vorgänger gerecht und gewissenhaft zu Nutzen der Kasse und zu Ehren des Vereins verwalten zu wollen. Er wird es sich zur besonderen Aufgabe machen, einen Ausgleich mit den vor mehr als Jahresfrist sich abgesonderten Lehrern herbeizuführen. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüsst Herr Rabbiner Dr. Auerbach die Versammlung und hcisst sie auch im Namen der Gemeinde Elberfeld herzlich willkommen. Er giebt unter Beifall der Versammlung kund, dass die Gemeindeverwaltung dem Verein zu dieser Zusammenkunft die Summe von 300 Mk. als Geschenk überwiesen habe. Meyer-Lünen, Schriftführer der vorjährigen Konferenz, konstatiert mit Bedauern, dass die Zeitschriften (welche? Red.) das Protokoll der Versammlung in Hörde willkürlich gekürzt, ja teilweise dem Sinne nach entstellt haben. Darauf wird zur Erledigung der Tagesordnung geschritten. I. Der Vorsitzende berichtet, dass das Vereinsvermögen auf ca. 84000 Mk. angewachsen sei. So erfreulich diese Thatsache ist, so bedauerlich ist es, dass durch die grossen Ansprüche, die an die Kasse gestellt werden (es kommen 147 Quoten zur Verteilung) die Anteile bis auf 38 Mk. herabgesunken sind. Er schliesst seinen Kassenbericht mit einem warmen Appell, noch eifriger für die Unterstützungskasse in den Gemeinden zu wirken. II. Aenderung der Statuten: § 7. Abs. I soll fortan lauten: Jedes Mitglied zahlt ein Eintrittsgeld von 15 Mk. und einen Jahresbeitrag von 6 Mk. § 38 letzter Satz soll lauten: Zur Unterschrift löschungsfähiger Quittungen bedarf es der Zeichnung des Gesamtvorstandes und des Rendanten. ni. Vortrag des Hauptlehrers Andorn-Crefeld: Anwendung der wissenschaftlichen Pädagogik auf den jüd. Religionsunterricht. Der Vortragende schildert in eingehender Weise die mannigfachen Schäden, welche der üblichen Methode des Religionsunterrichts in jüd. Schulen anhaften und kommt zu folgenden VerbesserungsVorschlägen: a. Der selbständige Unterricht in der Glaubens- und Morallehre scheidet aus. — b. Der geschichtliche Religionsunterricht bildet den Mittelpunkt aller religiösen Unterweisungen. — c. Der sprachliche Religionsunterricht wird mit dem geschichtlichen in engste Verbindung gebracht. An diesen Vortrag schliesst sich eine längere, sehr anregende Debatte. IV. Anschluss an den deutsch-israel. Lehrerbund: Liepmannsohn-Minden leitet seinen Bericht mit einem energischen Protest gegen die beleidigende Anschuldigung der Zeitschrift „Lehrerheim1', redigiert von L. Neustadt, ein, welche den Delegierten vorwirft, sie hätten sich bei ihren Abstimmungen durch die finanzielle Abhängigkeit vom D. J. G. B. beeinflussen lassen. Die Versammlung verurteilt einstimmig diese grundlose Unterstellung und erteilt den Delegierten dadurch ein Vertrauensvotum, dass sie nach Anhören des Berichtes einstimmig dem neugegründeten Lehrerbunde beizutreten beschliesst. Am Schlüsse des ersten Verhandlungstages wird als nächstjähriger Conferenzort Lippstadt gewählt. Abends fanden sich die Teilnehmer der Conferenz zu einem gemeinschaftlichen Essen im Hotel Falk zusammen. Ein gutes Mahl, gewürzt mit mannigfachen geistreichen Ansprachen ernsten und heiteren Inhalts, hielt die Kollegen in schönster Stimmung bis gegen Mitternacht vereinigt. II. Tag. Gegen 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf-Essen die Versammlung. V. An Stelle des verstorbenen Kollegen Kramer wird Wetzstein-Elberfeld durch Zuruf als stellvertretendes Vorstandsmitglied gewählt. Nunmehr ergriff Herr Dr. Apfel das Wort, um im Namen d. D. J. G. B. die Versammlung zu begrüssen. Er richtet an die Lehrer der beiden Provinzen die herzliche Bitte, die Differenzpunkte, die in den letzten Jahren sich durch die Gründung eines zweiten Vereins in Rheinland und Westfalen zum Nachteile der Lehrer und insbesondere der Unterstützungskasse gezeigt haben, zu beseitigen. Nur durch Einigkeit und Eintracht kann es den Lehrern möglich werden, ihren Bestrebungen auf geistigen wie materiellen Gebieten zum gedeihlichen Erfolge zu verhelfen. Diese Worte fanden begeisterte Aufnahme, und es wurde beschlossen, aus jedem der beiden Vereine eine Kommission, bestehend aus drei Mitgliedern, von denen 2 Vorstandsmitglieder sein mussten, sowie Herrn Dr. Apfel als Unparteiischen zu wählen, welche eine Verschmelzung beider Vereine herbeiführen sollen. So wurden unsererseits Graf, Goldstein und Liepmannsohn in die Kommission gewählt. VI. Als Delegierte zum D. J. Lehrer-Bunde wurden für die nächsten 3 Jahre Liepmannsohn- Minden und Baum-Rheine gewählt. Anschliessend daran findet folgender Antrag Liepmannsohn einstimmige Annahme: Der Vorstand wird ermächtigt, an sämtliche Lehrer Rheinlands und Westfalens ein Rundschreiben zu richten, des Inhalts, dass der Anschluss an den neugegründeten D. J. L. B. uns die Notwendigkeit auferlegt, die bisherige Beitragsfreiheit in eine Berti agspflicht von jährlich 1 Mk. umzuwandeln, wovon für jedes Mitglied 50 Pfg. Beitrag an den D. J. L. B. abgeführt wird. /

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