Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 8 (23.2.1939)
- Date
- 1939-02-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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23. Februar. 1939. JUDISCHE NACHRICHTEN 7 JBERICHXE KALENDER SCHABOS TERÜMOH, ADAR 6. Sonntag 7. Ador. Donnerstag Taanis-Estlicr. Lichtzünden (in Bratislava) . 5.15 rQtt?-Ausgang.....6.05 J7ö^ nxnp pT S]1D ... 8.35 pmn njr^s psn nh:n . . 5.40 Sämtliche Zuschriften und Geldüberweisungen sind an die Adresse der Bratislavaer Redaktion : Bratislava, Grössling 12. zu richten. — Stropkov. Unter den Auspizien der Orth. Kultusgemeinde wurde hier ein Hilfs- und Emigrationskomitee geschaffen. Die konstituierende Sitzung fand am 30. Januar statt und wurde zum Vorsitzenden Sr. Ehrw. Oberrabb. David Halberstamm gewählt. Das Komitee, das seine Arbeit bereits begonnen hat, wird der jüdischen Oeffentlichkeit in Sachen der allgemeinen Hilfeleistung und Auswanderung dienen. — Die Terrorlage in Palästina. Jerusalem. Der gesamte arabische Handels- und andere Verkehr zwischen Jaffa und Jerusalem, sowie zwischen Jerusalem und Nablus wurde behördlich eingestellt, nachdem in der Nähe von Ramien die Lokomotiv- und sechs Waggons eines Güterzuges durch eine Landmine zum Entgleisen gebracht wurden. Im Verlauf der Durchsuchung von 28. arabischen Dörfern nord-westlich von Ramallah, wobei eine Anzahl Waffen gefunden wurde, wurden 64 Araber verhaftet. — R. Jajkow Horovitz szl. Amsterdam. Im holländischen Kurort Armhen_v_exsiarb im Alter von 66 Jahren in der Emigration der frühere Rabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M., der grössten orthodoxen jüdischen Gemeinde in Deutschland, Jakob Horowitz. Er war eine in der jüdischen Orthodoxie überal in der Welt hochgeachtete Persönlichkeit. Geboren 1873 in Lauenburg (Pommern) als Sohn des orthodoxen Führers Rabbiner Marcus Horovitz, übernahm er nach dessen Ableben das wichtige Rabbineramt in Frankfurt a. M. Er war einer der Führer der Agudas Jisroel, bekleidete die Würde eines stellvertretenden Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes. — Die Kontribution der Juden. Paris. Aus Berlin wird gemeldet: Die Zahlung der zweiten Rate der Milliardenbusse, die den Juden in Deutschland nach der Ermordung des deutschen Gesandschaftsrats von Rath in Paris auferlegt wurde, hat sich ohne Aufsehen abgewickelt. Das Reich hat bei der Einbringung dieser Rate beträchtlich weniger Bargeld erhalten als bei der erste Teilzahlung. Es ist in der Hauptsache Effekten- und Immobilienbesitz der wenigen noch bemittelten Juden zu Gunsten des Reiches abgeschrieben worden. Bei dem tötlichen wirtschaftlichen Druck, der auf den in Deutschland verbliebennn Juden lastet, war ein anderes Ergebnis auch nicht zu erwarten. — Geheime Organisationen in der £SR. entdeckt. London. Die Londoner Abendzeitungen vom 16. Februar berichten aus Prag, dass die Polizei in der Tschecko-Slovakei 200 Mitglieder einer geheimen Organisation verhaftet hat nachhdem die Behörden in den Besitz Dokumenten gelangt waren, aus denen hervorgeht, dass diese Oorganisation schwere Gewaltakte gegen Juden, ihr Leben und ihren atten Besitz, vorbereitet hatten. — 100.000 Dollar füs hebräische Kultur. Clevland. Auf der in Cleveland abgehaltenen 19. Jahreskonferenz der Organisation für hebräische Kultur in Amerika wurde beschlossen, in den USA. 100.000 Dollar in diesem Jahre für hebräische Kulturarbeit aufzubringen. — Eine Palästina-Delegation in Jugoslavien. In Jugoslavien weilt gegenwärtig eine palästinensische Handelsdelegation. Sie verhandelt mit der jugoslavischen Regierung über Intensivierung des Warenaustausches zwischen Jugoslavien und Palästina. — Staatsgouverneur Lehman und der Palästina-Pavillon. New York. Der Gouverneur des Staates New York Herbert H. Lehman hat sich bereit erklärt, den Palästina-Palästina-Pavillon auf der Weltausstellung 1939 zu fördern. Er und Frau Lehman empfingen in ihrem Heim das Frauenkomitee für den Palästina-Pavillon, welches dem Gouverneur die Mitgliedskarte für den Pavillon überreichte. Gouverneur Lehman erklärte, er werde sich freuen, den Pavillon zu besuchen, der ein Bild der grossen jüdischen Leistungen in Palästina bieten wird. — Ein Sammellager für ausgewiesene Ausländer in Frankreich. Paris. Gemäss dem Dekret von 12. November 1938 wurde soeben in Rieucros bei Mende ein Sammelzentrum für Ausländer geschaffen, die der gegen sie erlassenen Ausweisungsorderer nicht nachkommen können und die „im Interesse der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit" einer Kontrolle unterworfen sein müssen. Laut „Matin" befinden sich in dem Lager bereits 40 Personen, unter ihnen österreichische und deutsche jüdische Flüchtlinge, aber auch Russen, Spanier, Italiener usw., die wegen unerwünschter politischer Agitation gerichtlich verurteilt wurden. — Cordell Hull approbiert Rublees Memorandum. Washington. Der amerikanische Aussenminister Gordell Hull erklärte auf einer Pressekonferenz, das State Departement habe George Rublee's Memorandum über die Auswanderung von Juden aus Deutschland, dessen wichtigster Punkt die Ausarbeitung eines endgültigen Abkommens über einen geordneten Exodus sei, approbiert. Aussenminister Hull lobte Rublee's „äusserst wirkungsvolle Arbeit" und erklärte, die Hauptaufgabe von Rublee's Nachfolger werde darin bestehen, mit den die Flüchtlinge aufnehmenden..Ländern zu verhandeln und die Maschinerie des Exodus in geordneten Gang zu setzen. — „Czortkovitzer Rebbe" wieder frei. Warschau. Der „Gzorlkower Rebbe", ein führendes Mitglied der in der gesamten chassidischen Welt in höchstem Ansehen stehenden Rabbiner-Dynastie Friedmann, der gemeinsam mit seinen Angehörigen kurz nach dem „Anschluss" in Wien verhaftet wurde, hat jetzt, nach einer Intervention des amerikanischen Aussenministeriums bei der deutschen Regierung, samt seinen Familienangehörigen das Lager verlassen und die Reise nach Polen angetreten. Die polnische Regierung hat der Rabbinerfamilie einen Monat Aufenthalt gewährt. Es steht noch nicht fest, ob der Rabbi nach Amerika oder nach Palästina auswandern wird. — Die Juden Italiens müssen ihr Vermögen anmelden. Rom. Am Samstag, 11. Februar, veröffentlichte das römische Amtsblatt eine Verordnung, wonach die Juden iu Italien der Regierung detailierte Angaben über den denauen Stand ihres Vermögens, sowie über ihre kommerzielle und industrielle Tätigkeit zu machen kaben. Diese Mitteilungen müssen von den in Italien lebenden Juden binnen 90 Tagen, von den im Ausland lebenden italienischen Juden innerhalb von 180 Tagen gemacht werden. Juden dürfen ihr Vermögen durch Schenkung innerhalb 180 Tagen übertragen, vorausgesetzt, dass der zu Beschenkende nicht als zur jüdischen Rasse gehörig betrachtet werden kann. Die Verordnung ist am Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft getreten. — Major Langdon über die Lage der Flüchtlingskinder in England. London. Major G. H. Langdon, ehreamtlicher Sekretär der englischen Bewegung zur Betreuung von Kindern aus Deutschland, teilte mit, dass es jetzt in ganz England insgesamt über 3000 Flüchtlingskinder unter 18 Jahren gibt, von denen 2450 in privaten Häusern untergebracht sind. Insbesondere seien sämtliche Mädchen, die seit Novomber v. J. nach England gebracht wurden, privat untergebracht sowie alle Jungen unter 13 Jahren. Allerdings gibt es im Dovercourt- Lager noch 550 Jungen über 13 Jahre. Solange diese nicht in privaten Heimen untergebracht werden können, gebe es keine Möglichkeit, weitere Kinder aus Deutschland-Oesterreich herüberzubringen. — 300 jüdische Barcelona-Flüchtlinge an der französische Grenze. Paris. In dem Elendsstrom der unglücklichen Spanien-Flüchtlinge ist es sehr schwer, speziell die jüdischen Flüchtlinge zu unterscheiden; bis jetzt hat man 300 jüdische Flüchtlinge herausgefunden. Es sind unter ihnen ausser spanischen Staatsangehörigen Juden aus Polen, Rumänien, Griechenland, Italien und der Türkei. Mehrere der jüdischen Familien führen mit sich kleine Kinder. Alle haben ihr letztens Hab und Gut verloren. Die Föderalion hat vorläufig 3000 Francs für erste Hilfe nach Perpignan gesandt. Das ist aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. An die Juden in Paris und in ganz Frankreich wird appelliert, sich zugunsten der unglücklichen jüdisch-spanischen Flüchtlinge zu besteuern. — Die Aufgabe des neuen Direktors des Interstaatlichen Komitee. London. Das Interstaatliche Komitee hat in der Schlussitzung seiner Plenartagung den Direktor Georg Rublee autorisiert, den deutschen Behörden mitzuteilen, dass das Komitee, sich stets bemüht hat, bemüht und bemühen wird, innerhalb der nächsten fünf Jahre die Möglichkeiten einer dauernden Ansiedlung von unfreiwilligen Auswanderern aus Deutschland im Rahmen der Gesetze und der Praxis der in ihm vertretenen Regierungen zu erweitern. Der Vorsitzende des Interstaatlichen Komitees wurde autorisiert, einen speziellen Unterhändler zu ernennen, der, falls es nötig ist, die Verhandlungen fortsetzen soll. — 184.000 Juden haben Polen in 10 Jahren verlassen. W arschau. In der Budgetdebatte im Sejm erklärte der jüd. Deputierte Schwarzbart fort, sind 184.000 Juden aus Polen ausgewandert. Das Emigrationsproblem wird in letzter Zeit nicht vom wirtschaftlichen Standpunkt aus erötert, sondern zu antisemitischer Propaganda ausgenutzt. Auch der Ruf nach Eliminierung der Juden aus dem Wirtschaftsleben des Landes hinausdrängen lassen, sondern sie werden auch weiterhin mit den anderen Teilen der Bevölkerung zum Wohle des polnischen Staates zusammenarbeiten. Nie werden die Juden freiwillig auf Gleichberechtigung verzichten. — Eine private internationale Korporation. London. Die vom Interstaatlichen Komitee für die Deutschland-Flüchtlinge in seiner Sitzung am 14. Februar beschlossene Gründung einer privaten internationalen Korporation zur Finanzierung der jüdischen Auswanderung nus dem Reich wurde soeben in die Wege g< leitet. Das Interstaatliche Büro lehnt es vorläufig ab, Namen von Persönlichkeiten zu nennen, die sich bereit erklärt haben, der Korporation beizutreten, doch verlautet, dass die mit Flüchtlingshilfsarbeit sich befassenden zentralen jüdischen Organisationen zur Teilnahme werden eingeladen werden. — Die amerikanische £echo-Slovaken bitten Schutz der Flüchtlinge. Nev-York. Die vereinigten cecho-slovakischen Organisation von Nev York und Umgebung haben an den Präsidenten der cecho-slovakischen Republik Dr. Hacha, an den Ministerpräsidenten Beran und an den Minister des Auswärtigen Chwalkovsky ein Memorandum gerichtet, in welchem gegen die Einschränkung der Freiheit und der Bürgerrechte in der CSR, protestiert wird. In dem Memorandum wird u. a. gefordert : „Einstellung der antisemitischen Aktionen, Schutz für die Flüchttlinge ohne Rücksicht auf deren politisches und religiöses Bekenntnis." — Eine Erklärung des eecho-slovakischen Konsuls in New York. New York. Das csl. Konsulat in New York tritt in einer öffentlichen Erklärung der Annahme entgegen, dass die Prager Regierung antisemitisch sei. Die Lage der cechischen Juden, sei nicht eine solche, dass „berechtigter Grund zu Befürchtungen ut '...' dev Weltjudenheit und in den demokratischen Ländern bestünde"