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Jeschurun · 1896-01-01 · 1 (1.1896) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
1 (1.1896)
Date
1896-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 — lieh ein Hilfsbuch zur Hand nehmen, das auf dem Grunde logischen Denkens und geschichtlicher Ermittelungen den Rätseln der Bibel nachspürt und deren Lösung versucht. Wer sich über die Abfassungszeit und die Zusammensetzung der heiligen Sehrift Aufklärung holen will, der mag seine Belehrung aus irgend einem ihm geeignet erscheinenden wissenschaftlichen Werke ruhig schöpfen. Lediglich daraus, dass die Verfasser Christen sind, leite ich so lange kein Misstrauen her, als sich dieselben auf den Standpunkt der reinen Untersuchung und unbestochener Forschung stellen. Nur ist es überhaupt fraglich, ob die Notwendigkeit tieferen Eingehens in die Quellen und in die vielumstrittenen Fragen der Entstehung und der Zusammenstellung der Bibel für den Lehrer allgemein anerkannt werden wird. Mir scheint das Studium der Einleitungen, soweit sie nicht krititscher Natur sind, für die Zwecke des Religionsunterrichts ziemlich entbehrlich. Damit will ich aber nicht sagen, dass es für den Lehrer gänzlich überflüssig ist. Wer über derlei Dinge sein Wissen bereichern und seinen kritischen Blick schärfen will, dem mag Jes immerhin im Interesse seiner persönlichen Fortbildung, aber weniger zum Heile seiner Schüler überlassen bleiben, mit Hingebung die Einleitungen in die heiligen Schriften zu studieren. Für die Schule mache er jedoch so wenig als möglich Gebrauch davon. Für die Bedürfnisse der Schule sind sie ja auch nicht berechnet. Die etwaigen Erklärungen sollen uns nicht in der Vorhalle, sondern an Ort und Stelle, bei dem betreffenden Buche, beim zuständigen Kapitel gegeben werden. Also der Ei aleitungsWissenschaft, die so manche Wirrnisse in die Köpfe der Schüler trägt, verschliesse man lieber den Eintritt in das Klassenzimmer. Jeder Lehrer hat ja wohl in seinem Innern ein spezielles Geheimfach für unangewandte Wissenschaften. Dahin (banne man unter sorgtältigem Verschluss während des Unterrichts alle die Theorieen, die, mögen sie noch so wahrscheinlich sein, mit der Darstellung der Bibel selber in Konflikt geraten können. Vergessen wir doch nicht, was, ohne nach rechts oder nach links zu blicken, einzig und allein der Zweck des Religionsunterrichts ist. Alle Richtungen und vielleicht gar alle Religionen werden sich vielleicht dahin verständigen können: Der Religionsunterricht soll alle in unseren Kindern schlummernden Keime göttlicher Tugend zu bewusstem Dasein entfachen und ihr Herz mit den höchsten Attributen menschlicher Würde krönen; mit Liebe zu Gott, die nach eckt jüdischer Anschauung nur in der Liebe zu seinen Geschöpfen ihren reichsten und vollkommensten Ausdruck findet. Wenn neben dieser Hauptaufgabe der Erziehung und der Zucht des menschlichen Herzens noch einige Früchte vom Baume der Erkenntnis ab- und in den Schoss unserer Pfleglinge hinunterfallen, dann mag das nicht weiter getadelt werden. Die Hauptsache ist das nicht, und vollends verschone man sie mit den kritischen Resultaten einer gelehrten Forschung. Demnach konnte mir nichts ferner liegen, als zur Abfassung einer Einleitung ins Alte Testament anzuspornen. Zu solchen Thaten nicht sowohl der Lehrkunst, als zünftiger Gelehrsamkeit sollen Sie durch mich keineswegs verführt werden. Trotzdem bin ich unserem verehrten Herrn Vorsitzenden für den Irrtum recht dankbar, weil er mir Gelegenheit gab, ßin Gebiet mit einigen Worten zu beleuchten, auf dem manche. Herren Kollegen im wissenschaftlichenUebereifer des Guten doch wohl zu viel thun. (Fortsetzung folgt.) Ein Vorschlag. Von J. Herzberg-Bromberg. In jüngster Zeit ist das „Bibellesen" sowohl in Zeitschriften, als auch auf fast allenLehrerversammlungen Gegenstand eingehender Erörterungen gewesen und wurde die Einführung dieses Unterrichtsgegenstandes in unsere Religionsschule aufs wärmste empfohlen. Auch ich habe bereits vor mehreren Jahren auf die Notwendigkeit und Bedeutung des Bibellesens für unsere Religionsschule hingewiesen und es für unerlässlich erklärt, dieser Disziplin, die von Alters her schon in den nichtjüdischen Schulen als gleichberechtigt unter allen anderen Disziplinen figuriert, unsere ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und die Bibel selbst in guter Uebersetzung dem reiferen Schüler zum eifrigen Lesen in die Hand zu geben. Gleichzeitig nahm ich aber auch Veranlassung, auf ein „anderes" Buch das besondere Augenmerk hinzulenken, ein Buch, das in unserer Religionsschule ebenso wie die Bibel Verwendung findet und das von nicht geringerer Bedeutung ist, und namentlich in der Gegenwart immer mehr an Wichtigkeit gewinnt. Dieses „andere" Buch ist das Gebetbuch (Siddur, Tefilla). Der Zweck des Bibellesens soll doch wohl kein anderer sein, als den Religionsschüler mit dem ganzen Inhalte der Bibel bekannt und vertraut zu machen, da weder beim biblischen Geschichtsunterrichte, noch heim Bibelübersetzen die Bibel in allen ihren Teilen Berücksichtigung finden kann. Wenn wir uns hinsichtlich der Bibel ein solches Ziel gestellt haben, warum soll bezüglich des Gebetbuches nicht ein Gleiches geschehen? Wer wollte sich der Erkenntnis verschliessen, dass wir unter den heute obwaltenden Schul Verhältnissen, die als eine Folge bestimmter Zeitumstände anzusehen sind, gezwungen sind, dem Gebetbuche eine mindestens ebenso eingehende Behandlung zu widmen wie der Bibel, ja, dass das Gebetbuch den Ausgangs- und Mittelpunkt des hebräischen Sprachunterrichts in unseren Religionsschulen zu bilden habe!? Die eingehende Kenntnis dieses „anderen" Buches gewährt eine Vertrautheit mit der Praxis des religiösen Lebens, denn es begleitet uns mehr als jedes andere Buch durch das Leben. In allen Lebenslagen wird unser Blick auf seinen erhabenen Inhalt gelenkt, ivnd darum steht es gerade in dieser Hinsicht der Bibel an Bedeutung nicht nach. Das Gebetbuch bietet die Grundlage für das religiöse Leben und zeigt, wie jede Lebensäusserung durch die Religion geheiligt, wie jede Lebensthätigkeit durch den Gedanken an den ewigen Schöpfer, den Geber alles Guten, geweiht wird, was durch einen Lob- oder Segensspruch, durch ein Dank- oder Bittgebet ans seinem Inhalt zum Ausdruck gebracht wird. Es ist uns ein treuer Begleiter und Führer auf allen J

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