Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 3 (3.1896)
- Date
- 1896-03-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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an der hasmonäischen Dynastie gerächt, indem sie das Makabäerbuch, das ursprünglich hebräisch geschrieben war und von den Verdiensten dieser Dynastie um die jüdische Nation berichtet, aus dein biblischen Kanon ausgeschlossen haben. Die Mischnah erwähnt das Chanükafest kaum und im ganzen ist die hasmonäische Periode dem offiziellen Judentum fast fremd geblieben. Will man aber durchaus eine Parallele für die damaligen Parteikämpfe in Jerusalem suchen, so wird man sie am besten in den puritanischen Kämpfen Englands finden. Auch da kämpfte eine religiöse Partei voll puritanischen Eifers gegen einen frivolen Hof, gegen einen König, der die religiöse Ueberzeugung seines Volkes, aber auch dessen politische Rechte missachtete. Will man sich auf einen höheren Standpunkt stellen, so wird man die puritanische Bewegung engherzig und fanatisch finden, denn schliesslich wollten ja die Stuarts nur die Religionsfreiheit für die Katholiken, wofür der eine sein Leben, der andere den Thron einbüsste. Und doch war ein richtiger Instinkt in den Anhängern Cromwells, die allen Sektierern, selbst den Juden, Religionsfreiheit einräumen wollten, aber nur nicht den Katholiken, in der damals richtigen Voraussetzung, dass der Katholizismus sich nicht mit der Stellung einer blos geduldeten Religion begnügen, sondern gleich zu Uebergriffen übergehen wird. Renan hat unrecht, wenn er es den nationalen Juden verargt, dass diese gegen die griechische Welt, wie sie sich damals in Kleinasien repräsentierte, gegen die Graeculi, wie sich Augustus verächtlich auszudrücken pflegte, nur Widerwillen und Abscheu empfanden und deshalb der Dynastie wie der Aristokratie ihr Liebäugeln mit dem fremden, Antinationalen nicht verzeihen konnten. Man darf nicht das ganze Volk, das mit Recht unwillig das Treiben des hasmonäischen Hofes betrachtete, für die intriganten, antipathischen Parteiführer verantwortlich machen. Eine kurze Zeit standen die Hasmonäer an der Spitze der nationalen Bewegung, brachten aber dann unsägliches Elend über das Volk. Dass Renan die Unmöglichkeit hervorhebt, das jüdische Gesetz als Staatsverfassung zu handhaben, ist wohl ganz richtig. Thatsächlich ist es nur ein Missverständnis, wenn man annimmt, das pentateuchische Gesetz wäre je vollständig in Kraft gewesen. Ein grosser Teil davon enthielt nur edle Ideale einzelner Menschenfreunde und konnte ebensowenig realisiert werden wie etwa Piatons Idealstaat. Nur darf man hier ebenfalls nicht alle Schuld auf die Pharisäer schieben, die vielfach das mosaische Gesetz modifiziert haben, wogegen die Sadduzäer Stellung nahmen. So war es ein Verdienst der Pharisäer, dass sie das Princip „Auge um Auge" beseitigten, auch schafften sie das strenge Blutgericht (dajene geseroth) in Jerusalem ab, was beim Volke eine solche Freude erregte, dass der Tag, wo dies gelang, als nationaler Feiertag galt. Oft waren die Pharisäer die Kämpfer für Fortschritt und Volksfreiheit gegen starren Oonservatismus und aristokratische Herrschsucht. Eine Lücke in der jüdischen Unterrichts- Litteratur. Von Beruh. Traiibenberg (Fortsetzung ) In solchen Nöten befinden sich jedenfalls alle diejenigen, die keine ausgesprochenen Talente sind und die Höhe der Meisterschaft nur im Aufblick zu bewährten Vorbildern erreichen können. Ich bitte diejenigen, die sich zu den ersteren zählen, sich auszunehmen, wenn sie in meiner Behauptung irgend eine Herabsetzung erblicken sollten. Ich mache mich hier nur zum Organ der — ich darf wohl sagen — minder begabten Majorität. Denn der Auserwählten sind in jedem Stande nur wenige. Die Mehrheit ist schätzbares Mittelgut, das sich die Pfade zu den lesten Berufszielen nicht selber . brechen kann. Auf den Profangebieten treten wir mit mehr Sicherheit und SÄbstbewusstsein auf. und wenn uns unsere eigenen Kräfte verlassen, stützen wir uns auf bewährte und erfahrene Grössen, auf klangvolle Namen. Legion ist die Zahl der trefflichen Wegweiser, welche uns die Richtung in die verlorensten und weltabgelegensten Winkel zeigen. Ji'ehlt es uns an der nötigen Einsicht und Fertigkeit im Turn-, Zeichnen-, Gesang- und Handfertigkeitsunterricht bis hinauf zum Aufsatz- und grammatischen Unterricht, wir fühlen überall, wie eine kundige Führerhand in die unsere sich legt und uns auf das weite Meer der Lehrbethätigung, das voll Klippen und Untiefen ist, sacht und sorgsam hinausgeleitet. Von den allgemeinen Gesetzen des Erwachens und Wachsens der kindlichen Psyche bis zur speciellen Methodik jedes Unterrichtsfaches und noch weiter — bis zur plastischen Herausarbeitung der Lehrproben finden wir unerschöpfliche Hilfsquellen für all unser Begehren und befriedigende Erfüllung aller nur denkbaren Wünsche. Nun treten Sie vor Ihre Religionsschüler, und statt der wohligen Sicherheit, in der Sie sich wiegten, umfängt Sie auf einmal tappende Finsternis. Der Boden unter Ihren Füssen fängt zu wanken an. In Ihrer ängstlichen Ausschau kann auf die zweifelnde Frage: woher soll mir Hilfe kommen? nicht sehr tröstlich geantwortet werden: Greife in Deiner Not zu Kahle, das Reich Gottes, Unterredungen von Nissen. Katechismuspredigten von Harms, Katechisationen von dem und jenem. Wozu soll ich Ihnen denn ein bibliographisches Verzeichnis für den christlichen Religionsunterricht zusammenstellen? Das finden Sie, wenn es Sie interessieren sollte, in jedem grösseren Lehrbuche, Gewiss, es sind zumeist gute Sachen, in ihrer Art vortrefflich, für ihre Zwecke hervorragend geeignet, die alle nur den einen kleinen Fehler haben, dass sie für jüdische Lehrer nicht berechnet und eben darum für sie unbrauchbar sind. Sie verfolgen alle — man muss das anerkennend sagen — konsequent und unverwandten Blickes das ihnen gesteckte Ziel. Und das ist es, was ihnen zum Vorzug gereicht. Aber eben dieser Vorzug schliesst sie für unseren Gebrauch aus.