Jüdische Nachrichten
- Journal
- Jüdische Nachrichten
- Volume
- 9 (1939)
- Issue
- 7 (16.2.1939)
- Date
- 1939-02-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 JÜDISCHE NACHRICHTEN 16. Februar 1939. Der Rabbi und der Satan. — Ostjüdische Legende. — . . . Die Lage der Juden wurde immer trauriger. Verfolgungen, Bedrückungen, Pogrome, Verleumdungen und Verdächtigungen folgten einander. Dazu wirtschaftliche Not, Mangel an Auskommen, erwachsene Töchter, die keine Männer finden, bejahrte Söhne, die nicht heiraten können. Die ganze jüdische Diaspora notleidend, nirgends Ruhe, von keiner Seite Hoffnung und Zuversicht, Hilfe und Trost. Es war gerade in den heiligen furchtbaren Tagen zwischen Neujahr und Versöhnungstag. Das alte Jahr mit seinen Flüchen war verschwunden. Abea das neue Jahr brachte keine Segnungen. Die Tausende und Abertausende Chassidim, die von nah und fern zum Rabbi anläßlich des Neujahrsfestes geeilt sind, bestürmen ihn um Rat und Hilfe. Fast keiner brachte gute Botschaft. Jeder zählte eine Liste von Leiden und Sorgen auf. Da entschloss sich der Rabbi zu einem heroischen Schritt. „Herr der Welt! G-tt Abrahams, Isaaks und Jakobs! Es ist nicht weiter zu erlragen. Schon fast zwei Jahrlausende hindurch erfleht Dein Volk Israel die Erlösung aus der Zerstreuung, aus dem Dunkel des Golus, ohne daß Du Dich seiner erbarmt hättest! Wir können nicht weiter! Wir werden am kommenden Versöhnungstage keine Gebete mehr verrichten!" „Herr der Welt! Im Namen des jüdischen Volkes fordere ich die endliche Erlösung aus dem Golus! W ir können und wollen nicht länger warten! Und wenn in Deinem Ratschlüsse enschieden worden ist, das Golus weiter aufrechtzuerhalten, so hast Du doch selbst bestimmt, daß der „Zaddik" Deine Beschlüsse umstürzen kann. Nun bin ich der „Zaddik hador", der Gerechte des Zeitalters, und ich erkläre Deinen Beschluss für null und nichtig 1 Es geht nicht weiter! Wir beten und flehen nicht mehr!" Und die energische Stimme des Rabbi bahnte sich den Weg durch alle Himmel und erreichte den „Kisseh-hakoweud", den Stuhl der Herrlichkeit. Und die Stimme drang bis in das Paradies und störte die Gemächtlichkeit der Heiligen und Gerechten. Und es erwachten die Patriarchen Abraham, Issak und Jakob, und es wurden aufgerüttelt die Mütter Sarah, Riwka, Rachel und Lea. Und es wurden bestürmt Moses und Aron, die Könige David und Salomo, die Propheten, die Tanaiten und Amorilen, die Gelehrten und die Märtyrer aller Generationen. Und es rückten vor alle Engel, die durch gute Taten einzelner Juden erschaffen wurden, und es kamen all die guten Geister, die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Gnade und das Erbarmen. Und alle, alle bestürmten den Ewigen und forderten die Erlösung des jüdischen Volkes. Im Abgrund der Hölle wurde Satan aufgeschreckt. Der Vater alles Bösen sah seine Existenz bedroht. Erringen Wahrheit und Gerechtigkeit, Gnade und Erbarmen den Sieg, dann ist es aus mit Satans Herrlichkeit. Da muß etwas geschehen. Vom Stuhl der Herrlichkeit ertönte die Stimme des Ewigen : „Wer ist der, der den Sturm entfacht hat, wer wagt es, meine Entscheidung umstürzen zu wollen? Und der Rabbi erwiderte : „Ich, der Zaddik hador 1" „Bist Du der Zaddik des Zeitalters? fragt der Vorsitzende des himmlischen Gerichtshofes. „Hast Du das Recht, im Namen der jüdischen Gemeinschaft zu sprechen? „Ja!" „Wer zeugt dafür?" „Jeder Jude!" „Wir wollen die Zeugen hören 1" Im Lehrhause des Rabbi saßen einige junge Leute, vertieft im Talmudstudium. Da erschien ein alter Mann, Rabbi Samuel aus Jerusalem. Ein heiliger Mann war Rabbi Samuel, ein großer Gelehrter und Kabbaiist. Er setzte sich zu den jungen Leuten und begann ihnen Aussprüche des Baal Schern zu zitieren. „Der Zaddik des Zeitalters darf nie erklären, der Zaddik hador zu sein. Er weiss es nie genau- Fragt er aber seine Anhänger : Bin ich der Zaddik hador, so ist es verboten, ihm zuzustimmen, denn er könnte sonst übermütig werden." Da erschien der Rabbi. „Juden, bin ich der Zaddik hador?" Keine Antwort. Die Anwesenden schwiegen. Was sollten sie auch sagen? Sie haben doch vorhin die Worte des Baal-Schem gehört. „Bin ich der Zaddik hador?", wiederholte der Rabbi seine Frage. „Ich bin es doch! Warum verweigert ihr es, dies zu bezeugen?" Sie schwiegen. Blickten auf Rabbi Samuel, der ihnen „Schweigen!" zuflüsterte und in Rauch und Nebel verschwand. Da verstand der Rabbi was vorgegangen war. Satan hat gesiegt. Der Rabbi konnte die Bestätigung, der „Zaddik des Zeitalters" zu sein, nicht erhalten und damit auch nicht das Recht, im Namen des ganzen jüdischen Volkes zu sprechen. Die Macht, den Ratschluss des Ewigen umzustürzen, blieb ihm versagt. Aus der Orthodoxen Bewegung. . . Die Erez-Jisroel Regierung gibf Zertifikate für Jeschiwabachurlm. Auf Intervention der Asrudas Jisroel in Erez Jisroel hat die Regierung diese Woche, die erste Rate von Zertifikaten für Jeschiwa- Bachurim und Jeschivaleiter von Deutschland und Oesterreich bestätigt. Die Regierung stellt sich im allgemeinen wohlwollend zu den Forderungen dieser Art von Zertifikaten und in den nächsten Tagen sind weitere Bestätigungen zu erwarten. Ein Emigrations-Büro der Agudas Jisroel in Paris. Als eines der Erfolge der letzten Waad Hapoel Sitzung ist die Eröffnung eines Emigrationsbüros der Aguda in Paris zu bezeichnen. Hier werden informationen erteilt und es wird auch für die weitere Einordnung der Flüchtlinge gesorgt. Der Vorsitzende dieses Büros ist Herr Dr. S. Ehrmann aus Frankfurt. Eine palästinensische Delegation fährt nach Polen zugunsten des K. Hajischuw. Drei Mitglieder der Poale Agudas Jisroel sind diese Woche nach Warschau abgereist, um dort eine grosszügige Aktion zugunsten des Keren Hajischuw einzuleiten und diese sodann in ganz Polen durchzuführen. Eine Aguda-Delegation beim neuem Völkerbundkommissär für Flüchtlinge. Diese Woche empfing der neue Völkerbundkomissär eine Aguda-Delegation bestehend von den Präsidenten Jakob Rosenheim und den politischen Sekretär Harry Goodmann. Die Delegation besprach ausführlich die Flüchtlingsfrage und insbesondere die Frage der cechoslovakischen und italienischen Emigranten. Sir Herberl erklärte, dass er diesbezüglich mit der cecho-slov. Regierung im ständigem Kontakt sei. Unangenehmer ist es jedoch mit den italienischen Flüchtlingen, da es schwer sei von der italienischen Regierung eine klare Antwort zu bekommen. Was Italien betrifft, so könne er sich nur mit den aus Deutschland und Oesterreich hingewanderten Emigranten beschäftigen. Der Völkerbundkomissär begrüsste sehr warm die Arbeit der Agudas jisroel zugunsten der Flüchtlinge und versprach von nun an mit der Aguda in ständigen Kontakt zu bleiben. Die offiz. Bestätigung des Aguda-Präsidenfen zur Round-Table Konferenz. Der Präsident Jakod Rosenheim ist von der englischen Regierung als Vorsteher der Aguda-Delegation zur Round-Table Konferenz bestätigt worden. Als Stellvertreter sind Raw Mosche Blau und Harry Goodmann bestimmt worden. Des breitere Komitee bilden : Raw Blau, Harry Goodmann, Rab. Jicchak Meir Lewin, Dr. Pinkas Kohn. Dr. Ehrmann und Raw Horowitz. Der Jerusalemer Bischof berät sich mit Raw Mosche Blau. Der Bischof aus Jerusalem, der derzeit in London weilt, lud Raw Mosche Blau zu einer Besprechung ein, um mit ihm alle Fragen» die die Round Table Konferenz betreffen, gemeinsam zu beraten. Die Zaire Agudas Jisroel in Amerika unternimmt eine Aktion für den K. Hajischuw. In der Sitzung der Zeire Agudas Jisroel, welche vorige Woche stattgefunden hatte, wurde insbesondere die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel behandelt. Es wurde beschlossen, an Purim, den 5. März einen Blumentag mit Gassensammiungen unter der Beteiligung allen Jeschiwa und Talmud-Thora Zöglinge von New York, durchzuführen. Zu diesem Zwecke wurde ein Komitee eingesetzt, welches die einzige Aufgabe hat, diese Eraz Jisroel Aktion durchzuführen. Agudas Jisroel in Amerika kauft ein Haus für Flüchtlinge. Die Emigrationsabteilung der Agudas Jisroel in New York hat gemeinsam mit der „Zeire Agudas Jisroel" ein grosses Haus abgekauft, welches den nach Amerika ankommenden- Flüchtlingen zur Verfügung stehen wird. Im Hause befindet sich ein Beth-Hakneses und auch ein Ort zum Lernen. Die Emigranten werden hier wohnen können und bekommen ausserdem dreimal täglich zu essen. Das Haus trägt den Namen „Das Flüchtlingsheim der Ag. Jisroel". Die Adresse lautet: 2, West 86 Street, Zimmer 217, New-York, Gity. Die holländische Regierung erlaubt die Vergrössung einer agudist. Hachschara. Amsterdam. Nach einer Intervention der hiesigen Aguda, hat die holländische Regierung die Erlaubniss erteilt, die Hachschara für agudistische junge Leute aus Deutschland zu vergrössern. Die erste Gruppe von 17 Jugendlichen kommen diese Tage an. Perlen aus dem Talmud. Ein heftig Reugefühl, im Herzen rege, Ist schönere Busse als hundert Rutenschläge. ★ Mag schon das Schwert des Menschen Hals umarmen, Noch boffe er auf göttliches Erbarmen. ★ Mensch, öffne nie der Lippen Pforte, Für Satans widerliche Worte. So war der Gruss in Zions Tempelreich, Wenn wechselnd dort die Priester Abschied nahmen : „Der G-tt, der hier lässt thronen seinen Namen, „Er lasse thronen Brudersinn zugleich „Und Liebe, Frieden, Freundschaft unter euch!" Englisch Unterricht I l# mit schnellem und sicherem Erfolg. Wichtig für Auswanderer. Frau Lenke Szekely Presov, Hlinkova 63.