Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 3 (3.1896)
- Date
- 1896-03-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Uhwahrnehmbare Ketten, die sich um so stärker anziehen, je verschiedenartiger sie ihrem inneren Wesen nach sind, setzen oft G-edankenströme in Verbindung, die trotz der geringen Gemeinsamkeit, die sie aufweisen, fast aneinandergeschlossen bleiben. Darauf beruht ja eben jenes grosse Gesetz im Universum, welches die einander widerspenstigsten Kräfte zu unauflöslichem Verein ineinanderspringen lässt: das Gesetz der Wahlverwandtschaft. Nicht nur im Reiche der Chemie, sondern auch in dem der Ideen lässt Kupplerin Natur solch unnatürliche Verbindungen eingehen. So konnte das in Spanien in seinem Flammentode noch hell und majestätisch erstrahlende Judentum in Amsterdam eine Zeit lang zur entstellten Carrikatur werden, die es nach den blutigen Lorbeeren der blutigen Inquisition gelüstete. (Fortsetzung folgt.) Kasualreden. Thoraeinweihungsrede, gehalten in Rosenthal (Reg.-Bez. Cassel) von Rabb. Dr. Rosenberg, Thorn. A. Ansprache bei Einführung der Thora in das Gotteshaus.*) So sei uns denn gegrüsst in diesen gottgeweihten Räumen, heilige Thora,himmelentstammteLehre, unseren Vätern übergeben auf des Horebs Höhen, unseren Ahnen übermittelt als ein ewiges Kleinod. Wie Israel an dem Fusse des Berges Sinai unter heiliger Freude, selischen Wonneschauern Dich einst übernahm, wie es zitternd, zagend und doch, von erhabener Begeisterung durchdrungen, aufhorchte auf Deine Mahnung, sich freudig und willig um Dich scharte, so begrüssen auch wir Dich heute noch voll Freude und voll inniger Verehrung. Ziehe ein in diese heiligen Räume, wo Du künftig weilen sollst. Weile hier zum Segen der Gemeinde, zum Heile der Familien und zum Besten jedes Einzelnen. Möge von Dir erhabene Begeisterung ausgehen in die Herzen, Heiligung in die Gemüter, damit die Weihe dieses Gotteshauses hinausdringe in die Familienhäuser und auch dort das Leben weihe, sodass in ihrem Innern stets Glück und Friede walten, sodass von aussen nicht Verderben nahe, und ein inniges Bruderband in Liebe eng umschliesse nicht nur die Glieder unserer Gemeinde, nein, auch all die Söhne und Kinder dieser Stadt zum Heil des Ganzen, zum Wohle der Gesamtheit. So sei es ihm wohlgefällig, dem Herrn da droben in der Höhe. Du aber, heilige Thora: Gesegnet seist Du bei Deinem Eintritt. Amen. Festrede. Gebet: תקרב רנתי לפניך ל לדברך הבבני Unsere Gebete mögen kommen hin zu Dir, nach Deinem Worte mache uns verständig! Ja, dies ist unsere Bitte, dies ist unser Wunsch, Du Weltenkönig, da *) Die Thora wurde in einem Festzuge nach der Synagoge gebracht. wir mit Deiner heiligen Lehre, da wir mit Deiner Thora demütig und andachtsvoll vor Dir erscheinen, um sie Deinem Dienste, Deiner Verehrung, Deiner Anbetung zu weihen. 0, mache uns nach Deinem Worte verständig. Lass an dem Feuer Deines Gotteswortes sich entzünden die Flamme auf dem Altar unseres Herzens, lass an der silberklaren Quelle Deiner Lehre sich erlaben unsere Seele, lass sich entfachen an der Hoheit Deiner Thora die Begeisterung für unseren Glauben, dass wir Dir zustreben, Dir anhangen, uns Dir weihen. Nicht nur hier im Gotteshause, wenn unsere Seele im Gebete sich zu Dir emporschwingt und sich unser Geist im Anschauen Deiner Majestät vertieft, nein, auch draussen auf dem wechselvollen Markt des Lebens, in dem Gewoge des Tages, in dem Gewühl der Sorgen und Geschäfte möge Deine Gegenwart uns anwehen, damit der Hauch des Göttlichen sich über unser ganzes Leben ausgiesse und der Glanz des Himmels unser Dasein stets verkläre. 0, gieb uns Kraft zu dieser Erkenntnis, diesem Entschluss und dieser Bethätigung. Dann wird diese Feier wahrhaft segensreich und heilvull für uns werden, und auch uns bleibe Deine Thora stets ein Lebensbaum, ein Born des Heils, ein nie versiegender Quell der Seligkeit. Amen. Andächtige Festversammlung! Wohl ist es Sabbat heute — der Tag des Herrn, der Tag der Ruhe und der Gottesweihe, der Veredlung unserer Herzen und unserer Gesinnung. Wohl treibt es uns wie stets an diesem Weihetage hin zur heiligen Stätte, um unsere Gedanken emporzuheben zu ihm, der diesen Tag von Anfang an geweiht und mit einer Ehrenkrone ihn geschmückt• Aber nicht dies ist es allein, was jetzt in diesem Hause eine so grosse Anzahl Andächtiger vereint, wie seine Mauern wohl seit Jahrzehnten nicht umschlossen hielten, nicht darum allein haben diese Räume festlich sich geschmückt, sind sie hierhergeeilt die festesfrohen Scharen aus der Nähe und aus der Ferne in diese gottgeweihte Halle. Zur Sabbatfeier gesellt sich noch eine andere Feier, zur Sabbatfreude kommt die Festfreude hinzu, und so war dieser Tag emporgehoben aus der Reihe der Sabbate des Jahres und ihm solch hehrer Schmuck und Glanz verliehen, dass seine Strahlen schon seit Wochen hinausleuchten in die Vergangenheit und wohl noch auf Monde die Zukunft erhellen und verklären. Gilt doch der Thora unsere Freude, unsere Fest- Stimmung, ihr, dem Kleinod unserer Väter, dem Sieges- und dem Heldenzeichen Israels. M, A. Wenn einst im alten Israel ein König den Thron bestiegen und seine Herrschaft sich befestigt hatte, dann sollte er die heilige Gotteslehre, wie sie Mose am Berge Sinai übermitttelt worden war, sich in ein Buch einschreiben lassen. Und sie sollte bei ihm bleiben, er in ihr lesen alle Tage seines Lebens, ״damit er lerne ehrfürchten den Ewigen seinen Gott, zu bewahren die Worte dieser Thora und diese Satzungen, sie zu befolgen.“ Fürsten und Königen nur galt also ehemals diese Vorschrift. Aber der fromme Sinn und die gottge-