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Jüdische Nachrichten · 1939-03-09 · 10 (9.3.1939) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Nachrichten
Volume
9 (1939)
Issue
10 (9.3.1939)
Date
1939-03-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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9. März. 1939. JÜDISCHE NACHRICHTEN Der neugewählte Papst Pius der XII. In einer ungewöhnlich kurzen Zeit von nur drei Wahlversammlungen ist Cardinal Eugenio Pacelli als Papst erwählt worden. Nicht das Pacelli gewählt wurde, traf die öffentliche Meinung so überraschend, — denn er galt ja allgemein als der Würdigste, als die hervorrangendste und bedeutendste Priesterpersönlichkeit unseres Zeitalters —, sondern die Raschheit mit der das Cardinalskollegium die Entscheidung fällte. Es wird uns schwer fallen im Rahmen eines Zeitungsartikels diese Charaktergrösse, und diese in der ganzen Welt mit Recht verehrte Persönlichkeit, gebührend zu schildern. Wenn wir es doch unternehmen wenigstens skizzenweisse diese erhabene Gestalt zu würdigen, so wollen wir hiemit, unserer Verbundenheit mit diesem grössten Chassid schel-ümajs-hoajlom Ausdruck verleihen. Pacelli ist am 2. März 1875 in Rom geboren, hat in Rom seine theologische Studien absolviert und fast seine ganze Laufbahn im Vatikan zurückgelegt. Seitdem ihm der verstorbene Papst Pius der XI. s. A. zu seinem Staatsekretär ernannte, hatte Pacelli tatsächlich die politische Leitung der Angelegenheiten der römischen Kirche in der Hand. Seinen diplomatischen Fähigkeiten hat der Vatikan den Abschluss einiger neuer Konkordate zu verdanken. Immer wenn es galt sich der wegen ihrer Rasse, ihres Glaubens oder ihrer Nationalität unterdrückte Menschen anzunehmen, war es Pacelli, der — den Idealen Pius des XI. entsprechend — in den fordersten Reihen zu finden war. Schon im Jahre 1935 erklärte Pacelli in einer Rede, die er in Lourdes hielt, die moderne Lehre von Rasse und Blut sei unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Er ist seither keinem Zoll von dieser Einstellung zurückgewichen. Die Wahl Pius der XII. wurde nicht nur in der ganzen katholischen Christenheil, sondern weit darüber hinaus, in der ganzen religiös und human eingestellten Well mit Jubel aufgenommen. Der neue Papst besitzt wohl jene charahterslärke und jene politische Einsicht, die in unserer so krisenhaften Zeit, die Europa seit Menschengedenken durchmacht, der höchste Würdenträger der Christenheit besitzen soll. Seine überragende Intelligenz, seine Weltmännische Gewandheit, seine diplomatische Erfahrung und nicht zuletzt sein makkelloser Charakter gebe uns die Gewähr, dass der neue Papst würdig und ehrenhaft seine Stellung in der Welt behaupten wird. 6 Waggon Mazzoth und 3000 Kg. Pessachfetfen für die öster. Juden. Wie wir bereits vorige Woche berichtet haben, wurde in Oradea-Mare eine Aktion in Wege geleitet, die es ermöglichen soll unsere Glaubensgenossen mit Mazzoth und sonstigen Lebensmitteln auf Pesach zu versorgen. Besonders wichtig ist die Zusendung von Mazzoth, da es den dortigen Juden verbrten ist, sich selbst Mazzoth zu backen wie auch selbe aus dem Auslande zu kaufen. Hingegen hat die deutsche Regierung gegen Zusendung von Geschenken aus dem Auslande nichts einzuwenden. Die Leitung der Wiener Schiffschul wie auch der Kultusgemeindevorstand wandten sich an die einzelnen Landeskanzleien, ihnen bei der Besorgung von Lebensmitteln für Pessach beihilflich zu sein. Es wurde beschlossen sechs Wraggon's Mazzoth nach Wien zu senden, zwei davon sendet Siebenbürgen und vier Altrumänien. Nach einen weiteren Beschluss werden dreitausend Kilogramm Pesachfetten an die Wiener Juden versendet werden. Die jüdischen Körperschaften haben bereits um Erlaubnis der Ausfuhr bei der Nationalbank eingereicht; es wird eine rasche und günsfige Erledigung erhofft. Eine ähnliche Aktion wurde auch in Holland, Belgien und Ungarn eingeleitet. In Rumänien und in einigen Ortschaften der Slovakei, werden allwöchentlich auch von Privatleuten Fleischkonserven als Liebesgaben versendet- Auszüge aus Rassay's Rede * Budapest. Im ungarischen Abgeordnetenhaus hielt Abg. Dr. Karl Rassay eine Rede gegen das neue Judengesetz. Er sagte unter anderen : Es handelt sich nicht allein um die wirtschaftliche, sondern auch um die physische und seelische Vernichtung des Judentums. Das Gesetz zerstört die Einheit der Familie und des nationalen Körpers. Rassay analysierte die einzelnen Bestimmungen der Vorlage und erklärte, niemand werde die geforderten Nachweise über Grosserem und Eltern, Ehehälften und Kindel' erbringen können. Es werde fortab Juden, Halbjuden, als Juden zu betrachtende Juden geben. Der ganze Gesetzentwurf sei ein kodifikatorischer Schauerroman. Es werde in Ungarn, wenn die Vorlage zum Gesetz wird, Staatsbürger I„ II. und III. Klasse geben : Staatsbürger mit vollen, mit beschränkten, und mit gar keinen Bürgerechten. Der frühere Minislerpräsident Imredy konnte trolz aller ihm zur Verfügung stehenden Mittel die zur Klarlegung seiner Abstammung notwendigen Dokumente nicht beschaffen. Woher soll ein einfacher Staatsbürger Zeit und Geld nehmen, um all die Urkunden beizubringen? Abg. Rassay Fragt, was mit den entrechteten 500.000 geschehen soll, wenn die Vorlage in Kraft tritt. Schon in den nächsten Jahren werden 70.000 Juden erwerblos. Wird eine soziale und wirtschaftliche Entspannung eintreten, wenn 70.000 Menschen zum Hungerlud verurteilt sind? Es gibt kein Land, wohin die Juden auswandern können. Rassay erklärte er werde gegen die Judengesetzvorlage stimmen. Durch Trauer zum Glück. Erzählung ans dem 18. Jahrhundert. — Von S. Kohn. — 10 „Meine alle silberne Uhr hat mich schon lange geärgert, bald is sie zu früh, bald is sie zu spät gegangen, bald is sie stehen geblieben, in meinem Leben hab' ich nit gewusst wie spät es is ... zu was soll ich mi^h mit dem Untam herumschleppen? hab' ich sie lieber verkauft. Sieben Gulden hab' ich für die Uhr bekommen, drei Gulden zwanzig Kreuzer hab ich dem Fleischer bezahlt, dann hab' ich vier Pfund Fleisch auf Morgen, Freitag Abend und auf Schabbes bestellt — und dann — ich kann dir's doch nicht so ewig verschweigen — einen Gulden hab' ich dem Gerichtsdiener gegeben." „Dem Gerichtsdiener? — warum, weshalb?" „Erfahren mußt du es ja doch, . . . Florian Hugner in Gent* — Breßnitz schluckte heftig — „hat dem Wechsel, den ihm dein Mann unterschrieben, eingeklagt." „Der ist schon fällig?" schrie Kele auf, „an der Zore hab' ich der andern wegen vergessen!" „Nu ja," fuhr Bresnitz fort, „der Gerichtsdiener kommt mit der Zustellung immer nach Hause wenn du auf der Kramstelle bist — so haben wir dir's verschwiegen. Wir sind versteht sich, zur Zahlung verurteilt, — und da wir nicht zahlen können — so hat er pfänden wollen." „Was kann man uns pfänden?" rief Kele, „wir haben ja nichts mehr als die paar Fetzen am Leibe, die kann man uns ja nicht herunterreißen!" „Nu, du vergißt an die Spitzen . . ." „Ja die! . . . an diese schöne Waare hab' ich ganz vergessen!" sties Kele mit tiefer Bitterkeit hervor. „Und da hab' ich ihm einen Gulden gegeben, er soll heut' einen Tag vor Erew Schabbes uns diesen nit verstören — und so wird er erst die nächste Woche wieder kommen." „Was ist dabei gewonnen?" frug Kele. „Viel, — erstens werden wir Samstag ungestört sein, ich hab' Holz und Fleisch auf Schabbes besieht, — dann, bis nächsten Montag kann G-tt, gelobt sei er, geholfen haben." „Wenn er hätte helfen wollen," entgegnete Kele, „hätt' er es schon früher tun können 1" „Das sind unschöne Reden!" erwiderte Bresnitz halb zornig, willst du G-tt vorschreiben, wann er dir helfen soll?" „Wie kann uns G-tt helfen?" mischte sich jetzt wieder Hirsch Lucka ins Gespräch. „Das versteht er besser als du," antwortete Breßnitz ruhig, — „das laß nit dein' Sorg' sein 1" „Da müsste G-tt ein Neß tun!" „Nu, — meinst bu er kann nit e' Neß tun, wenn er will? Ich sag dir nur das Eine, Reb Hirsch, wenn G-tt helfen will, so hilft er — wie? das weiss ich wirklich nit, und das überlass ich auch ganz ruhig dem Allmächtigen!" Es war merkwürdig, — dass ihr alter, kluger, erfahrener Onkel noch immer nicht alle Hoffnung aufgab, verlieh der armen, tiefgebeugten Frau doch eine kleine Beruhigung. „Vetter," sprach Kele nach einer kleinen Pause, „da bist ja ein kluger Mann, ich will morgen gar nit auf die Kramstelle hinausgehen, ich sitze in der Kälte müßig draußen, und habe Not mich der Tränen zu erwehren, und Feiwel Oppermann und sein Weib sehen so spöttisch auf mich hin, es kostet mich immer ein schweres Opfer, und — ich hab ja so nichts zu verkaufen, und wenn auch zufällig ein Käufer auf seine halbe Elle schwarze Spitzen käme ja, fuhr sie im bittern Scherze fort, wenn Elijohu hanowi käme, und mir mein ganzes Waarenlager abnehmen wollte, dürfte ich es ihm nicht verkaufen, Huguet wirds ja nächste Woche pfänden, es gehört ja nicht uns!„ „Das Spruch wort ist doch wahr, das klügste Weib ist der grösste Narr 1 was redst du da? Wenn der Gerichtsdiener Monnlag pfänden kommt und du erlegst nur die dreihundertzehn Thaler und die Kosten, gehören die Spitzen wieder dir," — Kele seufzte tief auf, eine solche Eventualität schien in der That außerhalb des Bereiches der Möglichkeit zu liegen. — „Geh nur morgen hinaus — und ich geh morgen auch das erste Mal wieder einen weiten Weg." „Wohin?" „Der Graf Schlick ist wieder nach Prag gekommen und hat seinen Bedienten hergeschickt, ich soll morgen Schlag neun Uhr in sinen Palais sein, vielleicht hat er etwas ein Geschäft für mich, dass ich wieder einmal etwas verdienen kann. Ich muß mich so wie so, sobald ich nur wieder mit meinem Fuß e bis! in Ordnung bin, um etwas einen Erwerb um mich umsehen, ich bin euch nun schon lang genug auf der Tasche gelegen und werd' wahrhaftig nit euren kleinen Kindern das letzte Stück! Brot vom Mund wegessen, ich bin ja noch nit gar so alt, nit ja noch nit gar so alt, nit einmal ganz siebzig, ich bin noch rüstig, — wegen dem Fuß? Wegen dem bisl

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