Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 8 (23.2.1939)
- Date
- 1939-02-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 JÜDISCHE ACHRICHTEN 23. Februar 1939. Stephen Wise bei der Konferenz. Ich spreche, sagte er, im Namen von Millionen amerikanischer Juden und nicht jüdischer Freunde Palästinas. Amerika ist seit den Tagen des Weltkrieges an der Errichtung des Jüdischen Nationalheims interessiert. Der verstorbene Präsident Woodrow Wilson hat an der Verkündung der Balfour-Deklaration In hervorragendem Masse Anteil genommen. Vielen Hunderttausenden Juden mache lediglich die Hoffnung auf Palästina das Leben erträglich. Nur Palästina sei imstande, sofort grosse Massen von Flüchtlingen aufzunehmen. Dr. Wise kam des weiteren auf die in Palästina herrschenden Verhältnisse zu sprechen und erklärte, zu Kolonienminister Mac Donald gewandt, die Unterdrückung von Gewalt und Terror sei der oberste Grundsatz des anglosächsischen Gesetzes; und der Begriff „Mandat" bedeute eine starke Regierung. Der Briefwechsel zwischen Henry Mac IMahon u. dem Sherif Hussein. Vom 15. Februar. Ueber den Inhalt der abgehaltenen Sitzung englischer Regierungsmitglieder mit arabischen Führern erfährt man, dass der Briefwechsel zwischen Sir Henry Mac Mahon und dem Sherif Hussein von Mekka aus dem Jahre 1915 Gegenstand der Erörterungen bildete. Den arabischen Delegierten wurden Kopien der Briefe ausgehändigt. Aus informierter, der Regierung nahestehender Stelle verlautet, dass im Verlauf der bisherigen Erörtungen im Zusammenhang mit der erwähnten Korrespondenz weder die Araber, die das ihnen gemachte Versprechen so verstehen, dass Palästina in den unabhängigen arabischen Staalenbung einbezogen werde, noch die britische Regierung, die von je auf dem Standpunkt gestanden hat, dass Palästina aus diesem Versprechen ausgeschlossen war, auch Berlin, Es werden jetzt weitere Einzelheiten zur Durchführung der Massenauswanderung der Juden aus Deutschland bekannt. Laut „Times" sieht der deutsche Regierungsplan einen Exodus der Juden vor, der sich auf fünf Jahre erstrecken soll. Ob diese Auswanderung eine kontrollierte und geregelte sein wird, hängt von der Mitarbeit anderer Regierungen ab, die die Aufgabe übernommen haben, neue Länder für die Auswanderer zu finden. Diese deutschen Vorschläge sind von dem Interstaatlichen Komitee eingehend geprüft worden. Zur Finanzierung dieser Auswanderung plant die Reichsregierung eine neue jüdische Vermögensabgabe; 25 Proc. von dem den Juden nach Einkassierung der Milliardenbusse gebliebenen Vermögen sollen einem Fonds zugeführt werden, dessen Verwaltung einem Dreimänner-Kollegium obliegen soll. Bratislava. Die jüdischen Organisationen und Institutionen in der Gecho-Slovakei sind redlich und ernsthaft bemüht, die Frage unserer Emigranten zu lipuidieren. Die Zahl der Emigranten sinkt beständig. Diese wandern, einzeln oder in Gruppen nach Uebersee, hauptsächlich nach Mittel und Südamerika, wie auch nach Palästina, aus. Die jüdischen Flüchtlinge aus den abgetrenten Gebieten haben sich früher für die CSR. exponiert, ihre Kinder in cechische und slowakische Schulen geschickt und für die Staatsverteidigung grosse Summen gespendet. Hoffentlich werden die Aemter allen diesen Tatsachen Rechnung tragen und die nur einen Zoll von ihren gegensätzlichen Positionen abgewichen seien. Jüdische Delegation lehnt Mac-Donaldrs Vorschläge ab. «n derSHZu„gderenglischen Regung, mitglieder mit den jüdischen Delegierten am 17. Februar gaben Ghaim Weizmann und M. M. Ussischkin die Antwort an Kolonialminister Mac Donalds „ Kompromisslösung", welche folgende Punkte enthält : 1. Beschränkung der jüdischen Einwanderung, 2. Beschränkung des Bodenerwerbs durch Juden, 3. politische Gleichheit für Juden und Araber. Dr. Weizmann erklärte in der Freitagsitzung, das jüdische Konferenz-Komitee habe die Vorschläge angehört und erteile nun eine „wohl abgewogene Antwort" : Die Vorschläge sind für die Juden vollkommen unannehmbar. Nie und nimmer werden sich die Juden mit dem Status einer dauernden Minderheit in Palästina abfinden, ebenso wenig werden sie irgendeinem anderen Vorschlag zustimmen, der — wie die vorliegenden Vorschläge des Ministers Mac Donald — eine Verletzung der Balfour-Deklaration und des Mandates bedeuten. Dr. Weizmann fügte hinzu, die jüdische Delegation würde eine Zeitvergeudung darin sehen, sich in die Erörterung von Einzelheiten betreffend diese Vorschläge einzulassen; Einzelheiten können erst behandelt werden, wenn eine Verständigung über prinzipielle Fragen vorher erfolgt ist. Der Vorschlag auf Einschränkung der Einwanderung könne schon darum nicht akzeptiert werden, weil er ein völlig neues Prinzip einführt: das arabische Velo in der Frage der jüdischen Einwanderung. In ähnlichen Sinne äusserte sich auch M. M. Ussischkin, der diesen Plan als eklatanten Bruch der Balfour Deklaration und des Mandates bezeichnete. Zwei der Zreuhändler will die Regierung selbst ernennen, der dritte soll ein Ausländer jedoch ein „Arier" sein : ein Bankier von internationalem Ruf soll dafür in Aussicht genommen worden sein. Die Reichsregierung besteht darauf, dass man vor dessen Ernennung ihr Agrement einholen soll. Hundertfünfzigtausend Juden beiderlei Geschlechts bis zum Alter von 45 Jahren sollen nebst den von ihnen abhängigen 250.000 weitere Personen zur Auswanderung gebracht werden. Es würden dann etwa 200.000 über 45 Jahren in Deutschland zurückbleiben, die in der Hauptsache vom Ausland her vu ernähren sein werden. Die Reichsregirrung soll, so nimmt man an, auch bereit sein, die in Aussicht genommene internationale Korporation zur Finanzierung der jüdischen Auswanderung anzuerkeennen. Durchführung der Verordnungen menschilich und gerecht betreiben. Auch die Zahl dieser Flüchtlinge ist ständig in Abnehmen begriffen, da fast sämtliche Palästina-Zertifikate ihnen zugewiesen wurden. Von jüdischer Seite wird sicherlich alles üersucht werden, um durch Förderung der Emigration dieser Flüchtlinge zur Lösung des Judenproblems in der Tschecho-Slovakei beizutragen. Jerusalem. „Haarez" teilt mit, dass der Oberrabbiner von Rom Dr. David Prato, sein Amt verla;»öl und sich dauernd in Palästina niederlassen wird, Orthodoxie und Organisation. (Fortsetzung.) Der Mangel einer auf den breiten konservativen Massen sich stützende, in sich fest gefügte, straffe und aktive Organisation, macht sich auf allen gebieten stark fühlbar und es wäre eben das Primäre, alle Kräfte innerhalb der Agudas Jisroel zusammenzufassen. Diese Kräfte müssten zunächst für die Postulate der Thora aktiviert werden; dieser müssten wir in der jüd. Gemeinschaft jene Rolle verschaffen, die ihr gebührt. Wir müssen aber auch unter spezieller Berücksichtigung des Standpunktes der Thora und eben im Interresse der Wahrung des Thoracharakters des jüdischen Volkes, den Realitäten des Lebens in Anbetracht der neuen Konstellation, Rechnung tragen. Wir müssen die aktuellen Probleme mit beiden Händen anfassen und auch für den konservativen Juden, der unter unsänglichen Leiden seine Treue zur Thoragemeinschaft bis heute bewahrte, das tun was nur irgend möglich ist um diesen nicht vollends zu enttäuschen. Wir müssen dieses wertvollste Element unseres Volkes, organisiert in den Umschichtungsprozess einschalten, in einer Weise, dass diese auch weiter ihrem G-tte und ihrer Ueberzeugung Treue bewahren können. Dazu aber benötigen wir die aktive Mitarbeit aller Treuen. Die Ignoranz orth. Kreise gegenüber der Organisation war bisher sündhaft, heute aber wäre es bedeutend mehr. (Schluss.) Das Problem der jüd. Volks und Bürgerschulen. Es ist bereits bekannt, dass in den letzten Tagen in einigen Ortschaften die jüdischen Kinder aus den dort bestehenden allgemeinen Volks und Bürgerschulen entlassen wurden. Die kompetenden jüdischen Kreisen befassen sich bereits mit der Gründung von neuen jüdischen Volks und Bürgerschulen. Zu der Gründung von jüd. Bürgerschulen wollen wir auch unseren Standpunkt klarlegen. Es ist selbstredend, dass die jüdischen Kinder die vier Mittelschulen absolvieren müssen, denn ,,Dine D'malchise Dine". Wir halten es als ganz selbstverständlich, dass in Orten wo eine mit Bürgerschulkurs verbündeten T. T. bereits existiert, diese Frage überhaupt kein Problem bilden darf. Aus dem einfachen Grunde wie in diesem Falle diese T. T. gekräftigt unterstützt, keineswegs aber dieser Gründung einer Konkurrenzanstalt geschwächt werden darf. Das Problem tritt nur dort in die Erscheinung eine solche Institution noch nicht existiert Es wäre jetzt die Möglichkeit die Gründrug der Bürgerschulen mit den Talmud-Thoraanstalten zu vereinigen, wobei das Thoralernen selbstredend keine untergeordnete sondern vielmehr einen übergeordnete Rolle spielen müsste. Bei etwas gutem Willen, bei richtiger Zeiteinteilung und ordentlicher Auswahl von Pädagogen, die genügend jüdisches und allgemeines Wissen besizen und den relig.- jüdischen Standpunkt den Kindern beibringen können, ginge dies alles sehr gut. Wir würden nur wünschen, dass die jüdische Oeffentlichkeit, dieses so hochwichtige Problem mit den gebührenden Ernst behandle. — Das hebräische Gymnasium in Munkac in ein Jüdisch-Ungarisches umgewandelt. Prag. Nach Besetzung der Stadt Munkac durch die Ungarn wurde das dortige hebräische Gymnasium zunächst gesperrt. Vor kurzem wurde die Lehrtätigkeit im Gymnasium wieder aufgenommen, doch ist ungarisch, hebräische Tprache und Bibelunterricht bilden jedoch einen Teil des Lehrplanes. Leiter des Gymnasiums ist Ing. Rubin. Deutschland bereitet deh Exodus der Juden auf fünf Jahre vor. Die Revision der Staatsbürgerschaften und die Emigrantenfrage.