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Jeschurun · 1896-02-01 · 2 (2.1896) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
2 (2.1896)
Date
1896-02-01
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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im menschlichen Ergehen deutet auf den Beruf Israels und auf sein Geschick hin, das ihm die Erfüllung seines Berufes ermöglicht und nahe legt. Israels Beruf ist die Bekämpfung der heidnischen Auffassung von Welt und Menschheit, ist die Verkündigung der Einheit in Natur und Geschichte, der Einheit im Zeitenwechsel, der Einheit in der Menschheit Gliederung! Fort mit dem "Wahn, der selbständige Mächte des Guten und Bösen in der Natur ein blödes Sj)iel treiben lässt, der den Weltjammer mit der Weltlust nicht vereinigen kann, der den Zwiespalt in der Natur und die vollständige Gegensätzlichkeit in der Geschichte verkündet, der den Menschen zum Spielball blinder Kräfte erniedrigt! Adonaj hu ha Elohim, der Weltenrichter ist die Weltenliebe! Vom einig-einzigen Gott kommt die Mazza, von ihm das Maror, von ihm die Freiheit, von ihm die Knechtschaft, von ihm die Weltwonne, von ihm der Weltschmerz! Legt sie zusammen, die Mazza und das Maror, sie gehören zu einander, sie ergänzen, sie bedürfen einander! Die Geschichte unseres Stammes, deren Anfang wir heute festlich begehen, lehrt es. indem sie zeigt, dass ein und dasselbe Volk der Träger grosser Wahrheiten und schwerer Weltleiden, der Opferaltar und das Opfer sei! Schon an der Wiege Israels, am roten Meere, wo Gott den Bedrängten seine Hilfe gespendet, und ihren Feinden seine strafende Hand gezeigt, offenbarte sich, die grosse Wahrheit einer einheitlichen Weltvorsehung. Das Volk fürchtete „die Weltengnade", den Gott der Liebe, heisst es am roten Meere. Der Gottesname wird in einer Form erwähnt, die nach der Tradition auf die Allgüte Gottes hinweist, um anzudeuten, dass der Auszug au>- Egypten und seine Folgeerscheinungen in Israel den Glauben an die Einheit Gottes befestigt o hat, so dass es seine Furcht zu einer Ehrfurcht vor dem Urquell aller Gnade erheben konnte. Unsere Alten haben mit feinem Spott auf den Widersinn heidnischer Anschauungen hingewiesen. „Haben sich am roten Meere, wo Israel gerettet und Mizrajim vernichtet wurde, die guten Götter mit den bösen versöhnt, um in Gemeinschaft eine Handlung zu vollbringen, die dem einen Volke Segen und dem andern Fluch gebracht?" fragten sie. An den Auszug aus Egypten knüpft daher der Glaube an die Einheit Gottes an. „Ich bin deine Gnade und dein Bichter und Rächer, der dich herausgeführt aus Mizrajim!" lautet das göttliche Wort am Sinai. Die Vermengung von Mazza und Maror an unsern Festabenden symbolisiert nun die in der Geschichte sich kundgebende Einheit von Licht und Schatten, Sieg und Untergang. Dieser Einheit muss sich jeder bewusst werden; im Lichte dieser Einheit der Auffassung soll der Jude sein Leben betrachten. So mancher wundert sich wohl über diese Mahnung. -i . . . da doch Israel und mit ihm ein grosser Teil der Menschheit die Heilslehre der Welt und Geschichtseinheit, die in der Einheit Gottes wurzelt, längst er- __ / -O kennt und anerkennt. Fürwahr, seit Jahrtausenden wird diese Botschaft der Menschheit gekündet und doch vermögen selbst in Israel nur wenige Mazza und Maror in Einklang zu bringen. Wie oft vergisst der Besitzer der Mazza, der über „Herrenbrot" verfügt, dass es auch ein Brot der Armut, Bitterkraut des Lebens giebt, vergisst, dass er selbst Sklave im Mizrajim des Erwerbes gewesen, und wenn ihn dann plötzlich des Lebens Bitternis erfasst, dann sinkt er gebrochen zusammen, ohne nur an die Trostlehre der Pessachabende zu denken! Wie oft andererseits fehlt dem Unglücklichen, den die Welt mit ihrem Bitterkraut speist, jeder Hoffnungsstrahl freien Menschentums, und wenn er dann im Wandel der Zeit die Höhen des Glückes ersteigt, so fehlt ihm die Erkenntnis, dass geheime Fäden seine Lebensgeschichte durchziehen und dass er der Vorsehung Dank schulde. 0, wie wird die Einheit der Geschichte, die Einheit ihrer Träger, die Einheit der Menschen in unseren Tagen oft verkannt! Kämpfend stehen sie sich gegenüber, die Besitzer des Mazzasymboles, die mit Glücksgütern Gesegneten und die unter dem Zeichen des Bitterkrautes Leidenden! Israels Beruf ist es aber, Versöhnung zu predigen allen Gliedern der Menschheit, den Engel des Friedens unter den Völkern darzustellen, das Hillel'sche Symbol im praktischen Leben zu verwirklichen und Einheit zu bringen in die Reihen der Menschheit! Diesen Beruf konnte jedoch» erfolgreich nur Israel erfüllen, nur ein Volk, das alle Wechselfälle geschichtlichen Lebens an sich erfahren, das so oft Ketten getragen und sich doch einen ungesäuerten Freiheitssinn bewahrt, ein Volk, das auf seiner Wanderung die Weisheit aller Völker und aller Menschengruppen kennen und ihre Beziehungen zu einander schätzen gelernt hat. Andererseits konnte Israel nur deshalb allen Gefahren trotzen und sich immer wieder verjüngen, weil in ihm der Glaube an die Einheit des Lebens so lebendig gewesen, weil es in der Not an die Freiheit und in der Freiheit an die Knechtschaft gedacht. Wurde es geächtet und geknechtet, so trug es mit Stolz das Sklavenjoch, denn es fühlte sich geistig frei, moralisch erhaben über seine Unterdrücker und erhoffte vertrauensvoll den Auszug aus dem jeweiligen Mizrajim! Wurde es in manchen Ländern und in manchen Zeiten nach Gebühr gewürdigt, so gedachte es des Bitterkrautes, so erinnerte es sich, dass seine Väter Knechte gewesen in Mizrajim! Das Korech- Symbol gab Israel die Richtung, zeigt uns den Weg zur Erkenntnis der wundererregenden Fortexistenz Israels in der Menschheit, deutet uns die Bahn an, die wir zu betreten haben. 0, dass wir sie betreten, dass wir die Zukunft im Geiste der Vergangenheit gestalten, dass wir das Bitterkraut unserer Zeit in den Dienst des Judentums stellen, dass wir uns enthalten des Sauerteiges heidnischer Wahnideen der Zeit! Die Teilung des Reiches» (Probelektion.) I. Nach vorangegangenen Anknüpfangsfragen Vorerzählen der Geschichte. „Als König Salomo gestorbeu war, bestieg sein Sohn Kehabeam den Thron. Er begab sich nach Schechem, wo sich ganz Israel versammelt hatte, um ihm zu huldigen. Das Volk erhoffte von ihm eine Erleichterung der Steuerlast und der schweren Frohn-

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