Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 8 (23.2.1939)
- Date
- 1939-02-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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23. Februar 1939 JUDISCHE NACHRICHTEN 3 GLOSSEN. Neuerdings staatliche Hilfe für die Ansiedlung von Flüchtlingen gefordert. „Eitelkeit alter Eitelkeiten" und „Das Fata-Morgana Land". Dies sind die Titel zweier grosser Artikel, die Vladimir Jabotinsky vor Kurzem in der jüd.-revisionistischen Presse veröffentlicht hatte. Der eine behandelt mit beissender Ironie die derzeitige Londoner Palästinakonferenz und negiert sie vom Anfang bis zum Ende, der andere Artikel beweist eindeutig, dass es kein Land auf der Welt gibt, welches für eine Masseneinwanderung in Betracht kommt, nur ein Land und dies ist Erez Jisroel. Sein neuester Plan ist also der Max Nordau Pran, eine Million Juden in kürzester Zeit nach Palästina zu bringen. Wir brauchen nicht betonen, dass die Artikel Jabotinskys in einer herrlichem Style geschrieben sind und dass alle seine Argumente leider auch war sind, eines wird uns aber in diesen Ausführungen nicht verraten, wieso nämlich die eine Million Juden in kürzester Zeit nach Palästina gebracht werden sollen. Die Araber wollen dies nicht, nun das ist selbstredend und kann uns auch nicht weiter stören, aber die Engländer wollen es auch nicht. Wir alle ohne Unterschied möchten dies aus ganzem Herzen wünschen, ja es gibt keinem im jüdischen Lager, mag er auch der grösste Revisionistengegner sein, der nicht Jabotinsky lebenslänglich zum Ehrenpräsidenten ernennen würde, wenn es ihn gelingen könnte seinen Plan auch zu verwirklichen. Wir schliessen uns voll und ganz seinen Argumenten an, wir fragen nur, wie soll den jüdischen Massen geholfen werden? Die eine Rettung, nämlich ein grundlegender Wechsel in der gegenwärtigen politischen Führung des Judentumes, die Jabotinsky vorschlägt, scheint uns aber nur eine ganz kleine Rettung darzustellen . . . Wo Juden nicht sein sollten. Vor einigen Tagen konnten wir in der Tagespresse einen Bericht lesen, in dem erzählt wird, dass eine Gesellschaft von zehn halbbetrunkenen Menschen in P. . . die Fensterscheiben des dortigen Komissars ausschlugen und den Komissar selbst attapuiert haben. Das Traurigste an dieser Geschichte ist, dass auch ein Jude dabei war. Ein Teil der Presse wusste schon selbstredend von einem jüdischen Angriff gegen den Kömissar von P. . . . zu berichten. Wir wollen keinesfalls diesem Teil unserer Presse beistimmen, wir wollen aber die Handlungsweise eines solchen Juden ganz kategorisch verurteilen, Abgesehen davon, dass es sich einerseits um einen hochanständigen, seinen Amtspflichten korrekt und gerecht nachgehenden Menschen handelt, ist die Handlung an sich verwerflich. Dieser Komissar hat auch zu jener Zeit, als die Massenaussweisungen aus der Slovakei stattgefunden haben seine humane und gerechte Einstellung diesen unglücklichen Menschen gegenüber bekundet. Umsomehr können wir es nicht verstehen, dass ein Jude sich zu einer solch unüberlegten und strafbaren Tat hinreissen Iiess. — Ungarische Pfeilkreuzler Urheber des Budapester Synagogenattenfates. Budapest. Es hat sich herausgestellt, dass das Handgranatenattentat auf Besucher der Budapester Hauptsynagoge, durch das etwa 20 Juden zum Teil sehr schwer werletzt wurden, von ungarischen Pfeilkreuzler verübt werden war. Ein angesehenes ungarisches Ehepaar hat der Polizei mitgeteilt, dass seine zwei jugendlichen Söhne den Eltern gegenüber das Geständnis abgelegt haben, an dem Attentat Pfeilkreuzler beteiligt gewesen zu sein. Man spricht nun davon, dass die Regierung nunmehr die Pfeilkreuzlerische Organisationen verbieten wird. OPTIK Weinberger BRATISLAVA, Suche Myto (Dürre Maut) 3. Sorgfältige Ausführung. — Solide Preise — Reparaturen prompt. — Postaufträge umgehend London. In einem „Geordnete Ansiedlung" betitelten Leitartikel begrüssen „Times" die deutschen Vorschläge zum Problem der jüdischen Auswanderung „als Zeichen des aufrichtigen Willens der Reichsregierung, die Verfolgung zu beenden und einen geordneten Auszug zu ermöglichen" und schreiben : „Wenn aber die deutschen Vorschläge das Problem in mancher Hinsicht auch erleichtert haben mögen, so gestatten sie doch keineswegs, dass die anderen Regierungen die Lösungen ausschliesslich privater Wohltätigkeit und privaten Bemühungen überlassen. Selbst wenn kein neuer Strom von Flüchtlingen aus anderen Ländern sich ergiessen wird, werden die Länder, die sich zu praktischer Hilfeleistung an die Flüchtlinge verpflichtet haben, Mittel und Wege finden müssen, um in den allernächsten Jahren allein aus Grossdeutschland 150.000 bis 200.000 Personen zu retten und anzusiedeln. Hilfeleistung England's. Was die britische Regierung betrifft, so hat diese sowohl in Geld als auch in Waren zur Hilfeleistung an die Flüchtlinge aus der Tschecho-Slowakei und Spanien beigetragen; hingegen hat sie den Flüchtlingen aus Deutschland-Oesterreich geldlich überhaupt nicht geholfen und im übrigen nur für die Auswanderung von ein paar Tausend, Erleichterungen geschaffen. Privafgelder genügen nicht. Das Ergebnis ist, dass die durch private Wohltätigkeit aufgebrachten Gelder — die zw. London. Im englischen Unterhaus fragte Abg. Pickthorn den Premierminister, ob die Regierung bereit sei den bekannten Briefwechsel zwischen Sir Henry Mac Mahon und dem Sherif Hussein von Mekka vom Jahre 1915 in Form eines Weissbuches zu veröffentlichen. Premierminister Neville Chamberlain erwiderte : Ja, ein diese Korrespondenz enthaltendes Weissbuch wird augenblicklich vorbereitet; es wird sobald wie möglich veröffentlicht werden. Inzwischen sind, zur Erleichterung des Verfahrens, den Delegierten auf der Palästina-Konferenz, deren Verhandlungen vertraulich sind, Kopien der Briefe zur Verfügung, gestellt worden. Abg. F. S. Gocks: Die Regierungen haben es nacheinander abgelehnt, diesen Briefwechsel zu veröftentlichen, mit der Begründung, dass dies wider das öffentliche Interesse wäre. Können wir über diese Gründe etwas Näheres erfahren? Chamberlain : Ich kann nicht in die Gründe eindringen, welche die Regierungen nacheinander bewogen haben, den Briefwechsel nicht zu veröffentlichen. Die arabische Delegation auf der Konferenz hat um die Veröffentlichung ersucht und man hat es für wünschenswert befunden, ihrem Ersuchen zu willfahren. Wenn aber die Araber von dem Inhalt der Korrespondenz Kenntnis erhallen, so ist es nur wünschenswert, dass auch das Unterhaus von ihm Kenntnis erhält. Die Lage der jüd. Flüchtlinge in Italien. Abg. Harvey fragte dem Premierminister, ob seine Aufmerksamkeit auf die kürzlichen Bestimmungen gelenkt wurde, unter denen jüdische Flüchtlinge in Italien, falls sie nicht noch vor dem 12. März auswandern, das Gesamte Vermögen beschlagnahmt werden wird, während sie selbst ins Gefängnis gesteckt werden, und ob der Premier in Anbetracht dessen, dass viele von diesen Flüchtlingen sich gerne in britischen Kolonien oder Dominions an und für sich riesig sind, verglichen mit dem Bedarf aber so gut wie nichts bedeuten — nur einige Tröpfchen aus dem riesigen Reservoir von Menschenwesen ist. Die einzige Aenderung in der Haltung der Regierung scheint darin zu bestehen, dass diese in gewissem Masse bereit ist, direkt oder indirekt einen Teil der Kosten der Untersuchung bestimmter Ansiedlungsgebiete auf ihre Brauchbarkeit hin zu tragen. . . Eine vorsichtige Berechnung beziffert die Kosten der Ansiedlung auf 200 Pfund pro Kopf. Wie stellt man sich die Gruppensiedlung vor. Es wäre ein Fehler, anzunehmen, Siedlungspläne müssten hauptsächlich landwirtschaftlich sein. Niemand kann den technischen Erfolg der jüdischen Kolonisation bezweifeln und doch leben 80 Prozent der jüdischen Bevölkerung in Städten. . . Wenn all das Gerede über Gruppensiedlung zu irgendeinem Ergebnis führen soll, so muss als erstes die Gewinnung der Dienste derer erfolgen, die praktische Erfahrung in der Sache haben. Sie müssen zu einer Körperschaft zusammengefasst werden, um Pläne auszuarbeiten und einen Kostenvoranschlag zu liefern. Dann muß man sehen, welche Beträge durch Anleihe aufzubringen sind, um die koloniale Entwicklung in Gang zu bringen. Vielleicht wird es dann möglich sein, dass auch das englische Volk sich an einer Sache beteiligt, die vielleicht einen neuen Begriff der kolonialen Entwicklung bedeuten mag." ansiedeln möchten, veranlassen würde, dass die Ausstellung von Visen etc. beschleunigt wird; dadurch könnten diese Leute Italien innerhalb der ihnen gesetzten Frist verlassen. Unterstaatssekretär Butler: Ein am 19. November v. J. in Rom veröffentlichtes Gesetzesdekret bestimmt, dass ausländische Juden, die Italien nicht bis spätestens 12. März verlassen, abgeschoben bezw. zu drei Monaten Gefängnis oder zu einer Geldstrafe bis zu 5.000 Lire verurteilt werden. Ausnahmen gelten nur für jene, die das 65. Lebensjahr bereits erreicht haben, sowie für mit Italienern Verheiratete. Keine besondere Erleichterungen. Gesuche von aus Italien auswandernden Personen um Zulassung in das Vereinigte Königreich werden sehr sorgfältig erwogen werden; in solchen Fällen werden Visa unter denselben Bedingungen ausgestellt, wie in den Fällen der Zulassung anderer Flüchtlinge. Die Zulassung von Flüchtlingen in die Dominions ist eine Angelegenheit der betreffenden Dominion-Regierungen selbst. Ihre Zulassung von Einwanderern in die Kolonien hängt, in ähnlicher Weise, von den Gesetzen und Bestimmungen der verschiededenen Territorien ab, die — allgemein gesprochen — auf alle Einwanderer, gleichgültig ob Engländer oder Ausländer, Anwendung finden. Da die Kolonialregierungen generell ersucht worden sind, Gesuche von Flüchtlingen, von denen man erwarten kann, dass sie sich als gute und nützliche Bürger erweisen werden, so wohlwollend wie möglich zu behandeln, würde es nicht möglich sein, vorzuschlagen, dass besondere Erleichterungen für Flüchtlinge aus irgendeinem speziellen Lande geschaffen werden. — Dr. Geza Fisch Augenarzt Bratislava, Sladkovicovä 11. ord. 10—12 u. 3—5. Ein interessanter Briefwechsel von 1915 wird als Weissbuch erscheinen.