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Jeschurun · 1896-02-01 · 2 (2.1896) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
2 (2.1896)
Date
1896-02-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 . II als Beweis dafür, ipi) eine blos falsche rtrasTammatons (vierselieiden. Dieser Umstand dient dass das griechische itt ->. (~ Uebersetzung des hebräischen '±'€ buchstab'igen Grottesnamens) war. Unter den meisten alten Buchstaben findet man durchaus keine in der Breite verlängerten Formen, welche aber in den modernen Manuscripten sehr gewöhnlich sind. Der Grund hierfür liegt darin, dass die modernen Schriften fast ohne Unterschied sich an eine bestimmte, festgesetzte Schreibregel halten, nach welcher gewisse Wörter am Anfange der Columne stehen müssen. Deshalb ziehen sie die Endbuchstaben in die Länge, um hierdurch die Zeile auszufüllen. Sie gestatten nicht, einen Teil des "Wortes in die eine und den andern Teil in die folgende Zeile zu setzen. In den älteren Codices benutzte man Punkte, um die Zeile auszufüllen und in einigen Fällen schrieb man 2 oder 3 Buchstaben des Wortes an das Ende der Zeile und wiederholte dann das ganze Wort in der folgenden Zeile. Hierdurch entstanden nun viele hinzugefügte und überflüssige Buchstaben im Texte, welche verursachten, dass man manche Wörter doppelt las, besonders wenn sie aus nur wenigen Buchstaben bestanden; deshalb verlängerte man in späteren Texten nur die Endbuchstaben der Zeilen, und dient diese Schreibweise als ein wichtiges Kriterium bei Beurteilung des Alters einer Handschrift. In dem in Rede stehenden Codex ist der Text von einer ganz kurzen Massorah begleitet. Es ist dieses die Randmassorah, welche die Columnen entlang neben diesen und die kleine Massorah. welche sich zwischen denselben befindet. Jede Seite hat eine Randeinfassung von 5 colorierten Linien. Ausserdem ist jede Seite mit goldenen Rosetten, von welchen viele einen hohen Kunstwert haben, überreichlich geziert. In Bezug auf das Alter ist der Charakter dieses Manuscripts sehr täuschend. Die Blustrationen sind entweder älter als der Text, oder gleichzeitig mit demselben entstanden, keinesfalls aber jünger als dieser. Die Schriftmuster sind nicht die der Palästinenser. Wenden wir uns aber nach Persien, so finden wir, dass dessen älteste Handschriften, von welchen keine über das 12. Jahrhundert hinausreicht, denselben Charakter haben. Deshalb muss dieser Codex in Persien und nicht vor dem 9. oder 10. Jahrhundert geschrieben sein. Nach der außergewöhnlichen Schönheit und Pracht des Manuscripts zu urteden. scheint der Codex für einen vornehmen und reichen Mäeen geschrieben zu sein, deren man in Palästina nur sehr selten fand; dagegen hatte Persien eine grosse Anzahl vornehmer und reicher Juden aufzuweisen. Unser Manuscript war daher höchstwahrscheinlich für einen Fürsten des Exils geschrieben und kann es auch sein, dass ein ähnliches noch ausser diesem vorhanden ist. Das Manuscript stammt aus Mittelasien. Ein anderes merkwürdiges Manuscript war ein Codex mit Fragmenten aus den Hagiographen, 24 Blatt stark und mit derselben Schrift wie die des vorerwähnten Codex, nur auf feinerem Pergament geschrieben. Die Blustrationen sind ebenfalls höchst prachtvoll. Es enthält einen Teil der Psalmen nach der Tradition Ben As schrift jeden Psalms Halbzeilen ist es mit tiers in Halbzeilen mit der Ueberan der Spitze. Zwischen den prachtvollen blauen, roten und goldenen Blättern und Blumen illustriert. Der Text ist von massoretischen Noten begleitet und enthält der Codex ausserdem ein Blatt aus den Sprüchen Salomons, ein Bl. aus dem Anfange des BuchesRuth. sowie ein Bruchstück aus Kolieleth und dem Buche Esther. Eine Lücke in der jüdischen Unterrichts* Litteratur. Von Beruh. Trauhenberg. (Fortsetzung.) ■ Von der G-elehrtenlitteratur der Einleitungen, die unserer Pflege wahrlich nicht bedarf, wende ich mich zur Lehrlitteratur pädagogischer Zubereitung. Ein ganz anderes Gesichtsfeld bietet sich uns dar, ein völlig jtmgfräulicher Boden. Kein Pflug eines jüdischen Pädagogen hat dies Erdreich je zu lockern gesucht. Alles wie vor der Schöpfung. Noch ist das „Werde" nicht gesprochen, welches das Licht religiöser Erkenntnis in einer pädagogischen Forderungen gerecht werdenden Strahlenbrechung hervorgerufen hätte. Fast ist es unglaublich, aber dieses Unglaubliche ist dennoch leider unbestreitbar: Fremdlinge sind wir da. wo wir das Erstgeburtsrecht zweifellos besitzen, wir sind in gewisser Beziehung hier unter das Joch uns diametral entgegengesetzter Anschauungen gebannt. Mamlecheth Kohanim. das Lehrvolk der Menschheit auf dem Gebiete religiöser Wahrheit, hat kein seiner Eigenart entsprechendes Lehrbuch für seine eigenen Lehrer! , Gestehen wir es offen und ohne Scheu: Unsere Schüler in religiöser Erkenntnis müssen uns die Norm geben, wie wir die unseren unterweisen sollen. Wir können, wenn wir uns "schwach und hilfsbedürftig fühlen, im jüdischen Religionsunterricht der Krücken und Stützen der christlichen Lehrlitteratur nicht ganz entraten. Ein kleines Erlebnis machte mich einst vor Beschämung fast erröten, und versetzt mich noch jetzt, wenn ich daran denke, in eine unbehagliche Stimmung. Im Seminar war uns die Anschaffung des Kahle'sehen Werkes: „Grunzüge der evangelischen Volksschulerziehung" befohlen. und ich trug das brochierte Buch zu einem christlichen Buchbinder. „Was", sagte dieser, das Titelblatt musternd, „was haben Sie mit der evangelischen Volksschiderziehung zu schaffen! Sie müssen doch ein Buch für jüdische Volksschulerziehung haben," Nun, in diesem Punkte denke ich nicht ganz so wie mein ehrenwerter Buchbinder, der allerdings die letzte Consequenz der Kahle'sehen Titelgebung zog. Denn Kahle hätte unbeschadet seines Inhalts das vorerwähnte Epitheton evangelisch sich ruhig sparen und sich mit dem zwar allgemeinen, in diesem Falle aber zutreffenden Namen: „Grundzüge der Volksschulen ziehung" begnügen können. Eine innere Nötigung zum confessionellen Hervortreten im Titel war gar nicht gerechtfertigt, es wäre denn der Umstand, dass

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