Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1896
- Issue
- 1 (1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jesclinrnn* Monatsschrift für Pädagogik, Homiletik und Litteratur. (Beilage zur Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift.) Ar. 1. Berlin, Januar. 1896. Inhalt: Zur Einführung. Eine Lücke in der jüd. Unterriclitslitteratur. Von B. Traubenberg. Ein Vorschlag. Von J. Herzberg. Hie Erfindung des Wechsels. Von Rabb. Dr. Aschkanaze. Gedächtnisrede. Von Landesrabb. Dr. Salzer. Trauerrede. Vom Herausgeber. Moses Berufung. (Probelektion.) Von B. Kahn. Aus dem Gemeinde- und Schulleben. Zur Einführung. Ende September des Jahres 1892 erschien die erste No. eines neuen Blattes mit einem alten Namen: des Jeschurun. Das Blatt wollte vornehmlich dem jüdischen Lehrerstande dienen, seine sozialen und wissenschaftlichen Interessen vertreten, ihn fördern, für ihn fordern. Es fand auch warme Aufnahme in den beteiligten Kreisen, Unterstützung in allen Schichten der offiziellen Vertreter des Judentums. Allein die Quantität seiner Anhänger hielt nicht gleichen Schritt mit der Qualität derselben, so dass der Schreiber dieser Zeilen auf eine Erweiterung des Leserkreises ausserhalb der Lehrerschaft bedacht sein, und darum sich zu einer Erweiterung der Tendenz des Blattes entschlossen musste. Und vollends nach der Uebersiedelung des Jeschurun nach Berlin musste die ursprüngliche Tendenz desselben immer mehr eingeschränkt werden, und zwar aus doppelten Gründen. Einmal bringt das Laienpublikum — der für jüdische Verhältnisse, die ein Laientum als Gegensatz zum Priestertum nicht kennen, unzutreffende Ausdruck sei seiner Präzision wegen gestattet — gelehrten Aufsätzen ein minimales und fachwissenschaftliehen gar kein Interesse entgegen, sodann heischte die Entwickelung des Judentums, — in der Berliner Gemeinde nicht nur, nein, die Entwickelung des Judentums in all den Bezirken, die sich die Metropole gern zum Vorbilde nehmen, ein energisches Auftreten gegen die systematische Verflachung, ein entschiedenes Eintreten für die Wiederbelebung alles dessen, was in der religiös-edlen Bedeutung des Wortes jüdisch genannt wird, genannt zu werden verdient. So ist aus dem Lehrerblatte Jeschurun eine Allgemeine Israelitische Wochenschrift geworden; und nun soll dieser Jeschurun ein reines Lehrerblatt werden, in dem nur Aufsätze und Notizen zur Veröffentlichung gelangen sollen, die unsere Lehrerkreise mittelbar oder unmittelbar berühren, soll ihnen hier geboten werden, was sie im alten Jeschurun gefunden, in der neuen Wochenschrift aber vermissen. A. L. Eine Lücke in der jüdischen Unterrichts. Litteratur. Vortrag, gehalten in der Wissenschaftlichen Vereinigung jüd. Schulmänner Berlins von Bernli. Traubenberg. Unser verehrter Herr Vorsitzender bat mich mit einem Referat über ein Thema betraut, das ich vor noch nicht langer Zeit in einem Aufsatze im „Jeschurun“ behandelt, von dem ich gewünscht hätte, dass er nicht nur von jüdischen Lehrern gelesen, sondern auch beherzigt und von praktischen Resultaten begleitet worden wäre. Ich bezweckte mit dem Artikel, meinen jüdischen Standesgenössen eine Anregung zu einer Hilfsaktion auf einem Gebiete zu geben, auf dem unleugbar ein beklagenswerter Notstand herrscht. Diese Anregung will ich vor Ihnen, meine Herren, in unserem neugegründeten Verein wiederholen und Sie dann bitten, in eine Erörterung der Sache, wenn Sie sie einer solchen nicht für unwert halten, einzutreten, damit Sie, die Sie doch ein geeigneteres Organ für solche Bestrebungen sind, als eine für alle Kreise berechnete Zeitung, eventuell Mittel und Wege angehen, wie der hier vorgetragene Gedanke verwirklicht werden kann. Indem ich nun zum Gegenstände selber übergehe, muss ich bemerken, dass der Herr Vorsitzende sich in einem Irrtum befand, als er in der letzten Sitzung von der Einleitung ins Alte Testament sprach, über das ich zu referieren übernommen hätte. Ich will aber trotzdem einen Augenblick dabei verweilen. Wenn oben von einem Notstand die Rede war, so ist er ganz gewiss nicht auf diesem vorzüglich angebauten Ackergrunde zu suchen Wir haben der Einleitungen in die Heilige Schrift gerade genug, und der Umstand, dass die Autoren fast durchweg Christen sind, stört mich wenig. * Derartige Arbeiten sind in der Regel zu wissenschaftlich und zu objectiv gehalten, um für christliche Tendenzen freien Spielraum zu lassen. Der Odem der Wissenschaftlichkeit verscheucht solche Gelüste, wo sie bestanden haben sollten. Der neutrale Boden unvoreingenommener Forschung ist für uns alle heilig, und so darf sich auch der jüdische Lehrer unbedenk-