Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 2 (2.1896)
- Date
- 1896-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(Beilage zur Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift.) Xr. 3. Berlin, Februar. 1896. Inhalt: Illustrierte Bibelhandschriften. Aus dem Englischen von L. Cohen. Eine Lücke in der jüd. Unterrichtslitteratur. Von B. Traubenberg. Gebet am Vorabend des Pessachfestes. Von Dr. B. Rippner. „Korech." Von Dr. J. Niemirower. Die Teilung des Reiches. (Probelektion.) Von M. Abraham. Der Unterricht im Hebräischen. Von L. Weinberg. Notizen. (Die Londoner Universität.) Illustrierte Bibelhandschriften aus dem 9. oder 10. Jahrhundert.*) Im Verein für „biblische Altertumskunde" zu London hielt der Chacham, Herr Dr. Gaster, am 14. Januar einen Vortrag über obiges Thema. Er bemerkte in demselben, dass nach einer alten, von Josephus und Philo mitgeteilten Tradition ein in Gold geschriebenes Exemplar der Thoraroile existiere. Dieses wäre nun sehr merkwürdig gegenüber dem strengen Verbote der Juden, wonach jede Ausschmückung der heiligen Texte verpönt ist. Kein Zierrat und keine Goldschrift war gestattet, für welches Verbot die Gründe auch sehr einleuchtend schienen. Erstens könnte nämlich durch solche Ausschmückung mit dem Heiligsten leicht ein profaner Gebrauch getrieben werden und zweitens könnte der" hohe Wert solch ausgeschmückter Manuscripte den Dieben Veranlassung geben, sich dieselben in unrechtmässiger Weise anzueignen. Aus diesen Gründen durfte zum Schreiben der heiligen Schriften keine andere als gewöhnliche vegetabilische schwarze Tinte benutzt werden. Im Traktat Soferim ist von einer alexandrinischen Gesetzesrolle die Rede, welche vielleicht mit der von Josephus und Philo erwähnten identisch ist und in welcher die heiligen Gottesnamen in Gold geschrieben sind. Diese aber, wenn sie überhaupt existierte, wurde nicht beim öffentlichen Gottesdienst gebraucht. Hierdurch unterschieden sich aber die für den öffentlichen Gottesdienst bestimmten Rollen von den kunstvollen byzantinischen und den gewöhnlichen illustrierten mittelalterlichen Handschriften. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die strengen Gesetze, welche sich auf das Schreiben des Pentateuch beziehen, nicht beim Schreiben der übrigen biblischen Bücher, welche man die vulgären oder profanen Texte (natürlich nicht in der gewöhnlichen Bedeutung dieser Wörter) nennen könnte, in Anwendung kamen. Es gab zwei verschiedene Arten von Texten, welche demgemäss auch verschieden dargestellt wurden. Die eine Art enthielt nur den einfachen Schrifttext *) Aus Jew. Chronicle. Deutsch von L. Cohen-Rees. ohne Accente, Satz- oder Abteilungszeichen. Diese Art wurde nur auf Pergamentrollen geschrieben, wogegen ' die andere Art von Vokalen, diakritischen Punkten, Accenten, Satzzeichen und anderen Hilfsmitteln, die zur Erläuterung des Textes erforderlich sind, begleitet war. Diese wurden nicht nur auf Rollen, sondern auf getrennten Blättern geschrieben. Einige profane Bibeltexte wurden von einer Blumenverzierung unterbrochen oder durch eine schwarze Bordierung eingefasst. Wurde nun die hebräische Bibel so seltsam illustriert, so fand diese Art der Ausschmückung erst bei den Gebetbüchern in höchst verschwenderischer Weise statt. Unter den Texten dieser beiden Arten ist der am herrlichsten illustrierte das Buch Hiob, dessen Illustrationen von hervorragender Schönheit sind. Hiernach kommt die Pessach-Hagadah, deren bildliche Darstellungen alle nach einer einzigen Originalserie von Holzschnitten hergestellt zu sein scheinen. Dann kommt das Buch Esther mit seinen Randeinfassungen. Alle diese Illustrationen sind jedoch meist nach modernen Mustern europäischer Originale hergestellt. Von wirklieh antiquer Litteratur ist dagegen nur wenig auf uns gekommen. Dies hat seinen Grund darin, dass die Gesetzesrollen, sobald sie zu alt und für den gottesdienstlichen Gebrauch ungeeignet geworden waren, vergraben wurden. Alle Manuscripte, die bis zu uns gekommen sind, gehören zu den sogenannten profanen Texten und dürften da her moderne Codices genannt werden. Die allerältesten' derselben sind in drei •Columnen, einige auch m einer Columne geschrieben, dagegen finden wir keinen, der in zwei Columnen geschrieben ist. Deshalb kann der alte Codex des Pentateuchfragments, welcher noch existiert und in zwei Columnen geschrieben ist, keiner frühern Zeit als dem 9. oder 10. Jahrhundert angehören. Alle alten griechischen Manuscripte sind in derselben Weise geschrieben, also entweder in einer oder in drei Columnen; dasselbe gilt auch von den samaritanischen Manuscripten. Dies vorausgeschickt, gab der Vortragende nun eine Beschreibung seines Bibelcodex No. 150. Die Schrift in demselben ist identisch mit der des Codex No. 830 des britischen Museums. Er ist in drei Columnen geschrieben, welche durch einen beträchtlichen Raum von einander getrennt sind. Alle Buchstaben desselben haben das streng' charakteristische Gepräge ihrer Zeit und dadurch ist es möglich, das Alter des Codex annähernd bestimmen zu können. Es verdient hierbei bemerkt zu werden, dass die Buchstaben n und r dieses Codex sich durch nichts von einander unter- 91t.