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Jeschurun · 1896-02-01 · 2 (2.1896) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
2 (2.1896)
Date
1896-02-01
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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Vergnügen die Arbeit vergessen und euch dadurch Strafe zugezogen. Oftmals hören wir von Leuten, die durch Verschwendung verarmt sind u. s. f. — Man soll sich wohl Vergnügungen machen und braucht sich auch nicht jeden erlaubten Genuss zu versagen. Gott will seine Kinder fröhlich sehen, aber was geht dem Genuss voran? (Pflicht). An welche Pflicht hätte Rehabeam denken müssen? Wie dachte Friedrich d. Grosse hierüber? (Des Volkes Wohlfahrt musst du jederzeit deinem Vergnügen vorziehen; [Fürstenspiegel 1774]). Beispiele: Adam und Eva; die franz. Könige vor der Revolution; Lesebuch. Sprüche: Sprüche der Väter 111., 14. Wenn du deine Seele nach dem Belieben deiner Begierden gehen lässest, so wirst du deinen Feinden zum Spott werden. (Sirach 18, 30). 111. Abschnitt des Schma. lehi rozon, schetargilenu . . . Wiedergabe wie oben. 4. Wer will mir nun die Geschichte Rehabeams er* zählen? (Kann auch schon einmal nach 2 geschehen). 5. Fragen und Themen zur schriftlichen Bearbeitung. 1. Wie bestätigt sich an Rehabeam der Spruch: ״Milde Antwort wendet ab den Grimm, aber ein kränkendes Wort entflammt den Zorn? (Spr. Sal. 15, 1). 2. Charakterschilderung Rehabeams. 3. Vergleich Rehabeams mit Friedrich Wilhelm I. Etwaige Gesichtspunkte: a) Ort. b) Zeit, c) Beide Könige über ein noch junges Reich, d) Die Väter beider verschwenderisch, vergnügungssichtig, e) Beide jung zur Regierung. f) Fr. Wilh. ganz das Gegenteil seines Vaters — Rehabeam hat sich gerade die tadelnswerten Eigenschäften des seinigen angeeignet, g) Fr. W. arbeitsam. wirtschaftlich — R. das Gegenteil. ׳ h) F. W. besonnen, — R. leichtsinnig, i) Fr. W. erwirbt sich die Achtung seines Volkes und stärkt sein Reich — R. zieht sich den Hass des Volkes zu und schwächt sein Reich, u. s. f. M. Abraham-Kettwig. Der Unterricht im Hebräischen, ob 11 ml weshalb derselbe erforderlich ist. Auf einer Lehrer-Konferenz in Hannover, in welcher über die Einrichtung und Gestaltung des Religions - Unterrichts referiert wurde, meinte der Referent: Das Hebräische sei deswegen zu lehren, weil die Sprache unseres Gottesdienstes die hebräische sei. ln der Debatte dagegen machte ein Redner geltend, dass wir das Hebräische wegen der Thora nicht entbehren könnten. Man wird zugeben, dass letzterer Einwand wohl einen Widerspruch, nicht aber eine Widerlegung des Referenten enthält, da dieser implicite in seinen Ausführungen davon ausging, dass wir wegen der Thora des Hebräischen nicht bedurften. Ferner: Sobald das gestattet ist, die hebräische Kultussprache mit der Landessprache zu vertauschen, so würde überhaupt kein Bedürfnis für das Erlernen des Hebräischen vorliegen. Zuzugeben ist von jedermann, dass das Erlernen der hebr. Sprache geistbildend, dass sie für den jüdischen Gelehrten unentbehrlich ist. Ist das auch der Fall inbezug auf den Laien? Man mag diesen ob seines sprachlichen Mangels einen Am Hoorez oennen, die Frage ist doch immer die: Kann er nicht auch ohne Kenntnis des Hebräischen seiner religiösen Pflicht genügen? Wir wollen eine Weile das Für und Wider erwägen; vielleicht gelangen wir zu einem Resultate. Bekanntlich geht die preussische Regierung darauf aus, die Polen zu germanisieren. In Ober- Schlesien und Westpreussen müssen die Kinder polnischer Nationalität ebenso, ja noch intensiver Deutsch lernen als anderswo die Kinder germanischer Abkunft. Die Unterrichtssprache ist nur deutsch. Mit dem Religionsunterricht wird, wiewohl ungern, eine Ausnahme gemacht: hin und wieder wird polnischer Religionsunterricht, d. h. solcher in polnischer Sprache, gestattet. Mir selbst sagte einst ein Schulrat: Lehren Sie, was und wie Sie wollen, nur lehren Sie deutsch. Diese, fast möchte ich sagen: staatsmännische Ansicht wird nun von den meisten Lehrern geteilt, freilich in anderer Richtung. Die Lehrer denken so: Man möge uns aufgeben, was und wie wir lehren sollen; nur möge man uns nicht fortdauernd chikanieren. Denn der eine will hebräisch, der andere deutsch; das mag eine interessante Streitfrage sein, aber wir möchten darunter nicht leiden. Gewiss hat dieser Standpunkt viel Berechtigtes, und wird seine Berechtigung selbst von Rabbinern zugestanden. Das Religionsbuch des Herxheimer trägt zum Motto: הא לכם זרע Hier habt Ihr (Lehrer) Aussaat. Wollen wir Lehrer nun lediglich das egoistische Standes-Interesse wahren, so ist es sehr unklug, an eingeführten Lehrbüchern, überhaupt an der usuellen Unterrichtweise zu rütteln. Anders stellt sich die Sache, wenn wir uns im Geiste an die Stelle der Eltern versetzen und uns fragen: Würde uns für unsere Kinder, namentlich für die Knaben, ein deutscher Religionsunterricht im Stile Herxheimers genügen? Und dann kommt der Satz zur Geltung: ״Was Du nicht willst, dass man Dir thu, das füg auch keinem anderen zu.“ Die Wahrheit und das Standes-Interesse sind zwei verschiedene Dinge. Diese beiden streiten sich oft in ein und derselben Person. Kant z. B. war Philosoph und Lehrer der Philosophie. Als Philosoph war er ehrlich genug, einzugestehen: Philosophie kann weder gelehrt noch gelernt werden. Als Lehrer lehrte er nichtsdestoweniger Philosophie und gab sogar Anweisung, wie sie zu lehren sei. D. h. da er das Unmögliche doch nicht leisten konnte, so musste er es notgedrungen so machen, wie die Engel bei Lot, die nach Midraschischer Erklärung nicht etwa assen, sondern thaten, als ob sie assen. Vielleicht bringt uns obige Betrachtung auf die richtige Fährte. Vielleicht gilt ebenso der Satz: Religion kann nicht gelehrt werden. Denn Religion ist

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