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Jeschurun · 1896-05-01 · 4 (1.5.1896) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
4 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Interessant wäre eine ziffermässig genaue Angabe über die Lehrlitteratur für den christlichen Religionsxxnterricht, nicht blos und weniger über die bereits vorhandene, sondern über die jähr-jährlich erscheinende. Da jährlich nicht weniger als 12000 pädagogische Werke das Licht der Welt in Deutschland erblicken, so darf man die den "Religionsunterricht behandelnden wohl ohne Uebertreibung auf 1000 veranschlagen. Bei der kurzen Zeit, die mir zu meinem Referat gewährt wurde, habe ich mich in dieser Richtung leider nicht bemühen können, obwohl die statistische Ermittelung von besonderem Interesse für uns gewesen wäre. Jedenfalls würde das Resultat gegenüber dem Nichts auf unserer Seite sich zu einem vernichtenden Verdikt für uns gestaltet haben. Auf christlicher Seite werden in ununterbrochener Folge alle Zweige des Religionsunterrichts nicht blos für den Lern-, sondern auch für den Lehrzweck in liebevollster Weise bearbeitet. Es ist für jeden Geschmack, für jede Lehr weise in reicher Mannigfaltigkeit gesorgt. Zahlreiche Werke bieten nur für die jeweiligen Zwecke des Unterrichts verwertbare Ideen, gedankliche Anregungen, ausführliche Auseinandersetzungen zu jeder einzelnen biblischen Geschichte, zu jedem Gebote, zu jedem Psalm. Alles in kleiner Münze, dem Schulbedarf wohl angepasst. Für die logisch entwickelnde und für die Frageform sind wieder andere da. Man braucht nur zuzugreifen, alles ist aufs beste bestellt. Den Unterhaltungen über die zehn Gebote allein sind dickleibige Bücher gewidmet, die 500 Seiten und mehr umfassen; Nissen über die heiligen zehn Gebote liefert Stoff und Gedanken auf 800 Seiten in überreicher unerschöpflicher Menge. Man könnte beinahe sagen, dass für die einzelnen Zweige des Religionsunterrichts Sonderlitteraturen vorhanden sind, und es ist nicht übertrieben, von einer biblischen Geschichts-, Katechismus-Litteratur u. s. w. zu sprechen. Auch die systematische Religionslehre ist litterarisch gut vertreten. Dieses Schrifttum ist so reich, dass ich den sehen möchte, dem alle Autoren desselben ordentlich geläufig sind. Sollte ich eine Heerschau über unsere für die Hand des Lehrers berechnete Unterrichtslitteratur halten, ich fände nicht Titel genug vor, um sie in einem Atemzuge zu nennen, wenn ich mich nicht gerade einer recht gedehnten Aussprache befleissigen wollte. Aber weit geringfügiger noch als das statische Verhältnis ist Inhalt und Umfang der einzelnen Schriften. Das eine von Feilchenfeld herausgegebene und, wie die Titelseite besagt, für Lehrer und Schüler gedachte Buch will uns auf 80 Seiten etwa Material für alle Zweige der Religion und die ganze lange Schuldauer liefern. Eigentlich hat das Buch sich schon freiwillig der Zugehörigkeit zu der Litteraturgattung, von der ich hier spreche, dadurch begeben, dass es- Objekte für seine Belehrung ins Auge fasst, die wirklich von zu ungleicher Urteils- und Fassungskraft sind. Ein Buch für den Schüler kann auch nicht zugleich eins für den Lehrer sein. Ein feiner Sinn für Takt und angemessene Behandlungsweise würde sich das selber gesagt haben. Die Sphäre des Schülers ist zu verschieden von der des Lehrers. Eine Lektüre kann man eher für beide gemeinsam denken, nie und nimmer aber Anweisungen zum besseren Verständnis, aus denen der Lehrer seine Vorbereitung holen soll und die den Schülern die Quelle verrät, aus der er seine Weisheit schöpft. Schon aus diesem Grunde müssten wir das Feilchenfeldsche Buch ablehnen. Aber ausserdem ist doch das, was er darin giebt, für uns gar zu dürftig. Wir brauchen ein gross angelegtes Werk, dessen äusserer Umfang schon einen reichen Inhalt anzeigt. Zu nennen wäre wohl noch Badt. der Herausgeber der Levy'schen Bibl. Geschichte, der uns gleichfalls auf — glaube ich — 72 Seiten die ganze heilige Schrift erklärt. Natürlich kann da von einer plastischen Herausarbeitung der biblischen Charactere keine Rede sein, dazu gehörte eine zehnmal so grosse Ausdehnung. Das ist aber auch alles. Erlassen Sie mir, meine Herren, noch weitere Bemerkungen über ein oder das andere Schriftchen, das vielleicht doch noch aufzutreiben wäre, aber schliesslich doch nicht für unsere Zwecke ausreicht. Was ich Ihnen nennen konnte, ist vielmehr nicht als nichts. Ueber die Ursachen nun dieses gänzlichen Mangels mich auszulassen, verbietet mir der enge Rahmen eines Referats, den ich sonst ungebührlich weit überschreiten müsste. (Fortsetzung folgt.) Aus den Lehrervereinen. Erste Versammlung israelitischer Religions- Lehrer Anhalts. Die von Herrn Landesrabbiner Dr. Freudenthal für den 6. April er. nach Dessau einberufene Versammlung israelitischer Religionslehrer Anhalts*) verlief für alle Teilnehmer in überaus anregender Weise; denn durch Vorträge und Austausch pädagogischer Erfahrungen empfingen die Besucher eine Fülle von Anregungen, die den Religionsschulen Anhalts nur vorteilhaft sein können. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt Kantor Hörwitz-Dessau eine Lehrprobe über „die Teilung des Reiches'' mit Kindern der Mittelstufe. Nachdem er die vorangegangenen geschichtlichen Ereignisse wiederholt und die Thatsachen der Teilung erzählt, entwickelte er die verhängnisvollen Folgen der Teilung für Rechabeam und stellte die ethischen Lehren fest. Nach Beendigung der beifällig aufgenommenen *) Anwesend waren: Landesrabbiner Dr. Freudenthal. Dessau', Rabbiner Dr. Seligkowitz- (Döthen, Rabbiner Dr! Flaschner-Bernburg, M. Fuchs - Zerbst, S. Böhm - Bembnrg" S. Äbelsohn-Bernburg,N. Goldberg-Cöthen,B. Warenberg-Güsten' L. Cohen-Sandersleben, R. Rose-Gröbzig, D. Bogacki-Jessnitz' M. Kowalski-Ballenstedt, S. Beermann-Harzgerode, B. Blitz- Dessau und" L. Horwitz-Dessau.

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