Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 10 (9.3.1939)
- Date
- 1939-03-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 JUDISCHE NACHRICHTEN 9. März 1939 Polnischer Sejm beschliesst vom lahre 1942 totales Schächtverbot. Warschau. Der polnische Sejm nahm in seiner Sitzung am Dienstag, 28. Februar, einen vom Deputierten Leopold vom Regierungslager der Nationalen Einheit eingebrachten Gesetzesantrag an, wonach ab 31. Dezember 1942 jede Schlachtung von Grossvieh in Polen nach jüdischem Ritus verboten ist. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die gegenwärtig bereits bestehende Kontingentierung der Stückzahl des für rituelle Schlachtung bestimmten Viehs allmählich weiter reduziert werden, und zwar jährlich um ein Drittel des gegenwärtigen Kontigents. Der vom Landwirtschaftminister Poniatowsky gemachte Vorschlag, das totale Verbot der Schechita erst Ende 1943 gelten zu lassen, wurde vom Sejm abgelehnt. Die jüdischen Deputierten Dr. Sommerstein und Seidemann erhoben im Namen der jüdischen Bevölkerung Polens ein feierliches Veto gegen den Schächtsverbotsantrag und erklärten, ein Verbot der Schechita bedeute nicht nur ein Attentat auf die Lebensbedürfnisse und die Gesundheit der jüdischen Bevölkerung, sondern es stehe auch in striktem Widerspruch zur polnischen Verfassung, welche die bürgerlichen und religiösen Rechte der Juden garantiert. Die jüdischen Deputierten Schon wieder hat das orthodoxe Judentum einen grossen Verlust erlitten. Wieder ist ein grosser Manr, einer jener alten Rabbinergrösse« verschieden. Ein Vierteljahrhundert wirkte Rabbiner Schönfeld rry in seiner Gemeinde, wo er auch eine grosse und berühmte Jeschiwa aufrechterhielt. Am siebenten Ador kamen jüdische Menschen von der Nähe und Ferne nach Valea-Lui-Mihäly, um diesen erhabenen und edlen Menschen die letzte Ehre zu Hinken? e Gegenstand! Werd' ich auf meine alten Tag' kein Tanzmeister werden! ... Ja weil wir da grad' so von Verschiedenem reden . . . was ich hab sagen wollen . . . ich zieh' von euch weg, statt meiner könnt ihr euch einen reichen, fremden Bachur in Quartier und Kost nehmen und ein schönes Stück Geld an ihm verdienen." „Vetter, — was redest du da! schrie Kele. „Du hast mir fast mein ganzes Leben lang meine frühverstorbenen Eltern ersetzt, und jetzt wo du alt und gebrechlich geworden, soll ich dich von mir, soll ich dich zu fremden Leuten ziehen lassen? Wer solle dich pflegen? — Du wirst mir doch das nit antun wollen?! Nein! Vetter, ich lass dich nit von mir, den letzten Bissen teile ich zwischen meinen Kindern und dir!" Bresnitz konnte nicht sofort antworten, die Tränen flössen ihm über die Wangen, die konnte mann freilich im Dunkeln nicht sehen; aber wenn er jetzt sprach und von Schluchzen unterbrochen wurde, dann lag seine unmännliche Schwäche klar am Tage, er räusperte sich daher erst ganz gehörig, dann, um zur Sammlung eine weitere halbe Minute zu gewinnen, schnäuzte ar sich auch ziemlich unständlich und geräuschvoll; endlich hatte er sich so weit gefasst, dass er, wenn auch immer noch mit schwankender Stimme sagen konnte: „Weissl du was Kele, mein Kind, lassen wir den Schabbes vorübergehen, effscher schickt G-tt doch eine Jeschuo — wenn nit, haben wir dann noch immer Zeit über die Sach' zu reden." warnten auch vor den schweren Schäden, die ein Schächtverbot der polnischen Landwirtschaft bringen werde. Das neue Gesetz ermächtigt die komunalen Behörden, bis zum Inkrafttreten des Schächtverbotes die rituelle Schlachtung von Vieh und den Verkauf von Koscherfleisch in eigene Regie zu übernehmen. Diese Bestimmung zielt auf die Ausschaltung der Juden aus dem Fleischhandel ab. In diesen Zusammenhang schlug Abg. Leopold vor, aus den Statuten der jüdischen Gemeinden jene Bestimmung zu eliminieren, die die Gemeindeleitungen autorissiert, die jüdische Bevölkerung mit Koscherfleisch zu versorgen. Zu Beginn der Sitzung am Dienstag hatte der radikale Antisemit Dudeinski einen Antrag auf sofortiges totales Verbot der Schächtung nach jüdischem Ritus eingebracht. Daraufhin beeilte sich Leopold, einer der Führer der Regierungspartei, seinerseist einen Mmässigenden" Antrag einzubringen. Es wiederholte sich hier ein in Polen selbst, sowie in Ungarn Rumänien und anderen Ländern bekannter Vorgang, dass die Regierungsparteien einschneidende antisemitische Gesetze beschliessen, um den radikalen Antisemiten den Wind aus den Segeln zu nehmen. erweisen. Zahlreiche Rabbiner der Umgebung waren bei der Lwaje anwesend. Zuerst hielt sein Sohn und Nachfolger, der Schwiegersohn des Papaer Adas Jisroel Oberrabbiners einen Hesped, nach ihm sprachen die Oberrabbiner aus Szatmar, Halmin, Szekely-Hidas und viele andere. Rabbiner lsak Buxbaum aus Galanta betrauert iu dem Verstorbenen seinen Schwiegervater. ,T32Un Sechstes Kapitel. Kele Lucka war nach dem Rathe ihres Onkels Freitag früh, wenn auch widerwillig und tiefbetrübt, in den Tandelmarkt hinausgegangen. Viele ihrer alten Kunden wußten schon daß sie ihnen nicht mit gangbarer Waare dienen könne, und schritten ohne sich bei ihrer Kramstelle aufzuhalten zu ihrem Konkurrenten Oppermann, dessen Laden die Zahl der Käufer gar nicht zu fassen vermochte, und fast war ihr dies lieber, als wenn andere, die schon lange Zeit nichts benötigt hatten, an ihren Stand hintraten, und Blonden, Quipuren oder sonst etwas — selbstredend weiß — verlangten, und sie mit Tränen in den Augen erklären mußte, damit nicht dienen zu können, und wenn von alten Kunden gefragt wurde, ob sie vielleicht später, etwa die nächste Woche die gewünschte Ware erhalten würde, sie verlegen und errötend „nein!" nicken musste, und diese sich erst dann entschlossen zu Oppermann zu gehen. Kele Lucka war von Natur aus nicht neidisch, aber der Abstand zwischen dem Aufblühen des Konkurenzgeschäftes und ihrem raschen Niedergange, ihrem Elende, war ein zu gewaltiger, um nicht ihre Seele in den tiefsten Grund aufzuwühlen, den höchsten Grad der Bitterkeit in ihr hervorzurufen. In den nächsten Tagen sollte sie gepfändet werden, — dann mußten sie, ihre Kinder, ihr braver, dnmmer Mann und ihr alter, guter Vetter, ihr grösster Wohltäter, ihr zweiter Vater, dem sie gerne den Abend seines Lebens nach Möglichkeit verschönert hatte die Mildtätigkeit in Anspruch nehmen! — Wer im Wohlstande lebt, vermag sich gar nicht in diese Lage hineinzudenken, und das Bild ihr jüngstes Kind am Arme, von Haus zu Haus Morde bei Rechoboth. Jerusalem. Am Dienstag, 28. Februar, drang eine bewaffnete Araberbanda in das Häuschen des jüdischen Siedlers Dominitz am Rande des Dorfes Gibton bei Rechoboth ein und ermordete die 54 jährige Frau des Siedlers, Mina Dominitz, sowie dessnn beide Söhne, den 8-jährigen Emanuel und den 10-jährigen Chaim. Die Mörder schnitten dem kleinen Emanuel die Gurgel durch und stachen den den Chaim auf bestialische Weise nieder; die Mutter wurde erschossen. Dominitz liegt zurzeit krank im Hadassah-Krankenhaus in Tel- Aviv. In der Nähe der Polizeistation des Mea- Shearim-Viertels wurde der Jerusalemer Jude Zwi Tuchmann von Arabern durch Schüsse schwer verletzt. Ueber das jüdische Viertel der Jerusalemer Alistadt wurde ein vierundzwanzig-stündiges Ausgehverbot verhängt, nachdem die Polizei auf dem Dach eines Ladens eine gefährliche Höllenmaschine endeckt hatte. In Haifa haben die Araber einen Teilstreik proklamiert. Geschäftsläden und Fabriken sind geschlossen, arabische Autobusse verkehren nicht. Bei dem montagigen Gefecht zwischen Militär und Terroristen auf der Strasse Akko- Safed wurden 16 Araber getötet. Unter den Toten befinden sich ein berüchtigter Bandenführer. In einem Dorf bei Nablus wurden weitere Araber getötet. Im Dorfe Sanur in Samaria entdeckten und beschlagnahmten die Truppen 29 Handgranaten, 6.000 Schuss Munitton und 233 Hülsen mit Sprengstoffen. Orfh. Schaf bryndza vorzüglicher Qualität, die unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner E. Jungreis, Presov erzeugt wird, erhalten Sie bei der Fa. M. Groszwirth a Spol. Presov. betteln gehen, an fremder Schwelle Brot erbitten zu müssen, trat in diesem Augenblicke mit ensetzlicher Furchtbarkeit vor ihre Seele! Und wenn ihr Mann oder ihr alter Pflegevater erkrankte, oder — wenn sie vor Kummer starb und fünf schutzlose Waisen mit einem erwerbsunfähigen Vater, und ihr alter Pflegevater allein, arm zurückblieben! Das war ein Gedanke, der ihre Seele zerriß, der sie wahnsinnig zu machen drohte, — sie vermochte es nicht länger sich der hervorbrechenden Tränen zu erwehren, und um diese den Blicken, der sie, wenn auch zum größten Teile mit wohlwollender Teilnahme beobachtenden Nachbarn zu entziehen, legte sie ihren müden Kopf auf beide Arme und weinte bitterlich! Es war sehr kalt, sie hatte monatelang schon keine Nacht ruhig geschlafen, und sie versank in eine schlummerähnliche Betäubung in jenen eigentümlichen Zustand des Halbschlafes ... Piützlich fühlte sie eine Hand auf ihrer Schuller, — sie zuckte empor, aber sie glaubte noch weiter zu träumen, vor ihr stand Bresnitz in einem allerdings äußerst abgetragenen aber vollständigen Sabbatanzuge, trotz der grimmigen Winlerkälte seinen dreieckigen Hut in der Hand, so daß sein ehrwürdiges Haupt nur von einem Sammetkäppchen bedeckt war, das ursprünglich schwarz, im Laufe der Zeiten einen bedenklichen bräunliehen Stich erhalten hatte, und unter welchem weisse Silberlocken niederwallten. Neben Bresnitz standen zwei Damen, hohe junonische Gestalten, in kostbaren Pelzen und prachtvollen Muffen hinter jeder ein Diener in Livree, und auch die mit zwei feurigen, ungeduldig scharrenden Rappen bespannte Equipage, die in der Nähe stand, gehörte offenbar zu den Damen. (Fortsetzung folgt). Der Valea-Lui-Mihalyer (Ermihalyfalva) Oberrabbiner Benjamin Schönfeld hi.