Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1896-06-01 · 6 (1.6.1896) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
6 (1.6.1896)
Date
1896-06-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9607695-9607705-9597461--37-9597464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

die ein Erbteil einer strengen Gewissenhaftigkeit ist, um sich jedes Kapitel bis in seine kleinsten Einzelheiten selbst auszuarbeiten. Meine Herren! Aus solchen und den bereits oben dargelegten Erwägungen heraus werden Sie mit mir die Notwendigkeit entnehmen, die Ihnen gezeigte Lücke nach Möglichkeit auszufüllen. Meine Herren Collegen! Ich beabsichtigte nicht, Ihnen eine Frage von lediglich akademischem Werte aufzurollen, sondern einen Gegenstand von hoher praktischer Bedeutung mit Ihnen zu besprechen. Ich wünschte, dass das, was mir an Kraft gebricht, durch den guten Willen ersetzen zu können und mit meinem heutigen Referat nicht nur gezeigt zu haben, wo es fehlt, sondern auch den Anstoss zu einer Hilfsaktion auf dem bemängelten Gebiete gegeben zu haben. Was einzelne nicht schaffen, nicht schaffen wollen, nicht schaffen können, wollen wir mit vereinten Kräften zu erreichen suchen. Ist es doch auch sonst keine so ungewöhnliche Erscheinung, dass sich schwache Einzelkräfte zu einer Gruppe zusammenschliessen, wenn es gilt, höhere Ziele zu verfulgen, die die Grenzen individuellen Leistens und Könnens übersteigen. Jetzt hat der D. I. G. B. einen Boden geschaffen, auf dem sich solch ein den geistigen Interessen des Lehrerstandes dienendes Hilfswerk naturgemäss erheben kann. Die Zusammenfassung der Kräfte in dem Deutsch-Israelitischen Lehrerbunde kann sich in segensreichster Weise äussern, wenn er hier eine Probe der inneren Berechtigung für sein Inslebentreten ablegen würde. Einen Plan aufzusetzen, wie ich mir die Ausführung meiner Anregung bis in die äussersten Verästelungen hinein denke, halte ich für überflüssig. Stimmen Sie meinen Auseinandersetzungen im allgemeinen zu, wird das Bedürfnis, wie es ja nicht anders sein kann, bejaht, dann bin ich mir nicht im geringsten im Zweifel darüber, dass es Ihnen auch gelingen wird, diejenigen Veranstaltungen zu treffen, welche mit Sicherheit zum gedeihlichen Ziele führen. Sind Sie, meine Herren, durchdrungen von der Ueberzeugung, dass thatsächlich eine fühlbare Lücke in unserer Unterrichtslitteratur vorhanden ist, dann kann es Ihnen auch an dem ernsten Willen nicht fehlen, sie so bald als möglich zu beseitigen. Gar zu grossen Hindernissen wird ein solches Werk nicht begegnen und wenn doch, dann seien Sie eingedenk des Wortes: Wo ein ernster, thatkräftiger Wille, da ist auch ein zweckdienlicher, gangbarer Weg. Poesie und Geist der Messias- Apokalypse. Studie zur Kaddischlitteratur. Vou Dr. 1). Leiiadörfer, Prediger zu Hamburg. (Fortsetzung.) Dieser in Persien, und zwar im Gaonenzeitalter (vgl. Jellinek's Vorbemerkung zur Elias-Apokalypse) verfasste legendenhafte Midrasch wird dem ältern Tannaiten Elieser ben Jacob, der die zweite Tempelzerstörung unter Titus erlebt hatte, (Weiss Dor Wedorschaw H, 167) in den Mund gelegt. Dieser und nicht der in der zweiten Hälfte des II. Säculums lebende jüngere Gelehrte gleichen Namens ist es, welchem dieser Ausspruch zugeschrieben wird. Das geht daraus hervor, dass er die Grösse des jenseitigen Lehrhauses misst, wie ein kundiger Baumeister gleichsam mit der Messschnur in der Hand auftritt und die Myriaden Seelen fassende Studienhalle Gottes in ihrer Ausdehnung mit Ziffern belegt, nach Parassangen berechnet und bestimmt, der also genau verfährt wie R. Elieser b. Jacob, der Verfasser des Tractats Middot, der die Grössenverhältnisse des Jerusalemitischen Tempels beschreibt (S. Zunz G. V. S. 70), dessen Präzision im Lehren (Menachoth 49) der Talmud nicht richtiger und schöner zu bezeichne n vermag als mit dem Bilde von einem „reinlichen Masse" — mischnath de R. Elieser b. Jacob „kab wenaki". Ob dieser alte Tanaite, von dem ein Zeitgenosse Akiba's, Ben Asai, erzählt, er habe in Jerusalem eine Rolle mit genealogischen Registern gefunden, in welcher dieses Urteil mit dem Vergleich vom reinlichen Masse geschrieben stand, ob er nach der Tempelzerstörung den tröstlichen Hoffnungen (welche die von Ben Sakkai gegründete neue Lehrhalle zu Jabne nähren mochte) sich dermassen hingab, dass ihn Tag und Nacht nichts anderes beschäftigt, als die Stätte der Erforschung der Gotteslehre, von der ja einzig und allein die Zukunft Israels und seine von den Propheten geweissagte Messiaszeit abhängt? — Wer könnte leugnen, dass diese naheliegende historische Beziehung die Phantasie eines Dichters zur Abfassung eines solchen Poems zu entflammen geeignet war, dass es einem begeisterten Maler der Zeit- und Volksseele wohl Anlass geben konnte, seinen Pinsel in glühende Farben zu tauchen, um das wundersame Bild solch einer Vision darzustellen, in der Gott, wie ein Mischnalehrer, auf dem theologischen Hochschulkatheder sitzt und vorträgt, während einer berühmten historischen Persönlichkeit, zu der in einer ähnlichen Zeitwende Alles vertrauensvoll emporschaute (Zerubabel), die Rolle eines verdolmetschenden Amoräers oder Erläuterers (Meturgeman) zugewiesen wird, um zahlreiche männliche und weibliche Hörer und Lauscher zxi begeistern und mit sich fortzureissen? Warum soll der unbekannte Verfasser der „Elias- Apokalypse" und des ,,Messias-Abschnittes" auf dem klassischen Boden der Mystik, zu einer Zeit, welche die Lehrhäuser gaonäischer Heroen in gar hoher Blüte geschaut — ähnlich wie früher bei der Entstehung der Jamnensischen Schule, deren Gründer zur Wahrheit gemacht, dass die Macht Israels nicht im palästinischen Staate, sondern in der Gotteslehre liege —r 6n ös ela Thora — der, wie Kohelet meint, „die Weisheit nütze mehr als zehn Herrscher in der Stadt" — warum sollte jener poetisch angehauchte, unbekannte Autor nicht auch das Lehr haus, zum messianischen Ideal Israels erheben? Hat doch selbst ein Jesaja nicht umhin können, in seiner Prophetie vom Messias die „Erkenntnis Gottes, das höchste Wissen, dessen die Erde voll sein werde, wie die Fluten des Meeres Gründe decken", hervorzuheben?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.