Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 1 (1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 4 — keiten richtig zu stellen. Diejenigen, die die Erfindung der Wechsel den Juden zuschreiben, sind in chronologischer Beziehung nicht so unbestimmt, wie es jener Auszug uns schildert. Haiphon schreibt in der Introduction zu seinem Becueil des ] ois, decrets ordonnances . .. concernant les israelites, Paris 1851, p. VI1J. „Philippe-Auguste, par une premiere ordonnance du m<>is d' avril 1182, enjoint aux Juifs de sortir du royaume dans le delai de trois mois, confisque leurs immeubles et fait vendre leurs meubles. Par une autre ordonnance de la meme date il fait remise complete ä leurs debiteurs, a la charge par ceux-ci de verser le einquieme de leur dette dans les caisses du fisc. C'est vers cette epoque que Von place l'invention de la lettre de cliange attribu^e aux Juifs. Ceux-ci, refugies dans les pays etrangers, notamment en Lombardie auraient donne aux negociants et aux voyageurs des lettres sur les depositairs de leurs valeurs en France, qui les auraient acquittees " Die Austreibung der Juden unter Philipp August war also nicht, wie es in jenen Beiträgen ungenau angegeben ist, im Jahre 1181, sondern im April 1182 mit einer Frist von drei Monaten. Ferner ist es nur diese Epoche, in die die Erfindung der "Wechselbriefe durch die Juden, die nach der Lombardie, also nach Italien, ausgewandert sind, verlegt wird. Hingegen lesen wir ebenda p. XV über Philipp IV. folgen des: „En 1290, il expulsa du royaume tous les Juifs venus d'Angleterre et de Gascogne ... Le 27 aoüt 1306, par un mandement adresse au senechal et aux surintendants des affaires des Juifs dans la senechaussee de Toulouse et de Bigorre, le roi leur ordonna de vendre ä l'encbere toutes les terres, maisons, vignes et autres possessions des Juifs qui avaient ete confisqaees et d'en verser le prix dans les caisses du fisc. II enjoignit expressement en outre aux aquereurs de ces biens de lui faire la declaration immediate destresors ou so mm es d'argentquils trouveraient dans lesdites possessions, les menacant de peines severes en cas de recel. En 1309, il decida que les cbretiens debiteurs des Juifs, e n aisant cession, seraient decharges de la contrainte par corps. Enfm par une ordonnance du 21 aoüt 1311 Philippe IV. expulsa tous les Juifs du royaume." Die Austreibung unter Philipp JV. geschah also nicht 1306, wie es in jenen Beiträgen angegeben wird, sondern am 22. August 1311. Ferner wird diese Austreibung keineswegs mit der Erfindung des Wechsels durch die Juden in Verbindung gebracht. Nicht ohne Absicht habe ich diese unschönen Massregeln vom schönen König, wie es Haiphon so genau mitteilt, hier im Auszuge gebracht. Es ist das ein untrüglicher Beweis, dass die Austreibung der Juden unter Ludwig-Philipp im Jahre 1182 die Bedrängten auf die Erfindung der Wechselbriefe gebracht hat. (Fortsetzung folgt.) Kasualreden. 1. Gedächtnisrede an der Bahre des Religionslehrers a. D. Jakob Salzer, gehalten von dem Grossherzoglich Sächsischen Landrabbiner Dr. Salzer. Ewiger Gott und Vater! In Deine Hand befehlen wir unseren Geist. Du bist der Herr über Leben und Tod. Du hast uns auf die Erde gesetzt, und Du rufst uns wieder von hinnen. Und in Deinen erhabenen Willen haben wir uns fieudig zu ergeben, ob Du giebst oder nimmst. Und wenn Du selbst das Liebste und Teuerste von unseren Herzen reissest, so beugen wir uns in Demut und Ergebung vor Deinem heiligen Entschlüsse. Nun hast Du mir und meinen Geschwistern den Vater genommen, dessen Seele so innig mit der unsrigen verknüpft war, und wir rufen ergebungsvoll: „Gctt, Du hast gegeben. Du hast genommen, Dein Name sei gepriesen." Du hast uns den Teuren gegeben, Du hast ihn uns gelassen bis über die gewöhnliche Grenze des menschlichen Alters, dafür sei Dir gedankt aus der tiefsten Tiefe unseres Herzens. Du hast ihn wieder genommen, ihn lebenssatt aus diesem Leben in ein besseres berufen, ihn erlöst von einem schwer zu ertragenden Dasein. Auch dafür sei Du gepriesen in alleEwigkeit! Amen. Wir Israeliten feiern gegenwärtig das maccabäische Weihefest, und in diesen Freudentagen sollen wir uns nicht der Trauer und Klage hingeben. Aber um einen angesehenen Toten darf es geschehen. Da ist es denn um so mehr dem Sohne gestattet, das Andenken seines Vaters zu ehren und ihm Worte der Liebe und des Abschiedes am Grabe nachzurufen. Und ich kann mich auch des inneren Dranges hierzu nicht erwehren. In dieser Stunde zieht besonders scharf ausgeprägt das Leben des teuern Verewigten an meinem geistigen Auge vorüber, wie ich es schaute von da an, wo ich im väterlichen Hause unter seiner Zucht und Führung lebte, bis zu der Stunde, da er in meinem Hause die müden Augen für immer schloss. Ich sehe sein rastloses Arbeiten, seine Plagen und Entbehrungen bis dahin, wo er sich zur Buhe setzte und die Früchte einer langen und harten Lebensarbeit pflücken und geniessen konnte. Er erfreute sich dieser Buhe in einer im hohen Alter seltenen Körperfrische ein Jahrzehnt hindurch, da überfielen ihn fast unversehens die Leiden und Gebrechen des Alters in einem solchen Grade, dass er hilflos wie ein kleines Kind geworden war. Es vollzog sich an dem teuren Verblichenen das, was unsere Weisen zu den ersten Worten unseres dieswöchentlichen Leseabschnittes von Jakob, dessen Name auch der Verewigte getragen, schreiben: 3pi" 212^1 Jakob wollte sich zur Ruhe setzen, da kam über ihn der grosse Kummer über den Verlust Josephs. Gott gebe nicht zu, sagen sie, dass die Frommen und Gerechten sich ungestörter Buhe und Sorglosigkeit erfreuen, denn sie sollten es sich genug sein lassen an dem vielen Guten, das ihnen in jener Welt bevorsteht. Der Mensch solle nicht verlangen, die Er* füllung aller seiner Wünsche schon hier auf Erden zu erreichen. — Und so wird auch dem Verewigten dort die volle Seligkeit und der himmlische Frieden zuteil werden. Ich will vor der Trauerversammlung als Sohn von den Tugenden und Gutthaten des teueren Verblichenen nicht zu viel sprechen. Auch als liebender Sohn verschloss ich nicht die Augen vor den Schwächen, die er ebenso gut hatte, wie jeder andere Sterbliche. Aber ich war auch imstande, besser als ein Fremder